Die letzte Reise der syrischen C-Waffen

Das Ziel ist ambitioniert: Bis Mitte 2014 sollen die chemischen Kampfstoffe aus den Beständen von Baschar Al-Assad vollständig vernichtet sein. Ein Frachter der US-Marine wird eigens dazu zur schwimmenden Fabrik umgebaut. Eine knifflige aber lösbare Aufgabe, meint der Abrüstungsexperte.

Zwei Männer in Schutzanzügen bei der Vernichtung von C-Waffen.

Bildlegende: Deutsche Spezialisten der Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen. Reuters

Das US-Frachtschiff MV Cape Ray wird zur schwimmenden Entsorgungsanlage umgebaut. Im Januar soll mit der Zerstörung der hochtoxischen Kampfstoffe aus Syrien begonnen werden. So sieht es der Aktionsplan der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) vor.

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Vernichtung von Chemiewaffen

2:11 min, aus Tagesschau vom 12.9.2013

Dass dabei die USA die Führungsrolle übernehmen, ist für Stephan Robinson von Green Cross Schweiz ein Vorteil. «Die Grossmacht hat grosse Erfahrungen in der Vernichtung von chemischen Kampfstoffen.» Sowohl die thermische Vernichtung in Sonderöfen mit Temperaturen von über 1300 Grad Celsius, wie auch die Hydrolyse seien dort bestens bekannt.

Bis Ende Juni 2014 sollen rund 500 Tonnen C-Waffen, wie Senfgas, Sarin oder das Nervengas VX unschädlich gemacht werden. Diese Zeitvorgabe bezeichnet der Chemiewaffenexperte Robinson als sehr ambitioniert.

Das Problem sei nicht die Vernichtung, sondern die Trennung von Munition und Kampfstoff. «Sind es 500 Kilo-Raketen, dauert es weniger lang als wen es nur 3 Kilo-Granaten sind. Je nach Art des Kampfstoffes braucht es zudem eine andere Methode», sagt Robinson.

Bis die Vernichtungsaktion auf der schwimmenden Fabrik gestartet werden kann, seien verschiedene Vorbereitungen nötig. «Die mobile Fabrik muss für die Hydrolyse der Kampfstoffe vollständig eingerichtet und das Personal geschult werden.»

Der Prozess als solches sei mittlerweile bestens etabliert. «In den USA werden Nervengase wie Sarin mittels Natronlauge in speziellen Reaktoren neutralisiert. Zurück bleiben aber noch immer giftige Reaktionsmasse, welche im Sondermüllofen endgültig vernichtet werden muss.»

Die Herausforderung ist nicht die Vernichtung der Waffen

Die OPCW rechnet mit etwa sieben Millionen Liter Abfällen. Diese müssten dann speziell entsorgt werden. Nach Experte Robinson handelt es sich dabei um ein ganz normales «Waste-Management», wie es in der chemischen Industrie üblich ist. «In den Industrieländern gibt es genügend Entsorgungsfirmen, die auf die Vernichtung von Stoffen der Giftklasse 1 und 2 spezialisiert sind.»

«Nicht der Vernichtungsprozess ist das grösste Risiko, sondern der Transport der C-Waffen zur Vernichtungsanlage», meint Robinson. «Ein Unfall oder eine Havarie während des Transports hätte verheerenden Folgen.» In einem von Bürgerkriegswirren dominierten Land sei das höchst problematisch.

Nebst den 500 Tonnen waffenfähigen Chemikalien rechnet die OPCW mit weiteren rund 800 Tonnen Vorläufersubstanzen, die gemäss der Konvention ebenfalls vernichtet werden müssen. Dabei handelt es sich oft um Stoffe, die auch in der normalen chemischen Produktion gebraucht werden. Für diese Aufgaben haben sich bislang laut OPCW 35 Firmen gemeldet. Darunter auch das Entsorgungsunternehmen Valorec aus Basel. Die Kosten für die Vernichtungsaktion im Mittelmeer schätzt Robinson auf rund eine Milliarde Dollar.

Green Cross Schweiz

Green Cross Schweiz

Stephan Robinson ist bei Green Cross Schweiz Bereichsleiter für Abrüstung und Abwasser. Die Hilfsorganisation beschäftigt sich mit der Bewältigung von Folgeschäden aus Industrie- und Militärkatastrophen.