Die Jagd auf Delegiertenstimmen – 6 Fragen und Antworten

Einmal Präsident oder Präsidentin der Vereinigten Staaten sein – davon träumen viele. Doch für die meisten bleibt es ein Traum. Ein wichtiger Zwischenschritt ist die Nomination durch die Partei. USA-Korrespondent Beat Soltermann erklärt, wie’s geht:

Wie viele Delegierte muss ein Kandidat oder eine Kandidatin für sich gewinnen, um nominiert zu werden?

Die Republikaner schicken 2472 Delegierte an ihren Parteitag in Cleveland (18. bis 21.Juli 2016), die Demokraten entsenden sogar 4763 Delegierte an ihre Versammlung nach Philadelphia (25. bis 28. Juli 2016). Für eine Nomination muss ein Kandidat oder ein Kandidatin mehr als die Hälfte dieser Delegierten hinter sich haben.

Wie werden die Delegiertenstimmen verteilt?

Das geschieht nun über die nächsten Monate in den Vorwahlen. Jeder Bundesstaat hat Anrecht auf eine bestimmte Zahl Delegierte. Die genaue Zahl hängt von der Grösse der Bevölkerung ab. Die Menschen in Iowa und New Hampshire stellen zum Beispiel viel weniger Delegierte als Texas oder Kalifornien.

Gilt das Proporz- oder das Majorzsystem?

Die Demokraten vergeben alle ihre Delegierten nach dem Proporzprinzip. Das heisst: Nicht nur der Sieger oder die Siegerin erhält Delegierte zugeteilt. Bei den Republikanern ist es etwas komplizierter: Alle Delegierten bei Vorwahlen vor dem 14. März müssen nach dem Proporzprinzip vergeben werden, danach sind die Staaten frei: Proporz (Verhältniswahl), Majorz («winner-take all rule»)) oder eine Mischform. Das heisst: Wer Vorwahlen nach dem 14. März gewinnt, bei denen das Majorzprinzip zum Zug kommt, kann gross abräumen.

Was ist der «Super Tuesday»?

Der 1. März ist für die Präsidentschaftsanwärter sehr wichtig. Denn an diesem Tag halten 12 Bundestaaten zeitgleich ihre Vorwahlen ab, darunter das bevölkerungsreiche Texas. Entsprechend viel Delegierte gibt es an diesem «Super Tuesday» zu holen, nämlich rund die Hälfte, die man für die Nomination benötigt.

Gibt es weitere Daten, an denen besonders viele Delegierte zu holen sind?

Ja, die gibt es. Weitere wichtige Vorwahldaten 2016 sind der 15. März (u.a. Florida), der 19. April (New York), der 26. April (u.a. Pennsylvania) und der 7. Juni (u.a. Kalifornien) – alles Staaten mit vielen Delegierten. Aber nichts ist vergleichbar mit dem «Super Tuesday».

Ist es besser, wenn man die Delegiertenstimmen möglichst schnell sammelt?

Auf jeden Fall. Je schneller man eine Mehrheit hat, desto besser. In den letzten Präsidentschaftswahlkämpfen war schon vor den letzten Vorwahlen klar, wer gewonnen hat.

Mehr Informationen finden Sie im ABC zu den US-Wahlen

Beat Soltermann

Beat Soltermann

Beat Soltermann arbeitet seit 2011 als Korrespondent in Washington. Zuvor berichtete er als Wirtschaftsredaktor oft über die Finanzkrise und war als Gastgeber der «Samstagsrundschau» tätig. Der promovierte Jurist studierte in den USA und in der Schweiz Recht, Volkswirtschaft und Journalismus.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • US Primaries: Jeb Bush – die letzte Chance

    Aus Tagesschau vom 7.2.2016

    Nach dem schlechten Abschneiden bei den Vorwahlen in Iowa wird es für den zunächst als Top-Kandidaten der Republikaner gehandelten Jeb Bush zunehmend eng. Übermorgen in New Hampshire braucht er dringend ein achtbares Resultat – sonst könnte der Traum von der nächsten Bush-Präsidentschaft bereits ausgeträumt sein.

  • Trump unter den Verlierern der ersten Vorwahlen

    Aus Tagesschau vom 2.2.2016

    Bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft in Iowa unterliegt der Republikaner Donald Trump dem texanischen Senator Ted Cruz. Bei den Demokraten schlägt Favoritin Hillary Clinton ihren schärfsten Konkurrenten Bernie Sanders äusserst knapp. Einschätzungen von USA-Korrespondent Peter Düggeli.

  • Jetzt zeigt sich erstmals, wie die Kandidaten um die US-Präsidentschaft beim Volk ankommen.

    USA: Unerwartete Ergebnisse bei den Vorwahlen in Iowa

    Aus Echo der Zeit vom 2.2.2016

    Der Tea-Party-Mann Ted Cruz und nicht der Milliardär Donald Trump gewinnt bei den Republikanern in Iowa. Bei den Demokraten kann sich Favoritin Hillary Clinton nur hauchdünn behaupten gegen den sozialistischen Herausforderer Bernie Sanders.

    Beat Soltermann