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International «Die Menschen helfen sich vor allem untereinander»

SRF-Sonderkorrespondentin Barbara Lüthi ist ins Erdbebengebiet in Nepal gereist. Die internationale Hilfe sei zwar angelaufen. Der Unmut in der Bevölkerung wachse jedoch, sagt Lüthi. Nun sei die Regierung gefordert.

Legende: Video Einschätzungen von Barbara Lüthi in Kathmandu abspielen. Laufzeit 0:56 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.04.2015.

SRF News: Sie berichteten in der «Tagesschau» von Hilfsgütern, die Kathmandu nun erreichen, wobei die Mehrheit der Bevölkerung jedoch kaum etwas davon sieht. Wo liegt das Problem?

Barbara Lüthi: Das Problem liegt in der Koordination. Die internationale Hilfe ist zwar angelaufen, es fehlt aber jegliche behördliche Koordination. Auffällig stark hier in Kathmandu ist vielmehr die Hilfe untereinander. Zudem fällt der Einsatz von rund 500 Freiwilligen der «Federation of Nepalese Chambers of Commerce and Industry» (FNCCI) auf. Hinter dieser Hilfe der Dachorganisation der nepalesischen Industrie- und Handelskammern stehen Geschäftsleute, die nun Nahrungsmittel wie Suppe und Medikamente zur Verfügung stellen.

Haben Sie neue Erkenntnisse betreffend des schwierigen Zugangs in die ländlichen Regionen?

Auch hier scheint erste Hilfe nun anzulaufen. Erste Hilfsorganisationen sind unterwegs nach Gorkha im Zentrum Nepals, darunter befinden sich auch Schweizer Fachkräfte wie Mediziner und Logistiker. Es ist zu befürchten, dass zahlreiche Dörfer komplett verschüttet worden sind.

Viele Menschen hier in Kathmandu versuchen bisher vergeblich Lebenszeichen ihrer Angehörigen in den ländlichen Regionen zu erhalten — die Telefonleitungen in die Distrikte funktionieren nicht mehr. Auch können sie ihnen nicht zu Hilfe eilen, denn auf dem Landweg kann über die vielerorts zerstörten Strassen kaum etwas transportiert werden. Es stellen sich derzeit noch viele offene Fragen über das vollständige Ausmass der Zerstörung in Nepal.

Sie haben in Thailand, China und auf den Philippinen bereits mehrere Orte unmittelbar nach Naturkatastrophen gesehen. Was sind Ihre ersten Eindrücke nach den Erdbeben in Nepal?

Es ist für mich noch zu früh, die Gesamtsituation zu beurteilen. Ich werde morgen nach Gorkha reisen, dann lässt sich das Ausmass wohl besser einordnen.

Auf den Philippinen habe ich Orte angetroffen, die dem Erdboden gleichgemacht waren. Hier in Kathmandu steht noch verhältnismässig viel. Doch das will nichts heissen: 2008, nach dem schweren Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan, war ich zuerst in der Stadt Chengdu. Nur wenige Kilometer ausserhalb zeigte sich die tatsächliche Schwere der Katastrophe.

Auf den Philippinen und in China lief die Koordination jedenfalls anders an; da waren die Regierungen rasch präsent. In Nepal wartet man zurzeit noch auf einen ersten öffentlichen Auftritt des Premierministers. Es wäre für die Bevölkerung wichtig zu wissen, dass die Regierung bemüht ist, so gut wie möglich zu helfen.

Das Gespräch führte Emanuel Gyger.

Barbara Lüthi

Barbara Lüthi

Die Journalistin ist Südostasien-Korrespondentin. Zuvor berichtete sie mehrere Jahre lang für SRF aus China. 2008 erhielt Barbara Lüthi den «CNN Journalist of the year award».

Spendenaufruf

Logo und Schriftzug der Glückskette

Die Glückskette ruft zu Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal auf: Postkonto 10-15000-6 oder auf www.glueckskette.ch mit dem Vermerk «Nepal» oder mittels der Swiss-Solidarity-App.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von H.Schneider, bern
    da braucht es keine Frau lüthi in kathmandu ! Was gebraucht wird sind Grosshubschrauber die das Material zu den Leuten bringen. Sonst bleibt wider alles liegen und vergammelt. 2tens braucht es Baumaschinen so dass die Straßen wieder hergestellt werden können.
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Grosshelis setzen eine Logistik voraus wie grössere Treibstoffdepots, Flugplätze und Personal. Und das wird es dort kaum geben. Die Schweiz wäre im gleiche Dilemma wenn man nicht im kalten Krieg grosszügig Flugplätze in den Bergen gebaut hätte. Und Baumaschinen muss man zuerst dort hin bringen. Und dann braucht es geschultes Personal um diese zu betreiben und unterhalten, durch Einheimischen? Zumal, für machen Kulturen ist es ein Gesichtsverlust Hilfe von Aussen oder gar den Nachbarn anzunehmen.
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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Wäre der Vorschlag so falsch, wenn ich sage es sollen sich Bergsteiger und Treckingfahrer freiwillig zu Hilfe stellen. Sie kennen zumindest die Verhältnisse dort. Für Menschen die keine Ahnung haben, ist es schwer gerade in so einer Region den Überblick zu bekommen
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  • Kommentar von Christa Wüstnet, Reinach
    Es ist sicher schwer 8millionen überlebenden Opfern sofort mit allem zu helfen. Aber es müssten doch längst erste Zelte und Decken eingetroffen sein. Im Bericht steht auch, Hilfsgüter kommen an, aber wir wissen nicht wo sie sind. Die Koordination muss vom Ausland getroffen werden. Ist das so schwer?? Es ist auch nicht das erste Erdbeben, folglich gibt es Erfahrung. Sehr unverständlich
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    1. Antwort von Rob Zanelli, Zürich
      Das Problem ist u.a. die sehr komplexe Topografie, was die Verteilung der Hilfsgüter sehr schwierig macht; viele Menschen sind nur mittels Helikoptern innert nützlicher Frist erreich- und versorgbar. Leider verfügt das nepalesische Militär über genau einen Helikopter und die vier die Indien zur Verfügung gestellt haben, sind leider auch nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein.
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