Die Offensive der Aussenseiter

Die republikanischen Kandidaten im Rennen um die US-Präsidentschaft haben sich vor der Vorwahl in New Hampshire letztmals zu einer TV-Debatte getroffen. Dabei versuchten Jeb Bush und Chris Christie ihr politisches Überleben zu sichern. Nicht ohne Erfolg.

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US Primaries: Jeb Bush – die letzte Chance

2:39 min, aus Tagesschau vom 7.2.2016

Am Dienstag findet im Bundesstaat New Hampshire die zweite Vorwahl im US-Präsidentschaftsrennen statt. Dabei dürfte sich entscheiden, wer die moderaten Republikaner im Wahlkampf vertreten wird. Kein Wunder also, gaben Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush und New Jerseys amtierender Gouverneur Chris Christie in der letzten TV-Debatte vor der Vorwahl alles, um im Rennen zu bleiben. Denn nach dem äusserst schlechten Abschneiden der beiden Kandidaten bei der ersten Vorwahl in Iowa, geht es für beide um das politische Überleben.

Bush wie Christie lieferten sich während der TV-Debatte aus Manchester im Bundesstaat New Hampshire teils heftige Auseinandersetzungen mit dem derzeitigen Spitzenreiter Donald Trump und dem zunehmend aussichtsreichen Senator Marco Rubio.

Christie hält Rubio «Schwänzerei» vor

So hielt Christie dem erst 44-jährigen Rubio vor, er habe nicht das Zeug für das höchste Amt. Denn er habe niemals für eine wirklich wichtige Entscheidung geradestehen müssen und sondere in erster Linie auswendig gelernte Kurzstatements ab. Bei vielen Abstimmungen im Senat habe Rubio zudem gefehlt: «Das ist nicht Führungskraft. Das ist Schwänzerei», so Christie über Rubio.

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Christie gegen Rubio (englisch)

0:20 min, vom 7.2.2016

Bush nahm sich Multimilliardär Trump vor, warf ihm unter anderem herzlose Praktiken als Unternehmer vor. «Wie stark ist es, einer alten Frau den Grundbesitz wegzunehmen?» konterte er, als Trump ihm vorhielt, er versuche, sich als «starker Mann» zu profilieren.

Bushs und Christies Offensive gelang: Kommentatoren bescheinigten ihnen sowie dem Gouverneur von Ohio, John Kasich, bei der TV-Debatte am Samstagabend ihre bisher stärkste Leistung im Fernsehen. Alle drei setzen auf die moderate Wählerschaft der Republikaner.

Trump will «Waterboarding» wieder einführen

Anders Immobilenmilliardär Donald Trump: Er zeigte sich wiederum von seiner markigen Seite. So will er im Fall eines Wahlsieges nicht nur die höchst umstrittene Verhörmethode «Waterboarding» gegen Terroristen wiedereinführen. Er würde noch «verdammt viel Schlimmeres» zulassen, als diese Form des simulierten Ertränkens, sagte der Multimilliardär im TV-Sender ABC.

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Bush gegen Trump (englisch)

1:07 min, vom 7.2.2016

Der erzkonservative Senator Ted Cruz erklärte, er wäre in Notfällen, wenn es etwa um die Verhinderung einer unmittelbar drohenden Terrorattacke gehe, ebenfalls «offen» für das Waterboarding von Terrorverdächtigen.

Der Ex-Gouverneur von Florida und Bruder von Ex-Präsident George W. Bush, Jeb Bush, sagte dagegen, er würde an dem von Präsident Barack Obama verkündeten Verbot dieser Praxis nicht rütteln. Das Waterboarding war unter seinem Bruder nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in geheimen CIA-Gefängnissen angewendet worden.

Zwar geht Donald Trump als Favorit in die Vorwahl in New Hampshire, er ist aber nach seiner Niederlage gegen den erzkonservativen texanischen Senator Ted Cruz in Iowa angeschlagen. Rubio hat wachsende Aussichten, sich als Alternative zu Trump und Cruz zu positionieren, die beide vom Partei-Establishment abgelehnt werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Rubio – der lachende Dritte

    Aus 10vor10 vom 2.2.2016

    Ted Cruz gewinnt die US-Vorwahl von Iowa und verweist Donald Trump auf den zweiten Platz. Hinter den beiden hat sich bei den Republikanern aber längst ein neuer Favorit hervor: Marco Rubio, der Kandidat des Partei-Establishments. Wer ist Rubio und weshalb liegen so viele Hoffnungen auf ihm?

  • Trump unter den Verlierern der ersten Vorwahlen

    Aus Tagesschau vom 2.2.2016

    Bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft in Iowa unterliegt der Republikaner Donald Trump dem texanischen Senator Ted Cruz. Bei den Demokraten schlägt Favoritin Hillary Clinton ihren schärfsten Konkurrenten Bernie Sanders äusserst knapp. Einschätzungen von USA-Korrespondent Peter Düggeli.