«Die Luft in Peking riecht nach Kohle»

Erstmals hat Peking die zweithöchste Smog-Alarmstufe verhängt. In den Spitälern liegen derzeit viel mehr Kranke. Zahlreiche Fabriken mussten ihre Produktion stoppen.

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Smog-Alarm in China

2:03 min, aus Tagesschau am Mittag vom 14.1.2013

Smog-Rekordwerte erschweren den Menschen in Peking das Atmen: Erstmals wurden in der Stadt Höchstwerte von 400 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gemessen – rund 16mal mehr als der WHO-Grenzwert von 25 Mikrogramm.

Eine unabhängige Messstation auf dem Gelände der US-Botschaft kam sogar auf 800 Mikrogramm. Die Regierung in Peking hat deshalb die zweithöchste Smog-Alarmstufe Orange ausgerufen.

«Die Luft riecht nach Kohle, und die Augen tränen», berichtet SRF-Korrespondentin Barbara Lüthi aus Chinas Hauptstadt.

Vom Smog betroffen seien besonders Kinder und ältere Menschen. Spitäler meldeten einen «starken Anstieg» von Atemwegserkrankungen und Herz- und Kreislaufproblemen.

Schüler dürfen nicht mehr draussen spielen

«Laut der chinesischen Krebsorganisation hat die Lungenkrebsrate in Peking in den letzten 10 Jahren um 60 Prozent zugenommen. Rund 160'000 Menschen sollen laut einer Studie jährlich an den Folgen der Luftverschmutzung sterben», berichtet die SRF-Korrespondentin.

Oben Peking mit klarer Luft, unten Peking im Smog.

Bildlegende: Zwei Bilder zeigen die Luft Pekings am 14. Januar 2013 und am 29. August 2010. reuters

Schüler in besonders betroffenen Stadtgebieten dürfen sich zur Zeit nicht mehr im Freien aufhalten. Die Stadtregierung riet den 20 Millionen Anwohnern, möglichst nicht vor die Tür gehen und sonst Atemschutzmasken zu tragen.

Die Regierung zwingt die Industrie, weniger Schadstoffe auszustossen. 58 Unternehmen in Branchen wie der Metall- und Chemie-Industrie mussten ihre Produktion einstellen. In 41 weiteren Fabriken sowie in der Zementindustrie ist der Schadstoffausstoss um mehr als 30 Prozent verringert worden.

Autoverkehr wird nicht eingeschränkt

Der Notfallplan sieht auch vor, dass 30 Prozent der Autos von Regierung, Partei und Stadtverwaltung stehen bleiben.

«Es gibt aber kein generelles Fahrverbot – das würde nämlich dem Wachstum schaden», sagt Barbara Lüthi. Die Behörden versuchten jedoch, die Anzahl der Autos zu limitieren, indem sie die Nummernschilder verlosten – eine Massnahme, die bereits vor einem Jahr eingeführt wurde. Es gebe in Peking aber trotzdem rund 5,2 Millionen Autos – doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren.

Die SRF-Korrespondentin weist auf ein weiteres Problem hin. «75 Prozent der 20 Millionen Haushalte in Peking heizen mit Kohle.»

Umweltaktivisten sprechen von der «schlimmsten Smoglage» in der Geschichte der chinesischen Hauptstadt.