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Regenwald wird abgeholzt «Die Gefahr für die Indios in Brasilien ist absolut real»

Brasiliens Präsident Michel Temer hat ein Schutzgebiet für den Abbau von Rohstoffen freigegeben. SRF-Südamerika-Korrespondent Ulrich Achermann spricht über die Risiken für die dort lebenden Indios.

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3:07 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.08.2017.

SRF News: Indigene und Aktivisten wehren sich gegen die Freigabe eines Teils des Schutzgebiets für den Abbau von Rohstoffen. Wie gross ist die Gefahr für den brasilianischen Regenwald tatsächlich?

Ulrich Achermann: Die Gefahr für den Regenwald und die darin lebenden Indiovölker ist absolut real. Man weiss aus Erfahrung, dass Bergbauprojekte im Urwald so grosse Schäden anrichten, dass am Schluss die Indios die Leidtragenden sind. Es geht dabei nicht nur um Abholzung, Umweltschäden und den Verlust von Biodiversität. Solche Grossprojekte locken immer auch Heerscharen von Leuten an – Holzfäller, Händler, Prostituierte und Gangster. Da ist es sehr schnell vorbei mit der Ruhe.

Von der gesamten Fläche dieses Schutzgebiets, das grösser ist als die Schweiz, soll rund ein Drittel für den Abbau von Rohstoffen freigegeben werden. Die Regierung verspricht, dass die restlichen zwei Drittel weiterhin unter Schutz stünden. Ist das glaubwürdig?

Nein, für mich ist das nicht glaubwürdig. Es wird grossflächig abgeholzt, und es geht Biodiversität verloren. Und meistens ist ziemlich schnell die Jagd nicht mehr möglich und damit fehlt eine der Lebensgrundlagen der Indios. Ausserdem arbeitet die Bergbauindustrie mit Cyanid und Quecksilber. Diese Gifte landen zuletzt in den Flüssen und verseuchen sie.

Was ist mit dem Argument der Regierung, die Region könne von der Industrialisierung profitieren?

Auch das ist eine Illusion, wie sich schon dutzendfach gezeigt hat. Wer profitiert, das sind die Bergbaukonzerne. Kein Indio wird jemals einen dieser Riesenlastwagen fahren.

Nun wird der Urwald verscherbelt, um Investoren anzulocken.

Lässt sich das Projekt noch aufhalten?

Aufhalten lässt sich das wohl kaum. Die Nachricht von der Aufhebung des Reservats hat es bei den meisten grossen Zeitungen in Brasilien nicht einmal auf die Titelseite geschafft. Das zeigt, dass das Interesse an diesem Thema in Brasilien selbst nicht sehr gross ist. In der Praxis kämpfen hier einfach Minderheiten, wie Nichtregierungsorganisationen und die Indiolobby, gegen handfeste Interessen – wirtschaftliche und politische. Die Regierung von Michel Temer kann nur überleben, wenn sie Brasilien ziemlich schnell aus der Rezession herausbringt. Und nun wird der Urwald verscherbelt, um Investoren anzulocken.

Das Gespräch führte Melanie Pfändler.

Ulrich Achermann

Porträt von Ulrich Achermann
Legende: srf

Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    In Brasilien wird ein grosses Potential für künftige Generationen dem schnellen Profit geopfert. Alleine die allgegenwärtige Vergiftung grosser Flächen durch dreiste Abbau- und Gewinnungsmethoden ist ein Verbrechen. Seit Temer an der Macht ist, scheint in unseren MSM in Brasilien wieder fast alles in Ordnung zu sein. Nur Politiker der Opposition werden nach wie vor verfolgt. Auffälliger geht es kaum. Der Regenwald wird sich erholen, aber vermutlich erst nach der Epoche der aktuellen Menschheit.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Und da wundert man sich noch über Dürrekatastrophen, Wassermangel, Hunger und Klimaerwärmung usf, beklagt den steigenden Pegel unserer plastikversauten Meere und die weltweit schwindende Artenvielfalt in Fauna und Flora, gipfelt und gipfelt... Aber Hauptsache, wir legen ein Deckelchen auf beim Eierkochen.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Der Regenwald, die grüne Lunge der Erde wird auf das Übelste verschandelt und niedergebrannt. Er beheimatet zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die sonst nirgendwo auf der Welt zu finden sind. Den Indigene Völker wird der Lebensraum genommen. Die Gier nach immer mehr Geld der Konzerne ist zu verachten.Die Vernichtung tropischer Regenwälder bringt daher ein Artensterben von unbekanntem Ausmass mit sich. Temer ist ein korrupter und geldgieriger President, der über Leichen geht.
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