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International Die Schattenseiten der olympischen Spiele in Sotschi

Prestige – das erwartet der russische Präsident Putin von den olympischen Winterspielen in Sotschi. 50 Milliarden Franken investiert das Land in die gigantischen Spiele. Und geht dabei ganz unzimperlich vor.

Eine Dame läuft bei einer Baustelle vorbei
Legende: Bauschutt in Sotschi sorgt für Ärger. Keystone

Bauboom in Sotschi: Für die olympischen Spiele stampft Russland Pisten, Eisfelder, Schanzen, Zufahrtsstrassen aber auch ganze Hotelkomplexe aus dem Boden. Ein ehrgeiziges Projekt – das immer mehr seine Schattenseiten offenbart.

So mussten beispielsweise in der Imereti-Bucht schon vor Jahren dutzende Familien ihre Wohnungen verlassen, weil sie den Olympia-Bauten Platz machen mussten. Einige dieser Familien zogen daraufhin in das naheliegende Dorf Blinowo.

Doch auch dort fanden sie keine Ruhe. Sie wurden in einer Nacht im April 2010 nach einem starken Gewitter aus dem Schlaf gerissen und aus ihren Betten gekippt. Ihre neuen Häuser sind zum Teil um mehrere Meter abgerutscht und vor allem in bedrohliche Schieflagen geraten.

Bauschutt oberhalb des Dorfes

Schuld daran war keineswegs eine Naturkatastrophe. Vielmehr kippten Bauarbeiter Aushubmaterial und Bauschutt von den Arbeiten in Sotschi in eine Waldlichtung oberhalb der Häuser von Blinowo.

Der Hang wurde so zusätzlich mit 90 Tonnen Baumüll pro Quadratmeter belastet. In der besagten Nacht kam der Hang nach einem Gewitter ins Rutschen, schob die Wohnhäuser Richtung Tal und stellte sie kreuz und quer.

Furcht bei jedem Gewitter

Seither muss die vierköpfige Familie Skiba improvisieren. Die Tische, Stühle, Betten und Schränke im völlig schief stehenden und auch rissigen Haus haben die Skibas so unterlegt, dass die Möbel wenigstens einigermassen waagrecht stehen.

Im schiefen Kinderzimmer sind die Betten so auf Pfosten abgestützt, dass der Sohn und die kleine Tochter nach dem Zubettgehen nicht gleich aus ihren Decken rollen. Die Angst bleibt jedoch: «Jedes Mal, wenn es gewittert, müssen wir uns fürchten.»

Keine Hilfe in Sicht

Auf die verschiedenen Einsprachen bei den Behörden hätten die betroffenen Einwohner von Blinowo seit drei Jahren stets bloss den einen Bescheid erhalten: Nämlich, dass die Angelegenheit bearbeitet werde.

«Die olympischen Spiele sind natürlich wichtig für Russland. Aber in zivilisierten Land sollten die Rechte der Orts-Bevölkerung mehr respektiert werden», sagt die Familie. Letztlich gehe es um 15 Familien, denen ein Ersatz, ein normales Dach über dem Kopf geboten werden sollte. «Aber nein. Unser Staat lässt uns allein.»

4 Kommentare

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  • Kommentar von Dimitri Wonnoque, Nischni Nowgorod, Russland
    Was nützt denn dieses Gelaber rund um die Spiele JETZT? Der Stand der Menschenrechte in Rus. war doch noch vor dem positiven IOC-Entscheid über O-Spiele nicht gerade hoch. Indes hat sich anscheinend niemand über eventuelle Mittel des ehrgeizigen Projekts Gedanken gemacht. Geldaufwand von Milliarden war schon von Hause aus angeschlagen, während Rus. wirtschaftlich gesehen schwach war. Immerhin übergab man die Spiele an Rus. und erst in den letzt 2-3 Jahren kommt die Empörung hoch. Zu spät.
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  • Kommentar von JoeSchweizer, Basel
    Noch immer frage ich mich, wie das IOC eine solche Kanditatur unterstützen konnte. Anstelle ein bereits weitgehend vorhandenes Wintersportgebiet zu berücksichtigen muss auf der grünen Wiese ein solche Megaprojekt realisiert werden. Alls diese Beteuerungen von ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit, gewinn für die lokale Bevölkerung usw. halte ich für reine Lippenbekenntnisse. Offensichtlich nicht nur ein Bauchgefühl.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Ausserdem ist Sotschi subtropisch, die Temperaturen fallen im Winter kaum unter null Grad. Kann sich einer vorstellen, welche Energieverschwendung da stattfindet!
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Erst rechnete man mit 8,6,nun sinds 50Mia. Und es handelt sich keinesweg nur um diese paar Familien. 1000e wurden zwangsumgesiedelt. Ausserdem findet nebst gigantischen Zerstörungen an Natur und Umwelt in Naturschutzgebieten, unzähligen Hotels, Riesenstrassen- und Schienennetzen und Tunnels, Korruption bis auf höchste Ebene statt. Es wurden laut Umweltschutzorganisationen eigens für diesen Anlass Gesetze angepasst.
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