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International «Die Ostukraine steuert auf einen prekären Status zu»

Dass die Nationalisten in der Ostukraine nach der Unabhängigkeits-Abstimmung einen Sieg verkünden werden, davon gehen viele Experten aus. Auch Frithjof Benjamin Schenk, Professor für osteuropäische Geschichte. Die «Tagesschau» hat mit ihm über die Zukunft der Region gesprochen.

Legende: Video Schenk: «Die Zukunft der Ukraine entscheidet sich Ende Mai» abspielen. Laufzeit 2:21 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.05.2014.

SRF: Welches Resultat werden die Nationalisten in der Ostukraine verkünden?

Frithjof Benjamin Schenk: Die Nationalisten werden aller Voraussicht nach einen Sieg verkünden. Ob ein Sieg tatsächlich den Willen und die Meinung der Menschen in der Ostukraine widerspiegelt, ist eine offene Frage.

Wie wird es weiter gehen – ähnlich wie die Entwicklung auf der Krim?

Das halte ich für unwahrscheinlich. Wenn Russland diese Provinzen hätte annektieren wollen, hätte es dies längst getan.

Warum hat Russland kein Interesse an den beiden Provinzen Donezk und Luhansk?

Sie sind von der ökonomischen und sozialen Lage her problematisch. Russland braucht sie nicht. Es geht hier – anders als auf der Krim – um die Sicherung eines geopolitischen Interessenfeldes – und um die Aufwertung von Russlands Grossmacht auf der internationalen Bühne.

Welchen Status werden die beiden Provinzen haben?

Einen prekären Status. Wenn sie sich unabhängig erklären, wird sie die westliche Staatengemeinschaft nicht anerkennen. Russland wird dies möglicherweise tun – eventuell auch Weissrussland und Kasachstan. Der Status von Donezk und Luhansk wird sehr unsicher sein, vergleichbar mit Transnistrien, Moldawien oder Süd-Ossetien in Georgien und anderer Provinzen im östlichen Europa.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass beide Provinzen in der Ukraine verbleiben?

Nominell werden sie in der Ukraine verbleiben. Wie sich die Entwicklungen weiter gestalten, wird sich insbesondere am 25. Mai zeigen. Dann sind die Präsidentschaftswahlen und eine Abstimmung über die Verfassung in der Ukraine geplant. Dieses Ergebnis wird massgeblichen Einfluss auf den Zusammenhalt des Landes haben.

Das Interview führte Mirjam Spreiter

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler, Beatenberg
    Hunderttausende von Menschen beteiligen sich an der Volksbefragung in der Ukraine. Unsere "Osteuropaexperten" machen es sich zu einfach, wenn sie diese als blöd hinstellen, die nicht wissen, über was sie abstimmen.Sie wissen das sehr genau, lehnen die neuen Machthaber in Kiew dezidiert ab. Was ist aus dem grossmaulig angekündigten finalen Endkampf der sich auflösenden Ukraine-Armee, US-Söldnern und Neonazis gegen die Separatisten geworden? Ein flüchtender Haufen gen Westen mit Blut an den Händen
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Um weitere blutige Auseinandersetzungen zu verhindern, sollte die Regierung in Kiew sowie der Westen & Amerika dieses Referendum akzeptieren & gut ist. Zudem sollte sich der Westen & Amerika nicht weiter einmischen, was sie Putin ja auch untersagen es zu tun. Das Ukrainische Volk soll es unter sich selber ausmachen können. Es ist ihre Angelegenheit. Deutschland & Amerika würden sich eine Einmischung Dritter in ihre internen Angelegenheiten auch nicht bieten lassen.
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    1. Antwort von Urs Schmidlin, Riehen
      @E. Waeden Russland hat sich sowohl in der Ost-Ukraine als auch auf der Krim ja bereits massiv eingemischt. Oder etwa nicht?
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @U. Schmidlin: Also massive Einmischung habe ich bisher & offensichtlich vor allem aus Deutschland & Amerika gesehen. Diesbezüglich polarisieren ja Kanzlerin Merkel & ihr "Busenfreund" Präsident Obama sehr. Es gibt keine Nachrichten mehr, wo sie uns nicht mit irgendwelchen Drohungen gegenüber Russland & Putin über den Bildschirm flimmern.
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  • Kommentar von Peter Beutler, Beatenberg
    "Nominell werden sie in der Ukraine verbleiben", sagt der Professor aus Basel. Nominell? Schenk nimmtTransnistrien und Südossetien als Beispiel. Transnistrien hat mit Waffengewalt seine Unabhängigkeit von Moldawien erkämpft, auch Südossetien von Georgien. Dann glaubte Sarkaschwili, er könne Südossetien wieder zurückholen. Zwei Tage später lag die US-milliardenschwere georgische Armee in Trümmern. Fakt: Die Krim Donezk, Luhansk, Südossetien und Transnistrien sind für den Westen verloren. Gut so
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    1. Antwort von Urs Schmidlin, Riehen
      @Peter Beutler Werden Sie "Gut so" dann auch noch schreiben wenn sich Russland Teile von Litauen, Estland oder Polen usw. einverleibt hat?
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @U. Schmidlin: Diese Teile hat sich schon die EU einverleibt. Sie geschluckt & dann irgendwann wieder ausgespuckt, wird erst dann Russland höchstens noch "auflesen", was die EU zurück gelassen hat. Aber was hat Europa gegenüber anderen Grossmächten ohne Russland entgegen zu setzen? Nicht viel! Deshalb sollten wir uns Russland nicht zum Feind machen. Es gehört zu Europa wie alle anderen Länder Europas auch.
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