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International «Die Tage des Dublin-Abkommens sind gezählt»

Mit dem Entscheid, Syrer nicht mehr ins so genannte Erstland zurück zu schaffen, verstösst Deutschland gegen das Abkommen von Dublin. Genauso, wie südeuropäische Länder, die durchreisende Flüchtlinge nicht mehr registrieren. EU-Experte Dieter Freiburghaus sieht einen zwingenden Umbau des Abkommens.

Legende: Video «Die Tage von ‹Dublin› sind gezählt» abspielen. Laufzeit 2:06 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.08.2015.

Seit Monaten steht das Dubliner Abkommen, wonach Immigranten das Asylverfahren im Land ihrer Einreise zu durchlaufen haben, auf dem Prüfstand. Insbesondere südeuropäische Staaten wie Italien oder Griechenland registrieren längst nicht mehr alle ankommenden Migranten. Dass nun Deutschland seinerseits Syrer nicht mehr zurückschickt, zeige endgültig, dass das Abkommen faktisch gescheitert ist.

Das sagt der Politologe Dieter Freiburghaus: «Eigentlich darf Deutschland das nicht. Aber es ist ja offensichtlich, dass das Abkommen so nicht mehr durchführbar ist.» Es sei offensichtlich, dass die so genannten Erstländer den Ansturm nicht mehr bewältigen», sagt der EU-Experte in einerm «Tagesschau»-Interview. Die entsprechenden Bestimmungen müssten deshalb in den EU-Verträgen zwingend umgebaut werden: «Insofern kann man sagen, die Tage des Dublin-Abkommens sind gezählt.»

Deutsches Modell für Schweiz keine Option

Das Uno-Flüchtlingskommissariat UNHCR begrüsst den deutschen Bruch mit dem Dublin-Abkommen in Bezug auf syrische Flüchtlinge. Er sei Ausdruck der deutschen Bereitschaft, syrische Flüchtlinge aufzunehmen und zur Lastenteilung innerhalb Europas beizutragen, sagt Anja Klug vom UNHCR Schweiz und Liechtenstein.

Wir würden es auch begrüssen, wenn andere Staaten wie die Schweiz sich zu ähnlichen Massnahmen entschliessen würden
Autor: Anja KlugLeiterin UNHCR Schweiz und Liechtenstein

«Wir würden es auch begrüssen, wenn andere Staaten wie die Schweiz sich zu ähnlichen Massnahmen entschliessen würden», so Klug weiter. Eine gesamteuropäische Lösung ist auch aus Sicht der Schweiz der einzige sinnvolle Weg. Dies betonte Justizministerin Simonetta Sommaruga zuletzt immer wieder. Wie Deutschland vorzupreschen und Syrer entgegen dem Dublin-Abkommen hier zu behalten, sei derzeit jedoch keine Option, heisst es beim Bund.

23 Kommentare

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  • Kommentar von Horst Boehme (HorstBoehme)
    Es wäre schlüssig,wenn Deutschland auch sofort das Embargo gegen Syrien einseitig aufhebt und die Flüchtlinge auf legalem Wege kommen läßt.Libyien und Irak ebenso.Wenn nicht Rußland die Millionen Donbassflüchtlinge aufnehmen würde...Das ganze Elend begann,als plötzlich kein Journalist mehr davon sprach,daß von deutschem Boden nie wieder Krieg sondern immer nur Frieden ausgehen soll.
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  • Kommentar von G. Niedermann, Zürich
    Die Welt ist global geworden, man rückt zusammen und dennoch ist es möglich, dass man (z.B. die UNO) Diktatoren, religiöse Fanatiker ganze Bevölkerungsgruppen unterdrücken können. Überall finden Friedensverhandlungen statt, gleichzeitig sind aber täglich mehr Menschen auf der Flucht. Solange jedoch mit all den Flüchtlingen viel Geld verdient werden kann, ja, die Asylbewirtschaftung bald Mafiastrukturen annimmt, wird sich gar nichts ändern. Da ist es vollkommen egal, ob Dublin-Abkommen aktiv ist.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Erst jetzt, wo die EU selber mit diesem Chaos konfrontiert wird, sucht sie ohnmächtig nach Lösungen. Die CH war bis anhin das einzige Land, welches sich naiv und zuverlässig wie immer an die Verträge hielt, wurde dafür beschissen, belächelt und aufs Abstellgleis gestellt. Die PFZ wird sich auf dieselbe Art und Weise erledigen. Gegen all die 100'000en Wirtschaftsflüchtlinge muss ein Rezept gefunden werden. Die Lage wird sonst die eigenen Leute wieder aus dem Land jagen.
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