Die lange Reise der Aufbereitungssysteme für Trinkwasser

Fast eine Woche ist seit dem verheerenden Wirbelsturm «Haiyan» auf den Philippinen vergangen . Die Hilfe kommt nur schleppend voran. Trinkwasser fehlt. Schweizer Katastrophenhelfer wollen Aufbereitungssysteme ins Gebiet bringen. Die sind aber noch nicht angekommen.

Es ist kein einfaches Unterfangen, Hilfe anzubieten, wo Hilfe benötigt wird. Die Philippinen sind weit von der Schweiz entfernt, die Transportwege lang.

Hans-Peter Lenz ist stellvertretender Leiter des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) und weiss, wovon er redet: «Wir versuchen, das Beste zu machen. Mich stört es auch, dass das seine Zeit dauert. Aber ich denke, wir sind auf Kurs. Meines Wissens ist noch niemand verdurstet. Aber es eilt, damit man den Betroffenen sauberes Trinkwasser verteilen kann.»

Die Aufbereitungssysteme für sauberes Trinkwasser sollten Donnerstagabend oder Freitagmorgen in Cebu eintreffen. Sie wurden erst aus der Schweiz nach Manila geflogen und von da per Schiff nach Cebu transportiert. Die Helfer werden dann die Systeme für sauberes Trinkwasser sofort per Lastwagen ins Katastrophengebiet fahren. Reisedauer: vier Stunden.

Aber warum nicht gleich direkt ins Krisengebiet fliegen? Der stellvertretende Leiter des SKH erklärt: «Wir wussten zum Zeitpunkt des Entscheids – am Sonntag – nicht genau, wo die Behälter gebraucht werden.» So hätten die Verantwortlichen Manila als Empfangsdestination definiert.

Charter ins Krisengebiet kostet halbe Million

Auf das Chartern eines Flugzeugs in der Schweiz hat der SKH vorerst verzichtet. Ein Flugzeugcharter ins Katastrophengebiet kostet rund eine halbe Million Schweizer Franken. Die Helfer des SKH sind überzeugt, dass sie mit dem eingesparten Geld vor Ort bedeutend mehr Hilfsmittel besorgen können.

Das Risiko besteht, dass das saubere Trinkwasser zu spät ankommt und bereits Seuchen ausgebrochen sind. Doch zu früh Entscheidungen treffen, die sich dann am Ende als falsch erweisen, sei auch nicht vorteilhaft, sagt Hans-Peter Lenz. «Wir wussten damals nicht genau, wie sich die Situation präsentiert. Wir wissen es auch heute zum Teil noch nicht. Der Zugang ist enorm schwierig.» Viele Regionen konnten auch bis heute noch nicht besucht werden.

Das SKH hat sich entschieden ganz im Norden der Insel Cebu seine Hilfsstation aufzubauen – in einem Ort mit 80‘000 Einwohnern. Rund 70 bis 80 Prozent der Häuser sind dort zerstört. Die Wassersysteme funktionieren kaum mehr. Lenz ergänzt: «Das ist ein Ort, wo bis jetzt zumindest keine anderen Hilfsorganisationen arbeiten. Deshalb ist das eine sinnvolle Unterstützung für die Opfer in diesem Gebiet.»

Das saubere Trinkwasser reicht jedoch nicht für alle 80'000 Bewohner der Region aus. Aber dank der sechs Aufbereitungsbehälter, die insgesamt 40‘000 Liter sauberes Trinkwasser pro Tag liefern, können 5000 Menschen versorgt werden. In einem Krisengebiet rechnet man mit einem Verbrauch von etwa acht Litern pro Person.

«Wir können nicht sämtliche Leute mit Wasser versorgen. Aber wir haben vor Ort gesehen, dass es Teile gibt, die noch funktionieren», sagt Hans-Peter Lenz vom Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe. «Und wir hoffen, dass wir mit unserer Hilfe die grössten Bedürfnisse abdecken können.»

Das SKH verteilt im Katastrophengebiet unter anderem Hygiene- und Essenspakete für 4000 Menschen.

Hans-Peter Lenz ist stellvertretender Leiter des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe SKH.