Die Flut kommt: Magdeburg evakuiert Stadtteil

Donau, Elbe und Saale: An diesen Flüssen arbeiten seit Tagen Zehntausende Helfer. Sie verstärken Dämme mit Sandsäcken, bringen Menschen in Sicherheit. Das Hochwasser der Elbe hat den Magdeburger Stadtteil Rothensee erreicht. Und es steigt weiter.

Sachsen-Anhalt (Elbe und Saale): Das Hochwasser an der Elbe hält die Menschen auch in Deutschland weiter in Atem. Tausende verlassen wegen der Flut ihre Häuser. Die gewaltigen Wassermassen bewegen sich auf Sachsen-Anhalt zu.

In Magdeburg hat der Pegelstand der Elbe die 7,30-Meter-Marke überschritten. Damit steht der Fluss rund einen halben Meter höher als beim Hochwasser 2002. Rettungskräfte, Bürger und Soldaten arbeiten mit Hochdruck daran, Deiche zu verstärken.

Am Abend wurde die Räumung des Stadtteils Rothensee angeordnet. Per Lautsprecherwagen, Radio, Fernsehen und Facebook wurden die Bewohner aufgefordert ihre Häuser zu verlassen. Der höchste Stand wird am Sonntag erwartet.

Aus den Gebieten östlich der Elbe sollten alle Alten und Pflegebedürftigen in Sicherheit gebracht werden. 650 Bundeswehrsoldaten trafen in Magdeburg ein, um im Kampf gegen das Hochwasser zu helfen.

Sachsen-Anhalt forderte Hilfe von anderen Bundesländern an. Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte in einem Interview: «Das ist eine nationale Aufgabe, da müssen die 16 Bundesländer und der Bund zusammenhalten.» Nötig sei ein «nationaler Wiederaufbaupakt».

Nicht nur die Elbe drückt mit gewaltigen Wassermassen nach Norden. In den Fluss mündet südlich von Magdeburg auch die Saale. Sie führt extrem viel Wasser mit sich. In dem Mündungsgebiet wurden die Einwohner in mehreren Ortschaften aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper warnte die Bürger vor einem dramatischen Wochenende.

In Halle an der Saale dagegen hat sich die Lage entspannt: Der Oberbürgermeister hat den Katastrophenalarm aufgehoben. 

Sachsen (Elbe): Auch in den Hochwassergebieten in Sachsen verschärft sich die Lage weiter. Nahe Grosstreben-Zwethau (Landkreis Nordsachsen) strömt durch einen defekten Deich Wasser landeinwärts.

Die Situation im sächsischen Elbtal bleibt weiter ernst. Das Wasser geht langsam zurück. Landespolizeipräsident Rainer Kann in Dresden: «Sinkende Pegelstände bedeuten keine Entspannung». Der Grund: Die Wassermassen fliessen nur zentimeterweise ab. Nach wie vor stehen Orte und Stadtteile unter Wasser, Strassen und Brücken sind gesperrt, der Bahnverkehr behindert. Allerdings: Die Deiche und Schutzwälle in Dresden sind laut Kann sicher. Der Pegel der Elbe sinkt derzeit zwei Zentimeter in der Stunde.

Brandenburg (Elbe): Die Hochwasserlage in Brandenburg bleibt ebenfalls dramatisch. In Mühlberg sank der Pegelstand der Elbe zwar auf 9,77 Meter, dennoch bleibt der Druck auf die Schutzanlagen enorm.

Schleswig- Holstein / Niedersachen (Elbe): Im schleswig-holsteinischen Lauenburg sind die Vorbereitungen auf das Elbe-Hochwasser abgeschlossen. Der Fluss ist dort allerdings weniger stark gestiegen als befürchtet. Der Höhepunkt der Flut wird am Mittwoch erwartet.

Auch in Niedersachsen erwarteten die Behörden für das Wochenende noch einmal stark steigende Wasserstände der Elbe. Wie schlimm es werde, sei aber noch immer nicht klar, sagte ein Sprecher.

Ungarn (Donau): Das Rekord-Hochwasser der Donau hat die ungarische Hauptstadt Budapest erreicht. Um 14 Uhr wurde ein Pegelstand von 8,61 Metern gemessen. Damit stand das Wasser noch einen Zentimeter höher als beim bisherigen Höchststand im Jahr 2006. Tausende Soldaten und Freiwillige verstärken Dämme und Uferanlagen mit Sandsäcken. Die Scheitelwelle wird in Budapest für Montagmorgen erwartet.

Regen am Wochenende

Unterdessen droht neues Ungemach. Für das Elbe-Einzugsgebiet in Tschechien sind Niederschläge angekündigt. Hydrologen sagen: Das wird die Hochwasserlage an dem Fluss nicht verschärfen, könnte aber den Ablauf des Wassers verzögern.

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Hochwasser bedroht Budapest

1:58 min, aus Tagesschau vom 8.6.2013

Schäden in Milliardenhöhe

Deutsche Fachleute rechnen mit einem Schaden von mehr als elf Milliarden Euro. Die ökonomischen Folgen könnten damit ähnlich gravierend werden wie beim Elbe-Hochwasser von 2002. Die Kosten in allen betroffenen Ländern wurden auf insgesamt 18 Milliarden Euro geschätzt – davon 13 allein in Deutschland.