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Terror auf den Philippinen Die Lage der Eingeschlossenen ist prekär

Legende: Audio Viele Flüchtlinge sind völlig traumatisiert abspielen.
2:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 08.06.2017.
  • Seit mehr als zwei Wochen liefern sich philippinische Sicherheitskräfte in der Stadt Marawi einen blutigen Häuserkampf mit islamistischen Terroristen.
  • Die Terroristen haben die schwarze Flagge des «Islamischen Staats» gehisst.
  • Mehr als 100 Menschen kamen bisher ums Leben, rund 1000 Zivilisten sind im Kampfgebiet eingeschlossen. Rund 100 sollen sich in Geiselhaft befinden.

In Marawi auf der südphilippinischen Insel Mindanao gibt es keinen Strom mehr. Deshalb sind inzwischen auch die Batterien der Mobiltelefone leer – und die Hilferufe der Eingeschlossenen verstummt.

Hunderte eingeschlossen

Die Zivilisten in der Innenstadt von Marawi steckten in einer grauenhaften Lage, sagt Martin Thalmann, stellvertretender Delegationsleiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) auf den Philippinen. «Man schätzt, dass beinahe 1000 Leute im alten Zentrum der Stadt eingeschlossen sind.» Sie hätten wenig Nahrung, wenig Trinkwasser und keine medizinische Versorgung. «Diese Leute müssen jetzt dringend raus.»

Die Kämpfe begannen, nachdem Soldaten versucht hatten, Isnilon Hapilon in der Stadt festzunehmen. Hapilon führt mehrere radikale Gruppen an und wurde im vergangenen Jahr von der Terrorgruppe IS zum Emir in Südostasien ernannt. Seine Festnahme misslang, stattdessen brachten die Extremisten, unter denen sich mehrere Dutzend Ausländer befinden, Teile der Stadt unter ihre Kontrolle.

Zehntausende Menschen flohen aus der Stadt. Sie berichteten Dramatisches, sagt Thalmann vom IKRK. Die Flüchtlinge seien schlecht ernährt und oftmals traumatisiert. «Die philippinischen Streitkräfte setzen auch die Luftwaffe ein. Es sind extreme Kämpfe mit vielen Scharfschützen. Die Menschen haben schlimme Erfahrungen gemacht.» Weit über Hundert Tote haben die Kämpfe bislang gefordert, darunter auch viele Zivilisten. Die Leichen in den Strassen könnten nicht evakuiert werden, das könne zu Epidemien führen, sagt Thalmann.

Auf Christen abgesehen

Thalmann erzählt jedoch auch von der Solidarität zwischen den mehrheitlich muslimischen Bewohnern der Stadt und den Christen. Auf letztere haben es die islamistischen Kämpfer besonders abgesehen. «Es gibt Geschichten von muslimischen Familien, die christliche Familie in ihre Mitte genommen haben, und sie so an Checkpoints der Extremisten vorbeigeschleust haben», sagt Thalmann.

Insgesamt bleibt die Situation sehr schwierig, nach einem Ende der Kämpfe sieht es nicht aus. Es scheint sich zu bestätigen, wovor viele Beobachter gewarnt haben: Dass sich die Terrormiliz «Islamischer Staat» erfolgreich eine Basis in Südostasien aufgebaut hat.

Rund 100 Geiseln

Die Rebellen sollen laut Behördenangaben etwa 100 Geiseln in ihrer Gewalt haben. Darunter einen katholischen Priester.

6 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Duterte kennt als 72Jähriger seine Heimat wie kein Anderer - er weiss, dass er diese Verbrecher radikal ausrotten muss und Untergetauchte weiter zu verfolgen hat . Er hatte vor dem Kriegsrecht eine friedliche Lösung mit den Radikalen versucht zu erreichen, doch diese habe die Vereinbarungen mit Mord an seinen Leuten beantwortet, nun wird er sie restlos auslöschen- der IS hat bei wachsamer Staatsführung keine Chance- in Europa droht die Gefahr von radikalisierten Secondos -das ist viel komplexer!
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Der Islamismus hat in Südostasien eine neue Kampfzone eröffnet. Im Sultanat Brunei, wo einmal englisches Recht galt, wird seit 2014 die Scharia praktiziert. Niemand weiss, ob und wie die Radikalisierung in Indonesien fortschreitet. Vor ein paar Monaten wurde der Gouverneur von Jakarta, als Chinese und Christ, Angehöriger einer Minderheit, wegen angeblicher Blasphemie verleumdet. Die Islamisten manipulierten die Fakten, hetzten die Masse auf. Dazu die aktuelle Eskalation auf den Philippinen.
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  • Kommentar von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
    Nur ein kleiner Teil von der Stadt ist noch in ISIS Händen und die scheinen ziemlich gelähmt zu sein. Duterte und seine "Boys" scheinen es im Griff zu haben, so wie er auch vor 30 Jahren Davao aufgeräumt hat. Glaube Frau Wenger zeichnet hier ein etwas zu schwarzes Bild.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Der ISIS hat sich schon seit geraumer Zeit zum IS gewandelt. ISIS bedeutet Islamischer Staat Irak, Syrien.
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