«Die Regierung Obama hat lange gezögert»

Ebola bringt nicht nur die Regierungen Westafrikas unter Druck: US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, mit einer medizinischen Eingreiftruppe die Seuche zu bekämpfen. Doch weshalb ergreift er diese Massnahme erst jetzt?

Eine Aufnahme von US-Präsident Barack Obama.

Bildlegende: US-Präsident Barack Obama steht wegen seines zögerlichen Vorgehens in der Kritik. Keystone

US-Präsident Barack Obama steht wegen Ebola unter Druck. Nachdem sich eine zweite Krankenschwester mit dem Virus infiziert hat, soll nun eine sogenannte Gesundheitseingreiftruppe Abhilfe schaffen. Sind die USA überhaupt gerüstet für diese gefährliche Seuche?

Beat Soltermann: Bis jetzt hat man den Leuten immer versichert, man sei gerüstet. Doch die jüngsten Ereignisse lassen Zweifel aufkommen. So hat die Regierung Obama beispielsweise lange gezögert, bis sie damit begann, Reisenden aus Westafrika Fieber zu messen. Jetzt wird das zwar gemacht, jedoch nur an fünf Flughäfen. Zudem scheint das medizinische Fachpersonal schlecht auf Ebola vorbereitet zu sein. Es mangelt an gezielter Ausbildung und deshalb kommt es zu Fehlern.

Die zweite Krankenschwester, die sich angesteckt hat, durfte mit dem Segen der Gesundheitsbehörde in ein Flugzeug steigen, obwohl sie bereits Fieber hatte. Wie kann es zu einer derartigen Fehleinschätzung kommen?

«  Fehleinschätzungen sind im Moment das grösste Problem »

Beat Soltermann
SRF-Korrespondent in Washington

Das ist eine gute Frage. Solche Fehleinschätzungen sind im Moment das grösste Problem. Denn an Isolationsräumen und technischer Ausrüstung mangelt es in den USA nicht.

Porträtaufnahme von US-Korrespondent Beat Soltermann.

Bildlegende: SRF-Korrespondent Beat Soltermann berichtet aus Washington. SRF

Nun soll eine sogenannte Gesundheitseingreiftruppe für mehr Sicherheit sorgen. Wie muss man sich das vorstellen?

Obama schwebt eine schnelle Eingreiftruppe vor. Sie soll bei einem Ebola-Verdachtsfall in weniger als 24 Stunden vor Ort sein können. Die Idee ist, dass die Experten das lokale Spital dann bei der Behandlung des Patienten unterstützen. Zudem sollen sie bei Bedarf Schutzanzüge und anderes Material in das betroffene Spital bringen. Es stellt sich die Frage, weshalb die Regierung Obama diesen Entscheid erst jetzt gefällt hat.

Reichen diese Vorkehrungen aus?

Krankenschwestern und Pfleger fühlen sich im Stich gelassen, es gab bereits erste Proteste. In einer Umfrage unter ihren Mitgliedern kam die Krankenschwestergewerkschaft zum Schluss, dass 85 Prozent aller Befragten Pfleger mit Blick auf Ebola nicht genügend ausgebildet sind.

Am 4. November finden Kongresswahlen statt. Wird Ebola da zum Thema?

Ebola war mit Blick auf die Zwischenwahlen bereits vereinzelt in Werbespots und Debatten ein Thema. Und ich gehe davon aus, dass die Epidemie noch stärker zu einem Thema wird – insbesondere unter dem Gesichtspunkt von Obamas Art und Weise, mit Krisen umzugehen. Ich denke aber nicht, dass Ebola im Endspurt das einzige und dominierende Thema sein wird.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ebola: Schwierige Hilfe

    Aus 10vor10 vom 16.10.2014

    Gerade diejenigen Personen, die sich in der Krisenregion um Ebola-Kranke kümmern, sind einem grossen Risiko ausgesetzt. «10vor10» fragt, wer unter diesen Umständen den Mut hat, als Helfer nach Afrika zu gehen und im Studio-Gespräch äussert sich der Pandemie-Verantwortliche des BAG zum Ansteckungs-Risiko in der Schweiz.