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International Die höhere Mehrwertsteuer trifft alle Griechen

Ab heute gilt in Griechenland ein höherer Mehrwertsteuersatz. Es ist dies eine der Reformen, welche die griechische Regierung im Eilverfahren durchs Parlament geboxt hat. Das bekommt jeder Grieche direkt im Portemonnaie zu spüren.

Ein Mann an einem Früchte- und Gemüsestand.
Legende: Vieles wird teuer in Griechenland – nicht aber frisches Gemüse und Früchte. Reuters

Die griechische Mehrwertsteuer ist kompliziert und bleibt es auch weiterhin. Es gibt zwar Produkte, Branchen oder ganze Inseln, die weiterhin weniger belastet werden. Zumindest unter dem Strich müssen ab heute aber fast alle Griechen mehr bezahlen.

Verarbeitete Lebensmittel werden teurer

Zum Beispiel für zahlreiche Lebensmittel wie Wurst, Kaffee, Konfitüre, Reis oder Mehl. Für sie werden künftig nicht mehr 13 sondern 23 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Für unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Gemüse, Obst oder Milch bleibt der niedrigere Steuersatz allerdings bestehen.

Bisher profitierte auch die Tourismusbranche von einem niedrigeren Steuersatz, zum Beispiel Bars und Restaurants. Doch nun gilt auch für sie der höhere Steuersatz von 23 Prozent. Für Touristen werden die Griechenland-Ferien also ein bisschen teurer.

Inselbewohner bezahlen mehr

Treffen wird es aber vor allem die Griechen selber: Zum Beispiel die, die auf einer Insel wohnen. Um ihnen das Leben zu erleichtern, wurden bisher die Tickets für Fähren und Flüge mit dem niedrigeren Steuersatz von 13 Prozent belastet. Künftig sind es auch hier 23 Prozent.

Einzelne, besonders abgelegene Inseln profitierten bisher von einem generellen Mehrwertsteuerrabatt. Dieser bleibt bestehen, allerdings nur vorerst. Die Vergünstigung soll in einigen Monaten ebenfalls fallen. Es war eines der Versprechen von Premier Tsipras, die tiefere Mehrwertsteuer für gewisse Inseln beizubehalten. Dieses bricht er nun – oder muss es brechen.

Zweifel am Mehreinnahmen-Ziel

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer soll dem Staat jährlich bis zu 1,8 Milliarden Euro zusätzlich einbringen. Diese gilt ganz allgemein als Steuer, bei der wenig hinterzogen werden kann, weil sie direkt mit dem Produkt bezahlt wird. Wird allerdings keine Quittung ausgestellt, sieht das anders aus.

In Griechenland ist es weit verbreitet, dass beispielsweise Zahnärzte zwei Offerten machen: Eine günstigere ohne Quittung und Steuern sowie eine meist erheblich teurere mit allen gesetzlich vorgeschriebenen Abgaben. Viele Patienten entscheiden sich für die erste Variante – für die Schwarzarbeit. So muss der Patient weniger bezahlen und der Arzt verdient mehr.

Mit solchen oder ähnlichen Tricks wurden und werden wohl auch in Zukunft Steuern hinterzogen. Es ist kaum zu erwarten, dass der Staat tatsächlich die gesamten 1,8 Milliarden an zusätzlichen Einnahmen wird eintreiben können.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Tsipras hat, obwohl in seinem Land Schmalhans Küchenmeister ist, viel versprochen, sein Volk belogen,um damit Wahlen zu gewinnen, mit Kumpan Varoufakis das Land 5 Monate vollends an die Wand gefahren.So landet man zwangsläufig schnell als Bettvorleger. Aber die Griechen hörten es dennoch wohl, obwohl ihnen doch nicht unbekannt sein dürfte, dass sie diesen Spaß unmöglich selbst bezahlen können.
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  • Kommentar von David Ehrgart, München
    Ich sehe, Sie haben die Idee verstanden. Mit dem Hinweis, dass in anderen Ländern ja noch viel mehr "gehungert" wird (sollte eigentlich nur eine Metapher sein, vorläufig), kann man in GR noch einige Grausamkeiten installieren. Nebenbei, gegen eine gerechte Besteuerung hat ja niemand etwas. Aber dass das die gegenwärtigen Probleme löst, ist naiv. Soviel Geld kommt da nicht zusammen.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      ........man sollte mit dem Geld sehr knausern, die Befürchtung ist wohl real und nicht zu weit hergeholt, dass noch weitere Aspiranten auf Betteltour gehen. Nachdem Sie aus Bayern sind, vielleicht sogar ein Königstreuer sind, würde ich vorschlagen, dass wir endlich damit anfangen ein Kerneuropa, bestehend aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gründen mit einem Ludwig III. als König. Elisabeth II. empfiehlt sich da nicht wegen drohendem Brexit.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      ......ja gut, wenn nicht viel Geld zusammenkommt, dann können ja die Griechen gleich Reformen Reformen sein lassen. Und nachdem die Hilfspakete auch nichts nutzen und nur ein Fass ohne Boden sind, sollten wir die unverzüglich einstellen. Grexit ist in den Augen der Griechen auch keine Alternative. Was hätten Sie eigentlich für eine Hilfs-Variante Griechenland betreffend vorzuschlagen? Ich höre
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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Deutschland hat soviel Probleme jetzt und künftige und diese Hilfspakete sind Insolvenzverschleppung wo Geld in ein Fass ohne Boden geschüttet wird. Das ist nicht nur übrig wie ein Kropf, sondern kriminelle Geldverschwendung. Auf diese Art und Weise werden die Griechen niemals gezwungen sein ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Wie oft muss man das eigentlich noch wiederholen bis es der letzte Deutsche begriffen hat? Unsere Kinder und Kindes Kinder werden uns noch verwünschen.
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