Die Tochter des Ex-Diktators übernimmt in Südkorea

Park Geun Hye hat ihren Amtseid abgelegt. Der Zeitpunkt für ihr neues Amt ist schwierig: Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel sind gross.

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Neue Präsidentin in Südkorea vereidigt

1:28 min, aus Tagesschau am Mittag vom 25.2.2013

Die älteste Tochter des früheren Diktators Park Chung Hee hat das Amt der Staatspräsidentin angetreten. Das 18. Staatsoberhaupt des Landes lebte immer zwischen den Extremen. Die Eltern ermordet, aufgewachsen im Elfenbeinturm eines Palasts, soll sie nun mit ihrerseits schwierigen Nachbarn Lösungen finden.

Ermordete Eltern

Park Geun Hye ist die erste Frau im höchsten Staatsamt des Landes. Ihren Amtseid legte sie bei einer Zeremonie vor dem Parlament in Seoul vor Zehntausenden Menschen ab. Parks Biografie liest sich wie die Geschichte des Landes im «konzentrierten Schnelldurchlauf». Ihr Vater putschte als Militärgeneral 1961 und regierte danach als Diktator das Land.

Ihre Mutter wurde von einem Nordkoreaner bei einem Attentat getötet. Da war Park 22 Jahre alt. Ihr Vater hielt sich bis 1979 an der Macht, dann wurde auch er erschossen. Täter war der Geheimdienstchef. Somit war Park mit 27 Vollwaise. Danach wurde es still um sie, bis sie sich Ende der 1990er Jahre entschloss, in die Politik zu gehen.

Frauenrechte: Fehlanzeige

In der Innenpolitik erwarten Kenner keine grossen Veränderungen. Es wird damit gerechnet, dass Park mit harter Hand gegen Demonstrationsrechte und Meinungsfreiheit vorgehen wird. Die Zeit der Diktatur ihres Vaters verurteilte sie nie. Die «Geschichte» werde über die Zeit entscheiden, so Park.

Auch Frauenrechte waren nie ein Thema für die erste Frau im wichtigsten Amt des Landes. Im Land gilt sie als «Prinzessin», aufgewachsen im Präsidentenpalast ihres Vaters. Während ihrer Zeit als Parlamentarierin 1998 bis 2012 machte sie nie Vorschläge zum Ausbau der Frauenrechte. Eingaben von anderen Parlamentsmitgliedern zu dem Thema wurden von ihr stets abgelehnt.

Der Nachbar spielt mit dem Feuer

Überschattet wird der Amtsantritt von schweren Spannungen aufgrund des Atomwaffenprogramms Nordkoreas. Nordkoreas jüngster Atomtest sei eine Herausforderung für das Überleben und die Zukunft des koreanischen Volkes, warnte die 61jährige konservative Politikerin in ihrer Antrittsrede. Geplant sei eine solide Basis der Abschreckung. In ihrer fünfjährigen Amtszeit wolle sie aber durch eine Politik des gegenseitigen Vertrauens die Grundlage schaffen für die Wiedervereinigung mit dem kommunistischen Nachbarland.

Sie rief Nordkorea auf, auf sein umstrittenes Atomprogramm zu verzichten. Nordkorea hatte vor knapp zwei Wochen seinen dritten unterirdischen Atomwaffentest unternommen und damit weltweite Empörung und Kritik ausgelöst. Gespräche zwischen den Staatsoberhäuptern sind seit 2009 unterbrochen. Nordkorea fordert vor Wiederaufnahme die Aufhebung der Sanktionen gegen das stalinistische Land. Nach den Atomwaffentests werden die Sanktionen aber weiter verschärft werden.

Ungünstige geografische Lage


Südkorea: Amtsantritt in heiklem Moment

4:37 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.02.2013

Dazu rüsten auch China und Japan auf. In Fernost läuft ein regionaler Probelauf zu einem «kleinen» Kalten Krieg. Überregional wird daran gearbeitet, dass sich dieser nicht erhitzt. China will seine Stellung als potentielle Supermacht unterstreichen.

Japan fürchtet, im Konflikt zwischen den «Koreas» aufgerieben zu werden. Dazu kommt ein Streit um eine Inselgruppe, die sowohl Japan wie auch China für sich reklamieren. Auch in diesem Konflikt demonstrierten schon Armeen beider Seiten demonstrative Stärke.

Russland warnt

Nach dem Atomraketentest Nordkoreas hat sich Russlands Aussenminister Sergej Lawrow für eine Bestrafung des Landes ausgesprochen. Russland arbeite im Weltsicherheitsrat mit an einer Resolution. Der Test dürfe «nicht ungestraft bleiben». Allerdings dürfe eine UNO-Entschliessung keine gewaltsame Lösung des Konflikts ermöglichen.