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International Die syrische Armee drängt Rebellen zurück

Im syrischen Bürgerkrieg haben die Truppen von Präsident Assad mit der Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Maalula einen Sieg errungen. Nach Angaben von Assad gewinnen die Regierungstruppen in dem Konflikt zunehmend die Oberhand.

Das syrische Militär hat die strategisch wichtige Stadt Maalula aus den Händen der Rebellen zurückerobert. Die Soldaten hätten den Ort nördlich von Damaskus mit Hilfe von Kämpfern der libanesischen Hisbollah-Miliz eingenommen und von Terroristen befreit. Die syrische Regierung bezeichnet alle Regimegegner als Terroristen.

Auch das Kloster Mar Thecla sei nun in der Hand der Regierungstruppen, hiess es aus Armeekreisen. Islamistische Kämpfer hatten das Gotteshaus im Dezember eingenommen und mehrere Nonnen als Geiseln genommen, welche aber im März frei kamen. Dies berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Mit der Eroberung Maalulas haben die Truppen Assads einen strategisch wichtigen Sieg errungen. Die Stadt liegt an der Strasse zwischen der Hauptstadt Damaskus und Homs im Norden. Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges vor über drei Jahren hat die Kontrolle über den Ort mindestens vier Mal gewechselt. Sollten die Truppen Assads die Nord-Süd-Verbindung ganz unter ihre Kontrolle bringen, würde dies seine Macht im Zentrum des Landes stark festigen.

Zwei Männder an einem Tisch, der eine spricht gestikulierend.
Legende: Der syrische Präsident spricht vor Studenten und Professoren an der Universität in Damaskus. Reuters

Konflikt an einem Wendepunkt

Laut Aussagen von Präsident Assad sei der Konflikt an einem Wendepunkt angelangt, so Assad. Das Militär erziele zunehmend Erfolge im «Kampf gegen den Terror» und man sei bei der «nationalen Versöhnung» angekommen, sagte der Staatschef vor Studenten und Mitarbeitern der Universität von Damaskus.

In den vergangenen Monaten eroberten Regierungstruppen mit Unterstützung der libanesischen Hizbollah mehrere Gebiete und Grenzorte von den Rebellen zurück.

Zunehmend ein Propagandakrieg

Laut dem Journalisten Kurt Pelda, der in der Vergangenheit immer wieder aus Syrien berichtete, sind die Aussagen Assads mit Vorsicht zu geniessen. «Vor zwei Monaten hätte ich diese Einschätzung noch geteilt. Seit März hat sich das Blatt aber wieder gewendet.» Zwar gilt dies laut Pelda nicht für alle Landesteile, aber vor allem im Norden Syriens «haben die Rebellen grosse Fortschritte gemacht.»

Der Syrienkonflikt hat sich zunehmend zu einem Propagandakrieg entwickelt, «welcher den eigentlichen Krieg überlagert», erklärt Pelda. Assad habe es geschafft den Diskurs über den Bürgerkrieg so zu beeinflussen, dass die Welt meint es sei ein Kampf der Regierung gegen Al Kaida und andere Terroristen. Darum halte sich der Westen in dem Konflikt zurück, doch dieses Bild sei «einfach falsch», so Pelda.

Schwerste Gefechte seit Jahren

Während sich der syrische Präsident zunehmend siegessicher zeigt, kam es am Wochenende in der nördlichen Stadt Aleppo zu den schwersten Gefechten seit zwei Jahren. Dies berichtete das syrische Aktivistennetzwerk Allgemeiner Syrischer Revolutionsausschuss.

Bei den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen in der Nacht auf Samstag soll es Tote auf beiden Seiten gegeben haben. Zivilisten seien aus der Umgebung geflohen, so die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Wirtschaftsmetropole Aleppo ist seit 2012 stark umkämpft. Grosse Teile der Altstadt sind inzwischen zerstört. Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien vor über drei Jahren sind in dem Konflikt mehr als 150'000 Menschen getötet worden. Neun Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen.

UNO erhebt Foltervorwürfe

Laut UNO-Angaben soll im syrischen Bürgerkrieg auf beiden Seiten systematisch gefoltert werden. Gefangene werden dabei auch immer Opfer sexueller Gewalt, heisst es im Bericht des UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte. Der Bericht stützt sich auf Aussagen von Zeugen und Opfern, die entkommen konnten.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno leclaire, Moers
    @thomas Koblet Und ich schlage ihnen vor , ziehen sie als christ(sofern sie einer sind) in dem von deutschland und dem Westen unterstützten Saudi Arabien um und können uns dann ja mal berichten wieviel Demokratie und Freiheit dort herrscht. Was ich damit sagen will den Leuten (allen voran den Minderheiten ) ging es in Syrien unter assad gut (!!) generell war Syrien unter assad ein vorzeigeland in der arabischen Welt was Menschenrechte und Freiheiten anbelangt.
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    1. Antwort von Heiner Ühlmann, Nordrhein-Westfalen
      Naja. Also das darf man doch nicht ganz unwidersprochen stehen lassen. Syrien ist ein Polizei- und Geheimdienststaat gewesen. Das ist ganz ohne Zweifel. Natürlich war die Situation der Minderheiten vergleichsweise gut. Und ich glaube auch überhaupt nicht, dass die sogenannte Opposition einen Fortschritt bringen würde. Aber "Vorzeigeland" in Sachen "Menschenrechte": das geht doch etwas zu weit.
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  • Kommentar von Thomas Koblet, Rickenbach
    @Heiri Kugler: Natürlich sind Eigeninteressen von Staaten in anderen Regionen dieser Erde berechtigt, wenn diese aber dazu führen, dass solche Konflikte wie in Syrien nicht international abgehandelt werden können und sei es mit militärischem Eingreifen, dann haben wir eine Riesensauerei beinander! Dieser Status Quo gilt für alle Staaten, ich nehme da den Westen sicher nicht raus, die Geschichte bestätigt das ganz deutlich. So sehe ich das.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Wenn man sieht, was der Westen in Libyen mit seiner Unterstützung für die Islamisten für ein Chaos angerichtet hat, muss man fast schon froh sein, dass in Syrien Assad weiterhin an der Macht ist.
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    1. Antwort von Thomas, Koblet
      @B.C. Dann schlage ich Ihnen vor, dass Sie nach Syrien umziehen und mal ein paar Monate dort leben. Danach können Sie das Assad-Regime eventuell etwas adäquater Einschätzen?!
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Koblet - als nicht-Mohammedaner werde ich mich hüten, mich nach Syrien zu verirren, da Assad meinen Schutz nicht mehr garantieren kann, wie das vor dem Krieg für nicht-Sunniten noch der Fall war.
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