Die Zeichen in Fernost stehen auf Sturm

China greift die USA und Japan auf dem Asien-Sicherheitsgipfel in Singapur ganz und gar undiplomatisch scharf an. Die Kritik von Pentagon-Chef Hagel und Japans Premier Abe an Chinas Politik und Ansprüchen im ost- und südchinesischen Meer sei absolut inakzeptabel.

Philippinische Demonstrantinnen halten Protestschilder in der Hand

Bildlegende: Ärger gibt es auch zwischen den Philippinen und China: Es geht um die staatliche Hoheit über die Spratly-Inseln. Keystone

Sowohl US-Verteidigungsminister Chuck Hagel als auch der japanische Regierungschef Shinzo Abe beschuldigten China unmissverständlich. Es würde seinen kleineren Nachbarländer mit Einschüchterung, Nötigung und gar Gewalt Territorien auf See und Insel-Hoheitsgebiete abjagen. Die chinesische Gipfeldelegation reagierte darauf zunächst bloss mit spitzen Bemerkungen.


Scharfe Kritik von Seiten Chinas

1:27 min, aus Nachrichten vom 01.06.2014

Wang spricht Klartext

In seiner Rede im Plenum holte nun aber Vizegeneralstabschef Wang Guangzhong zum grossen Gegenschlag aus. Er müsse nun leider vom Manuskript abweichen und Klartext reden: Wer in Ostasien provoziere und Vormachtansprüche habe, das sei nicht sein Land, das seien vielmehr die USA und Japan.

Ein chinesisches Sprichwort sage zwar, es sei unhöflich zurückzuschlagen. Doch daran könne er sich jetzt nicht halten. Zumal Hagel und Abe derart grob gegen den Geist des Gipfeltreffens in Singapur verstossen hätten. Tokio und Washington würden gravierende Probleme schaffen und sorgten für Konfrontationen in Asien. Peking hingegen strebe Sicherheit und Stabilität an und sei dem Frieden verpflichtet.

«UNO-Abkommen gilt nicht im Inselstreit»

Wang machte aber zugleich eines ganz klar: China habe zwar das UNO-Seerechtsabkommen Unclos unterzeichnet. Doch dieses sei, behauptet er, für Chinas Besitzansprüche über regionale Seegebiete, Inselgruppen und Rohstoffvorräte gar nicht gültig. Denn Chinas Anspruch sei um Jahrtausende älter als das internationale Seerecht. Deshalb sei sein Land keinesfalls bereit, Territorialkonflikte von UNO-Schiedsgerichten klären zu lassen.

Die Zeichen im Fernen Osten stehen auf Sturm.

(roso)

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • USA und China hörbar uneinig in Territorialfragen

    Aus Tagesschau vom 31.5.2014

    Die USA verschärfen ihren Ton gegenüber China. Und machen so deutlich, was sie von den unbekümmert vorgetragenen Territorial-Ansprüchen halten, die China an Vietnam, die Philippinen und Japan im Südchinesischen Meer stellt.

  • Freundlicher Händedruck, aber harte Worte zwischen US-Verteidigungsminister und einem chinesischen General.

    Die Angst vor Krieg wächst in Südostasien

    Aus Echo der Zeit vom 31.5.2014

    Chinas Nachbarländer fühlen sich von Peking immer mehr bedrängt. Am Sicherheitsgipfel in Singapur sprechen sie Klartext. Sie schliessen einen Krieg nicht mehr aus. Und sie hoffen, die USA würden militärisch eingreifen, sollte sich die Lage weiterzuspitzen.

    Fredy Gsteiger