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Meinung geändert Die Nato begrüsst Trumps Afghanistan-Strategie

Der US-Präsident kündigt ein stärkeres militärisches Engagement in Afghanistan an. Er widerspricht damit früheren Aussagen.

Legende: Video Mehr US-Soldaten für Afghanistan abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 22.08.2017.
  • Die US-Streitkräfte werden sich stärker in Afghanistan engagieren. Das hat US-Präsident Donald Trump in einer Fernsehansprache angekündigt.
  • Insbesondere will er härter gegen die radikal-islamischen Taliban vorgehen.
  • Damit handelt Trump entgegen seinen früheren Aussagen, dass man die Truppen aus Afghanistan abziehen müsse.
  • Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüsst die Strategie von Donald Trump.

Wie viele Soldaten die USA zusätzlich nach Afghanistan entsenden, sagte Trump nicht. Medien hatten zuvor spekuliert, dass zu den 8400 stationierten US-Soldaten 4000 weitere hinzukommen sollen.

Der Verteidigungsminister James Mattis deutete in einem Statement eine Truppenverstärkung indirekt an, indem er sagte, mehrere Verbündete hätten sich «ebenfalls» zur Erhöhung ihrer Truppenstärke bekannt.

Am Ende ist es am afghanischen Volk, seine Zukunft in die Hand zu nehmen.
Autor: Donald TrumpUS-Präsident

Kein Machtvakuum hinterlassen

Er habe zwar anfangs die Truppen abziehen wollen, sagt Trump. Unterdessen sei er aber überzeugt, dass ein schneller Abzug ein Machtvakuum hinterlassen würde. Die USA müssten eine Übernahme Afghanistans durch die Taliban aktiv verhindern.

Das Ziel der USA sei jedoch nicht mehr, Afghanistan nach ihrem Modell verändern zu wollen. «Am Ende ist es am afghanischen Volk, seine Zukunft in die Hand zu nehmen, seine Gesellschaft zu regieren und einen unbefristeten Frieden zu erzielen», sagte Trump.

So twitterte Donald Trump 2013

Bannons Rücktritt entscheidend?

Mit seiner Fernsehansprache widerspricht Trump früheren Aussagen, die er während seiner Zeit vor der Präsidentschafts-Kandidatur gemacht hatte. Als Privatmann forderte er in einem Tweet den Rückzug aus Afghanistan und bereits der Start der Operation unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush bezeichnete er als grossen Fehler.

Es ist gut möglich, dass die Anpassung der Afghanistan-Strategie mit dem Rücktritt des Chefstrategen Stephen Bannon zusammenhängt. Er war in der Regierung Trump der grösste Gegner von Militärmissionen. Am Tag von Bannons Rücktritt hatte Trump mit den Generälen in seinem Kabinett die Optionen für Afghanistan diskutiert.

Kein Ende in Sicht

Der Krieg in Afghanistan begann vor knapp 16 Jahren. Mit Trumps Fernsehansprache ist ein Ende weiter in die Ferne gerückt. Der US-Präsident meinte, dass es keine zeitlichen Vorgaben für den Einsatz mehr geben soll.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Peter Düggeli abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 22.08.2017.

Trump sieht auch Pakistan in der Pflicht, da es Heimat für viele Terrornester sei. «Pakistan kann viel erreichen, wenn es Partner unserer Bemühungen in Afghanistan wird», sagte Trump.

Ausserdem soll Indien stärker mit wirtschaftlicher Hilfe eingebunden werden. Dies wird als klare Drohung in Richtung Pakistan verstanden. Beide Atommächte gelten als Erzfeinde.

Der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüsst Trumps Bekenntnis zu Afghanistan. Die Nato stehe weiterhin uneingeschränkt zum Land, Afghanistan dürfe nie wieder zu einem sicheren Rückzugsort für Terroristen werden.

Stoltenberg wies darauf hin, dass sich in den vergangenen Wochen bereits mehr als 15 Länder dazu bereit erklärt hätten, ihre Truppenzahl in Afghanistan nochmals aufzustocken.

Auch der afghanische Präsident Aschraf Ghani begrüsste Trumps Entscheid. Er sei dankbar gegenüber dem US-Präsidenten und dem amerikanischen Volk.

Taliban wollen weiter kämpfen

Mit einer scharfen Kriegsdrohung haben die radikalislamischen Taliban auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump reagiert, das militärische Engagement in Afghanistan zu verstärken. Sie fordern den kompletten Rückzug der US-Truppen. Bis dahin wolle man den Dschihad fortsetzen, erklärte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (sensus communis)
    Trump regiert nach dem Motto: «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern...»
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    ...um die "EU"nicht an die radikalislamischen Taliban /IS etc. zu verlieren." Wären da diese Nato-Truppen nicht besser in Deutschland stationiert?
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" - wie wir seit der Rechtfertigung des Einsatzes deutscher Truppen in Afghanistan durch Peter Struck (SPD) im Jahr 2003 regelmässig zu hören bekommen. Anlässlich der Trauerfeier zu dessen Tod wurde diese Aussage im Jahr 2013 wieder medienwirksam von Thomas de Maizière (CDU) aufgewärmt. In Anbetracht dessen, dass die NATO ein Verteidigungsbündnis ist und auf nicht an einen NATO-Staat angrenzendem Territorium nichts verloren hat, wohl dringend notwendig.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Zuletzt muessen die USA wie in Vietnam doch noch Fersengeld geben. Da sie nicht wie die Russen eine Landverbindung haben, um den Abzug mit ein paar Panzerarmeen zu decken, werden sie auf dem Luftweg nur ihre eigenen Leute evakuieren und - einmal mehr - Pudel und Quislinge im Stiche lassen, statt in den USA bewaessernd und strassenbauend die Pampas und Wuesten erschliessen zu lassen....
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