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International «Die Briten haben wirkungsvolle Lenkwaffen»

Die Beteiligung der Briten an den Bombardierungen des IS in Syrien könnte laut ETH-Experte Mantovani durchaus etwas bringen. Denn die US-geführte Koalition kann nach dem Rückzug der Golfstaaten durchaus eine Verstärkung gebrauchen.

Vier Kampfflugzeuge am Himmel, im Hintergrund Wolken.
Legende: Eine Staffel britischer Kampfjets kehrt nach ihrem Einsatz in Syrien nach Zypern zurück. Keystone

SRF News: Was bewirken die Luftangriffe der Briten im Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat?

Mauro Mantovani: Sie können vor allem im Bereich der Öl- und Gas-Infrastruktur sowie bei der Bekämpfung von mobilen Zielen am Boden wie Konvois oder sich bewegende Einzelkämpfer etwas bewirken. Auch für Präzisionsangriffe auf Gebäude haben die Briten die nötige Technik.

Die ersten Ziele der Briten in Syrien waren Ölfelder. Weshalb?

Der «Islamische Staat» scheint immer noch Erdöl und -gas zu produzieren und teilweise auch zu exportieren. Zwar wollen die USA in den vergangenen Monaten 200 Ziele der Öl-Infrastruktur ausgeschaltet haben, doch trotzdem konnte der Öl-Export offenbar nicht unterbunden werden. Deshalb haben nun auch die Briten solche Ziele ins Visier genommen.

Die Royal Air Force brüstet sich damit, über modernste Waffen, etwa jene vom Typ «Brimstone», zu verfügen. Ist die britische Luftwaffe präziser als andere?

Mit der ursprünglichen Panzerabwehr-Lenkwaffe «Brimstone» hat die Luftwaffe tatsächlich ein wirkungsvolles Instrument in der Hand. Die Lenkwaffe ist mit einem hochmodernen Radar-Suchkopf ausgerüstet, der es erlaubt, bewegliche Ziele zu bekämpfen oder präzise Angriffe auf Gebäude durchzuführen. Die «Brimstone» verfügt über einen kleineren Sprengkopf als beispielsweise die US-Lenkwaffe «Hellfire», was das Risiko von zivilen Opfern vermindert. Es scheint aber, dass die Briten nicht mehr viele von diesen Lenkwaffen am Lager haben – die Rede ist von nur noch etwa zehn Stück. Da muss man schon bezweifeln, wie viel man mit zehn solchen Lenkwaffen bewirken kann.

Die US-geführte Koalition ist durch den Rückzug der Golfstaaten ausgehöhlt worden.

Inwiefern hat der Einfluss der Politik dazu geführt, dass nun auch die Briten Angriffe auf syrische Ziele des IS fliegen? Frankreich hatte seine Partner nach den Anschlägen von Paris ja nachdrücklich darum gebeten, sich militärisch in Syrien zu engagieren.

Sicher geben die Briten damit auch ein starkes politisches Zeichen, eine Solidaritätsbekundung an die Adresse Frankreichs. So wurde der Beistandsartikel der EU aktiviert und Grossbritannien explizit von Frankreich um Mithilfe gebeten. Andererseits führen die Briten in Irak schon seit Monaten Luftoperationen gegen den «Islamischen Staat» durch. Insofern tun sie nichts fundamantal Neues, es ist lediglich eine Ausweitung ihres Operationsraums.

Könnte man als Fazit sagen, dass die Ausweitung des britischen Einsatzes auf den syrischen Luftraum tatsächlich militärische Auswirkungen haben könnte?

Ja. Die Briten sind bereit und auch fähig dazu, gewisse Ziele zu bekämpfen, die bisher zu wenig im Fokus standen. Ich denke da an die Öl-Infrastruktur und mobile Ziele. Andererseits stärken sie die US-geführte Koalition im Luftkampf gegen den IS. Denn in den letzten Monaten ist die Allianz durch den teilweisen oder vollständigen Rückzug Saudi Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars, Bahreins und Jordaniens ausgehöhlt worden. Zudem ist Russland mit dem Eingreifen ins Kampfgeschehen in Syrien ein Player geworden. Insofern wird mit der Ausdehnung des britischen Einsatzes ein in letzter Zeit entstandenes Ungleichgewicht etwas ausgeglichen.

Das Interview führte Urs Gilgen.

Mauro Mantovani

Mauro Mantovani

Der Dozent für Strategische Studien lehrt an der Militärakademie der ETH Zürich. Vorher war er beim VBS und beim strategischen Nachrichtendienst tätig.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    @Bruno Vogt:Von diesem Ölschmuggel scheinen viele profitiert zu haben, auch der von Putin protegierte Assad. Aber der IS ist nicht auf Einnahmen aus dem Ölverkauf angewiesen. Er hat auf einem Gebiet, so groß wie GB, also 8 x größer als die CH, bereits effiziente staatliche Strukturen wie Steuer- und Schutzgeldsysteme, Gesundheitswesen, eine öffentliche Verwaltung etc. etabliert. Neben Luftkämpfen noch Auszuhungern ist auch keine Lösung, da man dann wiederum die Zivilbevölkerung treffen würde.
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  • Kommentar von Georg Benad (kreanga)
    Ich würde den Schweizern mal empfehlen sich die Seite des Kopp-Verlages aus Deutschland einmal anzusehen.Dieser Verlag bringt sehr interessante Hintergrundberichte zu den Ereignissen in Syrien und auch aus Deutschland die bestimmt nicht von unserer Mutti geliebt werden.Die Amerikaner sind zwar in der Lage die FIFA in Zürich zu bekämpfen,aber bei den wichtigen Dingen in der Welt versagen sie kläglich.
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  • Kommentar von P Fetz (P.Fetz)
    Ich sage nur, mehr Terroranschläge, Flüchtlinge und Zivilopfer wird dass Ergebniss sein, des Bombenregen und wieder wurde ein sogenannter Experte ausgegraben der in der Schweiz lebt und vermutlich noch nie in den Kriegsgebieten war! Schaade ist Hr. Ulrich Tilgner in Rente, dem konnte man noch vertrauen!
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