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Trumps Rede in Phoenix Die Demontage der Demokratie – vor aller Augen

Trump zeige, dass er nicht Präsident aller Amerikaner sei. Sondern jener seiner Klientel, sagt Journalist Arndt Peltner.

Trump spricht vor Anhängern in Arizona.
Legende: Trump spricht vor seinen Anhängern in Arizona – am Rande der Rede gab es Proteste. Keystone

Die Rede Donald Trumps in Phoenix hat zementiert, dass der Präsident überhaupt kein Interesse daran hat, Gräben zu überbrücken, Amerika zusammen zu führen, dem politischen Gegner zum Wohl der USA die Hand zu reichen. Wer daran geglaubt hat, wer gehofft hat, nach dem Abgang von Stephen Bannon einen gemässigteren Donald Trump zu sehen, der wurde am Dienstagabend eines besseren belehrt. Die Hoffnung darauf ist in Arizona endgültig gestorben.

Präsident seiner eigenen Interessen

Trump hat in den letzten Jahren viele Reden als Wahlkämpfer und Präsident gehalten. Sein Auftritt in Phoenix wird im Rückblick als einer seiner wichtigsten, weil deutlichsten, gesehen werden müssen. Gerade auch weil diese Rede kurz nach den Vorfällen in Charlottesville kam. Vorfälle, die Amerika im Mark erschüttert haben, eine breite Debatte über das losgetreten haben, was Amerika war, ist und sein will. Trump hat in Phoenix gezeigt, dass er kein Interesse daran hat, der Präsident aller Amerikaner zu sein, sondern er vielmehr nur der Präsident seiner einseitigen «America First» Basis und seiner eigenen Interessen ist.

Medien rücken allesamt von Trump ab

Die Reaktionen auf Trumps Verbalschläge waren mehr als deutlich. Don Lemon von CNN meinte, er habe gerade eine «total eclipse of the facts» gesehen, also eine totale Verdunkelung der Tatsachen, denn Trump habe bewusst und ohne Skrupel die Geschichte umgeschrieben. Sogar die Gesprächsrunde von Fox News, Trumps «Haussender», zeigte sich sprachlos. Der Präsident sei hier und heute zu weit gegangen.

Diese Rede hat klar gemacht, was in der kommenden Zeit, in den kommenden Jahren in den USA passieren wird. Die Gräben, die durch die amerikanische Gesellschaft verlaufen, wurden nun auch noch mit Stacheldraht gesichert. Die grosse Frage kann an diesem Abend nur sein, wie lange die republikanische Partei, für die er antrat, noch zusehen wird – noch zusehen wird können. Denn hier wird vor aller Augen die Demokratie demontiert.

Sendebezug: SRF 4 News, 6:30 Uhr

Arndt Peltner

Arndt Peltner
Legende: zvg

Der freischaffende USA-Korrespondent ist für mehrere deutschsprachige Zeitungen und Radiostationen tätig, unter anderem auch für SRF. Der gebürtige Nürnberger lebt in der Nähe von San Francisco.

103 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Seit wann hat die USA Demokratie... was nicht vorhanden ist, kann man auch nicht demontieren....z.B über 6 Millionen Häftlinge haben kein Stimmrecht.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Einmal abgesehen davon, dass die Amerikanische Verfassung Vorbild für unsere Verfassung war, haben Häftlinge auch in der Schweiz kein Stimm- und Wahlrecht. Und im Gegensatz zu Deutschland, wo eine rein parlamentarische Demokratie herrscht und der Bürger allerhöchstens auf Gemeindeebene ein gewisses Mitbestimmungsrecht eingeräumt wird (Bürgerinitiative), hat, je nach US-Bundesstaat, der Bürger massiv mehr Rechte und Einfluss auf die Politik als im Heimatland des Autors Arndt Peltner.
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    2. Antwort von Kurt Meier (Kurt3)
      Herr Räumelt , 900'000 Zugewanderte in der Schweiz haben auch kein Stimm-und Wahlrecht . Ist die Schweiz deshalb keine Demokratie? Schlechtes Beispiel, Herr Räumelt .
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    3. Antwort von ivan regolati (Pàtek)
      Ja, und was Trump selbst angeht, so liegt wohl tatsächlich einiges im argen, aber es hat mich offen gesagt überrascht, dass seine vernünftige Haltung zu Afghanistan ("kein Nation- building", Afghanen sollen ihre Regierungsform selbst bestimmen) praktisch kein Medienecho bei uns gefunden hat. Da hat wohl der falsche das richtige gesagt*
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    4. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Einer Studie der amerikanischen Eliteuniversität Princeton zu folge sind die USA keine Demokratie mehr. Die “Washington Times” titelte: “Amerika ist keine Demokratie mehr – geschweige denn die demokratische Republik wie sie durch die Gründerväter angedacht war.”
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    5. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Und alle Amerikaner/Innen, welche mal in Haft waren, verlieren ihr Stimmrecht. Auch dann, wenn sie ihre Strafe abgebüsst haben.
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    6. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Um es mal präzise zu formulieren: Jeder der eines schwereren Verbrechens also einer 'Felony' für schuldig befunden wird verliert auf Lebzeiten das Wahlrecht. Alle Vergehen die maximal mit einem Jahr oder weniger bestraft werden sind 'Misdemeanors' und führen nicht zum Entzug des Wahlrechts. Wenn man dazu noch weiss dass rund 25% aller Häftlinge weltweit in den USA einsitzen obwohl die USA nur 5% der Weltbevölkerung haben, kanm man sich schon Sorgen machen.
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  • Kommentar von Kurt Meier (Kurt3)
    Interessant , dass es in der Schweiz Leute gibt , die sich als Anwälte des US - Präsidentendarsteller betätigen . Sie biegen und drehen Sätze und Aussagen , aus unbekannten Quellen , interpretieren Trumps Reden nach Ihrem Gusto. Andersdendende werden angemacht : Beweise, Beweise . Oder mit der Kindergarten Argumentation Er nicht , die anderen auch totgeschlagen. Löblicherweise, und das ist selten , hat sich der Autor in die unsäglichen Kommentare eingemischt.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      In der USA läuft ja schon seit Jahrzehnten vieles verkehrt. "Dank" Trump sieht man jetzt einwenig hinter den "weissen" Vorhang dieser "Vorbild"-Demokratie. Ähnlich der Enthüllung eines Denkmal. Nur dass dieses Denkmal dann halt nicht allen gefällt.
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  • Kommentar von tom rosen (tom rosen)
    Die Demokratie wird überall demontiert. Teilweise offensiv (Venezuela, Türkei, USA), teilweise subversiv. Dabei wirken gesteuerte und eigendynamische Mechanismen. Die reduzierte Volksbildung und das quasi globale Informationsduopol, selektierende Filterblasen und Politikverdrossenheit (gepaart mit Wahlmüdigkeit) führen zur Demokratur. In dieser dominieren pseudoaktive Minderheiten (meist Linke, nun leider auch nationalistische Rechte) die lethargische Mitte, zum Schaden der Gesamt-Gesellschaft
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