Die Papabili für das Präsidentenamt in Rom

In Italien steht die Wahl des neuen Staatsoberhauptes an, des Nachfolgers von Giorgio Napolitano. 1009 Vertreter aus Senat, Abgeordnetenkammer und den Regionen dürfen abstimmen. Unter den aussichtsreichsten Kandidaten ist auch eine Frau.

Italien: Die Papabili für das Präsidentenamt

Heute beginnt in Rom die Wahl des neuen Präsidenten. Er wird den aus Altersgründen zurückgetretenen Giorgio Napolitano ersetzen. Gute Chancen, gewählt zu werden, habe der 73-jährige Verfassungsrichter und ehemalige Verteidigungsminister Sergio Mattarella, sagt SRF-Italienmitarbeiter Rolf Pellegrini. Mattarella ist der Wunschkandidat von Premierminister Matteo Renzi.

Gute Karten habe aber auch der 76-jährige ehemalige Premierminister Giuliano Amato. Er ist ebenfalls am Verfassungsgericht tätig und kann auf die Unterstützung von Renzis Vorghänger Silvio Berlusconi und dessen Partei Forza Italia zählen. Renzi erklärte, seine Demokratische Partei werde nur eine einzige Person vorschlagen. Offiziell habe aber noch niemand «die Katze aus dem Sack gelassen», sagt Pellegrini.

Erstmals eine Frau als Staatsoberhaupt?

Spekuliert wird auch über die Möglichkeit, dass erstmals in der Geschichte des Landes eine Frau Staatspräsidentin werden könnte. Als geeignete Kandidatin gilt die 59-jährige Linkspolitikerin und Ex-Staatsanwältin Anna Finocchiaro.

Sie ist derzeit Präsidentin des Verfassungsausschusses und Fraktionsvorsitzende von Renzis Demokratischer Partei im Senat. Chancen werden schliesslich auch Roms ehemaligem Bürgermeister Walter Veltroni, Aussenminister Paolo Gentiloni und dem Bürgermeister von Turin, Piero Fassino zugeschrieben.

Wirtschaftsminister zu beschäftigt

Auch Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan wurde mehrfach als möglicher parteiunabhängiger Mann für das Präsidentenamt gehandelt. Er dementierte jedoch bereits ein Interesse am prestigereichen Posten: «Als Wirtschaftsminister bin ich sehr beschäftigt.»

Die Wahl findet in geheimer Abstimmung statt. Bei den ersten drei Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Erst nach der vierten Abstimmung am Samstag genügt die absolute Stimmenmehrheit für die Kür des neuen Staatsoberhaupts.

1009 Wahlberechtigte

An der Wahl des Staatspräsidenten in Rom nehmen die 630 Abgeordneten und 321 Senatoren sowie 58 Delegierte aus den 20 italienischen Regionen teil. Die Kandidaten werden von den Parteien vorgeschlagen. Renzis Demokratische Partei stellt 450 der 1009 Mitglieder der Versammlung, die den Präsidenten wählt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Italien sucht seinen neuen Staatspräsidenten

    Aus Tagesschau vom 29.1.2015

    Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi und Silvio Berlusconi wollten rasch alles klar machen. Mit einem Kandidaten, der parteiübergreifend, quasi in einer grossen Koalition, gewählt wird. Doch so leicht geht das offensichtlich nicht.