Die UNO hat keinen Plan B gegen Ebola

Die Lage ist dramatisch und die Prognosen niederschmetternd: Ebola breitet sich weiter aus, trotz aller Gegenmassnahmen. Wenn sich nicht bald etwas ändert, könnte es zu 10'000 Ansteckungen pro Woche kommen, warnt die UNO.

Eine Sanitäterin im Schutzanzug und ein Mann heben einen Patienten mit Ebola-Verdacht in eine Ambulanz in Sierra Leone.

Bildlegende: Derzeit gibt es in Westafrika wöchentlich rund 1000 neue Ebola-Fälle. Die Dunkelziffer dürfte allerdings grösser sein. Keystone

«Die Welt als Ganzes tut nicht genug»: US-Präsident Barack Obama hat die internationale Staatengemeinschaft erneut dazu aufgerufen, sich stärker gegen die Ausbreitung von Ebola zu engagieren. Die ganze Weltbevölkerung sei direkt bedroht, denn es gebe keinen Ort, «der mehr als ein paar Flugstunden entfernt ist». Dennoch hätte eine Reihe von Staaten bisher noch nichts gegen die Seuche unternommen, obwohl sie über die nötigen Kapazitäten verfügten, stellte Obama weiter fest. Selbst die Länder, die schon Beiträge leisteten, müssten sich noch stärker einsetzen.

Zahl der Ansteckungen explodiert

Die jüngsten Prognosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Entwicklung der Ebola-Seuche in Westafrika sind erschreckend: Fast 4500 Ebola-Tote bisher, rund doppelt so viele Angesteckte und ein Sterberisiko der Infizierten von 70 Prozent. Die WHO spricht inzwischen von einer Explosion der Ansteckungen in den drei hauptbetroffenen westafrikanischen Ländern, in zunehmendem Masse in deren Hauptstädten.

Wenn es nicht rasch gelinge, die Ausbreitung der Seuche einzudämmen, müsse man in Kürze mit 10‘000 Ansteckungen rechnen, und zwar Woche für Woche, warnte WHO-Vizechef Bruce Aylward.

Die WHO strebt an, den Trend bei den Erkrankungen ab Dezember umzukehren. Die Ziele sind im «70-70-60-Plan» formuliert: Regierungen und Hilfsorganisationen sollen in den kommenden 60 Tagen mit Ausbildung, Behandlung und Logistik soweit fortgeschritten sein, dass 70 Prozent der Toten sicher begraben und 70 Prozent der Verdachtsfälle strikt isoliert werden können.

Es fehlt an allem

Von einem «Krieg gegen Ebola» spricht Anthony Banbury, der Leiter der Ebola-Nothilfeorganisation der UNO in Westafrika. Die UNO, ja die ganze Welt müsse an dieser Front alles unternehmen, um den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen. «Ebola hatte einen Startvorsprung, ist schneller unterwegs als wir und gewinnt das Rennen.»

Die wichtigen Ziele im Kampf gegen Ebola müssten bis Dezember erreicht werden, «sonst stehen wir vor einer nie dagewesenen Situation, für die wir keinen Plan haben», warnt Banbury.

Neue Diagnosegeräte

Derweil hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) aus Wien angekündigt, sie werde zunächst in Sierra Leone ein spezielles Gerät zur rascheren Diagnose von Ebola bereitstellen. Damit könne das gefährliche Virus bereits innerhalb weniger Stunden nachgewiesen werden. Später sollen die Geräte laut IAEA auch in Liberia und Guinea zum Einsatz kommen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • SRF-Afrikakorrespondent Patrik Wülser.

    Patrik Wülser - Ebola in Liberia

    Aus Rendez-vous vom 14.10.2014

    Im westafrikanischen Land Liberia herrscht Notstand: Schulen und Geschäfte sind geschlossen, Flüge abgesagt. Die Angst vor der Ansteckung mit dem tödlichen Ebola-Virus ist allgegenwärtig. SRF-Afrikakorrespondent Patrik Wülser ist eben aus Liberia zurückgekehrt.

    Er ist Gast von Elisabeth Pestalozzi.

  • Positiver Ebola-Test in Texas

    Aus Tagesschau vom 13.10.2014

    Seit es in den USA zu einer Ansteckung mit Ebola gekommen ist, wächst die Angst vor dem Virus. Die texanische Gesundheitsbehörde hat die Ebola-Infektion einer Spital-Pflegekraft bestätigt. Diese hatte Kontakt mit einem Liberianer, der die Krankheit aus Westafrika eingeschleppt hatte.

  • Ebola in Europa: Kein Grund zur Panik

    Aus 10vor10 vom 8.10.2014

    In den USA ist ein Ebola-Patient gestorben und in Spanien ist der Zustand der ersten bestätigten Ebola-Infizierten weiterhin kritisch. Die Frau hat sich beim Pflegen eines infizierten Priesters angesteckt – trotz Schutzkleidung. In ganz Europa mehren sich besorgte Stimmen: Nimmt man die Gefährlichkeit von Ebola zu wenig ernst? Fachleute beschwichtigen.

  • Das WHO-Team, das bei einem Viren-Ausbruch eine schnelle Reaktion sicherstellte, ist aufgelöst worden.

    Ebola - ohnmächtige WHO

    Aus Echo der Zeit vom 2.10.2014

    Ebola wütet in Westafrika, die Situation droht ausser Kontrolle zu geraten. Die dringend benötigte internationale Hilfe läuft zwar endlich an - aber viel zu spät. Vielleicht hätte die Welt schneller reagieren können, wenn die WHO den Ernst der Lage früher erkannt hätte, sagen Kritiker.

    Ursache dieses Versäumnisses sind Kürzungen im Budget der WHO.

    Thomas Häusler