Auf und Ab in Nordkorea Die Wirtschaft wächst – der Hunger auch

Die Wirtschaft in Nordkorea ist gewachsen wie seit 17 Jahren nicht mehr. Dennoch droht dem Land ein Versorgungsengpass.

Nordkoreanische Bäuerin trägt ein Bündel Reis.

Bildlegende: Dank der Aufrüstung floriert die Wirtschaft. Eine gleichzeitige Dürre birgt Gefahren für die Ärmsten. Reuters

  • Seit 17 Jahren ist die nordkoreanische Wirtschaft nicht mehr so schnell gewachsen wie 2016.
  • Das Bruttoinlandsprodukt ist um 3,9 Prozent gestiegen. Das schreibt die südkoreanische Zentralbank.
  • Gleichzeitig benötigt das Land laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in den nächsten drei Monaten wegen der anhaltenden Dürre Nahrungsmittelimporte oder -spenden.
  • Die Frühernte im Juni, darunter Weizen, Gerste und Kartoffeln, soll bereits um 30 Prozent zurückgegangen sein.

Es sei der Bau von Komponenten für das Raketen- und Atomprogramm gewesen, der für das steile Wachstum der nordkoreanischen Wirtschaft gesorgt hat. Zu diesem Ergebnis kommt die südkoreanische Zentralbank. Ihren Schätzungen zufolge sei das Bruttoinlandsprodukt in Nordkorea im Jahr 2016 um 3.9 Prozent gestiegen.

20 Mal weniger Leistung als Südkorea

Insgesamt erstaune dieses Ergebnis, da seit 2006 wegen dessen Atomprogramm permanente Sanktionen gegen das Land in Kraft seien. Besonders Bergbau und Energiebereich hätten zum Resultat beigetragen, ebenso die um 4,6 Prozent gestiegenen Exporte.

Ein grösseres Wachstum gab es zuletzt 1999 mit 6,1 Prozent, während Dürre und niedrige Rohstoffpreise 2015 für eine Rezession sorgten. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf habe mit umgerechnet etwa 1148 Euro nur fünf Prozent des Wertes von Südkorea erreicht.

Auf Nahrungshilfe angewiesen

Während die Industrie und der Export Nordkoreas wächst, tun sich die Nutzpflanzen derzeit schwer mit Wachstum. Laut einem Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in Rom seien die nächsten drei Monaten grössere Nahrungsmittelimporte oder -spenden erforderlich, um besonders hilfsbedürftige Menschen wie Kinder und Ältere ausreichend versorgen zu können.

Die Frühernte im Juni, darunter von Weizen, Gerste und Kartoffeln, ging dem Bericht zufolge bereits um 30 Prozent zurück. Der Juli-Regen hat den Bauern zwar etwas Entspannung gebracht. Laut FAO sei aber nicht sicher, ob dieser für ein normales Pflanzenwachstum gereicht habe.

Das wirtschaftlich marode, aber militärisch hochgerüstete Land mit mehr als 25 Millionen Einwohnern ist nach mehreren Naturkatastrophen und aufgrund der eigenen Misswirtschaft seit vielen Jahren auf Nahrungshilfe von aussen angewiesen.

Keine Reisen nach Nordkorea

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Einen Monat nach dem Tod des in Nordkorea inhaftierten
US-Studenten Otto Warmbier verbieten die USA ihren Bürgern nach Angaben von
Reisebüros künftig Reisen nach Nordkorea. Zwei Reisebüros teilten mit, das Reiseverbot gelte ab kommendem Donnerstag.

Woher stammen die Zahlen?

Nordkorea gibt selbst keine Konjunkturdaten bekannt. Die Zentralbank im südlichen Nachbarland veröffentlicht dagegen seit 1991 eigene Berechnungen über das kommunistische Land. Sie basieren auf Regierungsdaten, die beispielsweise vom südkoreanischen Ministerium für Wiedervereinigung und von Geheimdiensten stammen.