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International Die dunkle Seite des «Black Friday»

Heute ist in den USA alles aufs Shopping ausgerichtet. Der «Black Friday» gilt im Detailhandel als einer der umsatzstärksten Tage. Für die Angestellten bedeutet er viel Arbeit für wenig Lohn. Denn die Löhne sind noch immer tief – trotz politischer Bemühungen, sie anzuheben.

Kassen in einem Supermarkt
Legende: Seit fünf Jahren keine Anpassung des Mindestlohns: Kassen in einem Supermarkt in Wheeling (US-Bundesstaat Illinois). Keystone

Demonstration statt Kaufrausch: In Washington protestieren Beschäftigte aus dem Detailhandel und der Fastfood-Branche am heutigen «Black Friday», dem traditionellen Beginn des Weihnachtsgeschäfts. Auf Plakaten der Demonstranten steht: «Wir fordern einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde.» Im Moment liegt dieser bei 7.25 Dollar.

«Ich hab Schmerzen und bin müde», sagt eine Demonstrantin zu SRF. «Ich arbeite hart, habe mehr als eine Stelle und finde, ich sollte für meine Arbeit einen anständigen Lohn erhalten.» Eine andere erklärt, sie verdiene 8.43 Dollar pro Stunde. «Das ist zu wenig. Am Ende des Monats muss ich immer entscheiden, welche Rechnungen ich bezahle und welche nicht.»

Im Tieflohnsektor bewegt sich nichts

Der Wirtschaft in den USA geht es zwar wieder besser. Doch davon spürten viele Amerikanerinnen und Amerikaner nichts, sagt die Arbeitsmarktexpertin Isabel Sawhill von der unabhängigen Denkfabrik Brookings Institution. Zwar hätten heute wieder mehr Leute eine Stelle. «Doch die Löhne sind nicht wirklich angestiegen, vor allem nicht im Tieflohnsektor.»

Tatsächlich stagnieren die Saläre im Schnitt. Und auch der nationale Mindestlohn von 7.25 Dollar wurde seit fünf Jahren nicht mehr angepasst. Der Kongress ist gegen eine landesweite Anhebung auf 10.10 Dollar, wie das Präsident Obama fordert.

Denkfabrik: Höherer Mindestlohn führt zu schlankerem Staat

Die Regierung in Washington bezahlt diesen Betrag inzwischen freiwillig. Auch rund die Hälfte der Bundesstaaten hat für Firmen auf ihrem Territorium den Mindestlohn angehoben. Städte wie Seattle oder San Francisco schreiben sogar den Mindestbetrag von 15 Dollar pro Stunde vor. Der Effekt wäre allerdings viel grösser mit einer nationalen Regelung, die für alle gelten würde, erklärt Arbeitsmarktexpertin Sawhill. Immerhin, der Trend stimme.

Und eines werde oft übersehen: «Wer mehr verdient, braucht weniger staatliche Unterstützung fürs Wohnen und Essen», so Sawhill. Die Berechnungen der Denkfabrik hätten ergeben, dass der Staat bei einem landesweiten Mindestlohn von 10.10 Dollar unter dem Strich zehn Milliarden Dollar sparen würde.

Ein Argument auch für die Republikaner, die sich für einen schlankeren Staat mit weniger Sozialausgaben stark machen. Im Moment überwiegt bei ihnen jedoch die Befürchtung, ein höherer Mindestlohn könnte Arbeitsplätze vernichten. Sie befinden sich damit in der Minderheit. Die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner wollen laut Umfragen, dass Angestellte mit tiefen Löhnen künftig etwas mehr verdienen. Ein höherer Mindestlohn könnte dabei helfen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Wenn man dann noch bedenkt, dass der "Black Friday" ja dadurch entsteht, dass "Thanksgiving" immer auf einen Donnerstag fällt und weiter überlegt, woher Thanksgiving eigentlich kommt und was dabei gefeiert wird - nämlich letztlich die fast vollständige Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner, sollte man beide Tage schleunigst abschaffen! – Statt dessen ahmen wir diese (weitere) US-amerikanische Unsitte nach. Pervers.
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  • Kommentar von Beat Luchsinger, Kilchberg
    Beim abgebildeten Supermarket handelt es sich um einen von "Target". In ihrem Sortiment führt diese Kette Migros Schokolade, allerdings bloss die etwas teureren.
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Man müsste einmal den Mut haben, es zu nennen, was es in Wahrheit ist: Moderne Sklaverei. Nur weil der moderne Sklave Lohn erhält, sagt das überhaupt nichts über seine 'Freiheit' aus. Die 'klassischen' Sklaven haben zwar keinen Lohn, dafür mussten sie aber auch nicht für Wohnen, Unterhalt, etc. aufkommen. Während früher nur ein Teil dem Sklaventum angehörte, sind es heute praktisch alle. Wir sind gezwingen an einem 'Wirtschaftsmodell' teilzunehmen, das die Macht des 'Stärkeren' rigoros auslebt.
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