Die USA widmen Afroamerikanern erstmals ein Museum

Inmitten der Diskussion um die Diskriminierung der schwarzen Minderheit eröffnet am Samstag das neue Museum in der Hauptstadt Washington DC. Es soll zeigen, wie die Geschichte des Landes untrennbar mit der Geschichte der Schwarzen Bevölkerung zusammenhängt.

Der dreistöckige Bau sieht aus wie ein Kupfer-Block, der leicht eingeschnitten ist.

Bildlegende: Der Prachtsbau steht an der Museumsmeile der Hauptstadt, in der National Mall, gleich neben dem Washington Monument. Reuters

«Dieses Museum wird Amerika besser machen», ist der schwarze Museumsdirektor Lonnie Bunch überzeugt. Es soll versöhnen, nicht anklagen. Die Ausstellungsmacher wollen dies erreichen, indem sie nicht nur die Versklavung, die Diskriminierung und die Rassentrennung abbilden und einordnen, sondern auch die Erfolge der schwarzen Minderheit zeigen, deren Kultur und Religionen.

Aktueller denn je

Der Zufall will es, dass das Museum in einer Zeit eröffnet wird, in der die USA emotional über schwelenden Rassismus und Polizeigewalt diskutieren. Doch das Projekt für ein nationales Museum für die afroamerikanische Geschichte ist bereits über 100 Jahre alt. Erst 2003 genehmigte der US-Kongress schliesslich das 500-Millionen-Dollar-Projekt.

«Henry, gesund, ein Sklave fürs Leben»

Zur Eröffnung beherbergt der markante, dreistufige Bau 12 verschiedene Ausstellungen, 3500 Ausstellungsstücke. Wer durch die Gänge streift, sieht historische Gegenstände wie etwa eine Sklavenhütte aus Holz. «Jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeigehe, spüre ich das Leben, das in ihr gelebt wurde», sagt die weisse Kuratorin Nancy Bercaw.

Ein weiteres beklemmendes Ausstellungsstück ist ein Auktionsblock, auf dem die Sklaven zum Verkauf präsentiert wurden. An den Wänden liest man, wie die Händler die Menschen anpriesen: «Henry, gesund, ein Sklave fürs Leben.» Daneben der Preis: 2025 Dollar.

Zu entdecken gibt es aber auch Geschichten über Versöhnungsversuche. Eine Frau hielt die Sklavenhalter-Vergangenheit ihrer Familie nicht mehr aus. Sie schickte dem Museum ein Dokument, das die Last ihrer Familie beweist und einen Scheck über 200 Dollar.

Geteilte Meinungen bei den Touristen

Draussen vor dem neuen Museum flanieren Touristen am modernen Gebäude vorbei. Eine weisse Frau stellt sich als Lacey vor, sie kommt aus New York: «Es ist gut, dass es dieses Museum gibt. Auch andere Kulturen können nun etwas über diesen Teil der amerikanischen Geschichte lernen.»

Ganz anderer Meinung ist Bill, ein weisser Mann aus dem Südstaat Tennessee «Das ist nicht Amerika», poltert er. «Es gibt ja kein Museum für die Chinesen oder die Koreaner. Dieses Museum ist also nur ein Geschenk für eine Interessensgruppe.» Der schwarze Dominic teilt zwar Bills Meinung, aber gerade weil alle gleich seien, sei das neue Museum auch für weisse Leute wichtig. Es brauche mehr Zusammengehörigkeit in den USA.