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International «Die Sanktionen sind ein harter Schlag für Russland»

Die neuen Sanktionen des Westens werden Russland wirtschaftlich schwer treffen, sagt FAZ-Korrespondent Friedrich Schmidt in Moskau.

Legende: Video USA ziehen Sanktionsschraube nochmals an abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.07.2014.

SRF: Was bedeuten die neu beschlossenen Sanktionen des Westens für Russland?

Friedrich Schmidt: Sie werden Russland wirtschaftlich schwer treffen. Neulich haben die Amerikaner russische Banken auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Da war die Rede davon, dass es für russische Banken immer schwieriger wird, an Kapital zu kommen und sich zu finanzieren. Auch russische Projekte im Energiebereich, die ein enormes Mass an Investitionen erfordern, werden immer schwieriger zu finanzieren sein. Es ist auf jeden Fall ein harter Schlag für Russland.

Rechnen Sie damit, dass Putin sich dem Druck jetzt beugt und aufgrund dieser Sanktionen seine Ukraine-Strategie ändert?

Putin hat sich in eine Sackgasse manövriert und kann nicht einlenken ohne Gesichtsverlust. Es könne auch sein, dass er die Rebellen in der Ostukraine fallen lässt. Das würde für ihn innenpolitisch den hohen Preis bergen, dass diese Leute hier in Russland als Helden gelten.

Wie sieht es auf der anderen Seite aus: Könnte Russland seinerseits Vergeltungsmassnahmen ergreifen gegen die USA und die EU?

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagt, man wolle nicht Auge um Auge, Zahn um Zahn auf die Sanktionen des Westens reagieren. Aber Russland löst es sehr subtil. Zum Beispiel wird nun McDonald's besonderen Kontrollen unterzogen und sofort findet man auch irgendwelche Mikroben im Essen. Oder man erklärt, dass in den Cheeseburgern weniger Nährwert drin ist, als angegeben. Eine russische Zeitung hat heute auch berichtet, dass das deutsche Unternehmen SAP und der amerikanische Konzern Apple aufgefordert worden sind, ihre Quellcodes auszugeben. Das sind Schikanen. Gleichzeitig klagen die Russen, dass ihr Territorium von ukrainischer Seite beschossen werde. Russland hat auch schon angekündigt, dass man zurückschiessen werde. So was ist auch nicht auszuschliessen.

Das Interview führte Barbara Peter.

Friedrich Schmidt

Der studierte Jurist arbeitet seit 2008 für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Seit Januar 2014 ist er politischer Korrespondent für Russland, Weissrussland, den Kaukasus und Zentralasien mit Sitz in Moskau.

82 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Oppliger, Walenstadt
    @Christmann/Es ist wirklich sehr angenehm,da ich weiss dass die Mehrheit den Konflikt eben richtig einschätzen kann.Und das sich hier in diesem Forum eine Minderheit trifft und sich aufregt wenn wieder richtigerweise neue Sanktionen beschlossen werden,und mit ihren Verschwörungstheorien den Weltuntergang prophezeien.Ich wollte dies aufzeigen,doch wer es nicht wahrhaben will der will eben nicht,und lebt in seiner Scheinwelt weiter.
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  • Kommentar von Peter Oppliger, Walenstadt
    @Meier/Es tut mir auch Leid,aber die Online-Umfragen auch die vom Tagesanzeiger sind leider auch nicht repräsentativ.Zudem bezog sich diese nur darauf,ob die Schweiz mit den Sanktionen gegen Russland nachziehen sollte,da die Schweiz ein neutrales Land ist,hat diese Fragestellung nicht die gleiche Deutungskraft wie in Deutschland,und besagt nicht wie jemand den Konflikt einschätzt,resp.für oder gegen Russland ist.Das haben Sie in ihrem Kommentar natürlich verschwiegen.
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Peter Oppliger: Verstehe sie. Umfragen sind nur repräsentativ wenn sie in ihr Weltbild passen, oder? Und Notfalls kann man eine Minderheit immer noch in eine Mehrheit umdeuten, je nach belieben. So lebt es sich doch richtig angenehm.
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  • Kommentar von Peter Oppliger, Walenstadt
    @Bedi Alpnach/Der Unterschied besteht darin,dass im Gegensatz zur Infos von der PAZ,in Deutschland eine repräsentative Umfrage gemacht wurde.Man hat also die Leute auf der Strasse gefragt.Mir persönlich ist es wichtig darauf hinzuweisen,dass die scheinbare Mehrheit die hier im Forum suggeriert wird nicht echt ist,sondern in Wirklichkeit eine Minderheit darstellt.Im übrigen habe ich ja auch in einem anderen Kommentar geschrieben wie sich diese eigentliche Minderheit in etwa zusammensetzt.
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    1. Antwort von S. Meier, Adliswil
      Der Tagi hat heute eine online Befragung gemacht. Leider sah das Ergebnis eben nicht so aus, dass es sich hier nicht um die Minderheit handelt, sondern tätsachlich um eine Mehrheit handelt.
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    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Eines ist sicher: Der Mainstream in diesem Forum ist nicht repräsentativ für das Denken im Volk. Da sind ein paar nimmermüde SchreiberInnen am Werk, die um jeden Preis zeigen müssen, dass alles "ganz anders" ist. Das führt dann zu seltsamen Konstellationen, z.B., dass eifrige SVPler, denen die direkte Demokratie heilig ist, Blitzreferenden im Schatten von Gewehrläufen, ohne Wählerregister und internationale Beobachter für gut befinden, nur weil es gegen die EU geht
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