Beziehungen USA-Türkei Diese drei Streitpunkte geben zu reden

Das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA ist belastet. Die Nato-Partner streiten über Fethullah Gülen, die Kurden und türkische Manager.

Der Prediger Fethullah Gülen

Gülen lebt seit 1999 im Exil in Pennsylvania. Die Türkei sieht ihn und seine Hizmet-Bewegung als hauptsächlichen Drahtzieher hinter dem Putschversuch vom vergangenen Juli. Gülen bestreitet das. Die Türkei verlangt seine Auslieferung. Doch die USA verweigern sie bisher. Ob dies unter der Regierung Trump so bleiben wird, ist unklar. So pflegte etwa Trumps abgesetzter Sicherheitsberater Michael Flynn Beziehungen zum Umfeld der türkischen Regierung. Flynn wurde dafür bezahlt, Nachforschungen über Gülen anzustellen. In einem Gastkommentar im Magazin «The Hill» bezeichnete Flynn Gülen als «Osama Bin Laden der Türkei».

Fethullah Gülen

Bildlegende: Fethullah Gülen lebt in den USA; die Türkei fordert seine Auslieferung. Keystone

Der Krieg in Syrien und die Kurden

Die Ziele, welche die beiden Nato-Mitglieder in Syrien verfolgen, unterscheiden sich stark. Uneinig ist man insbesondere bezüglich Umgang mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und den kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Zur Bekämpfung des sogenannten Islamischen Staats (IS) setzten die USA auf die Unterstützung der kurdischen Truppen in Syrien. Die Türkei befürchtet derweil, dass an der Grenze zur Türkei ein Kurdenstaat entstehen könnte und bekämpft neben dem IS auch die Kurden.

Trotz unterschiedlicher Interessen sind die USA im Syrienkrieg auf türkischen Goodwill angewiesen: Der Militärstützpunkt im türkischen Incirlik dient den USA als Basis für ihre Angriffe in Syrien. Sie haben dort rund 5000 amerikanische Soldaten stationiert. Angeblich sollen in Incirlik auch amerikanische Atomwaffen gelagert sein.

Just vor dem Besuch von Rex Tillerson in Ankara hat die Türkei zwar erklärt, der Militäreinsatz in Nordsyrien sei beendet. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim brachte aber sogleich den Vorbehalt an, das militärische Engagement in Syrien könne jederzeit wieder aufgenommen werden.

Amerikanische Militärfahrzeuge und syrische Kämpfer

Bildlegende: Die amerikanischen Truppen spannen in Syrien mit kurdischen Kämpfern zusammen. Keystone

Die verhafteten Geschäftsleute

Am Dienstag ist in New York der stellvertretende Konzernchef der staatlichen Türkiye Halk Bank (Halkbank) verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, dem iranisch-türkischen Geschäftsmann Reza Zarrab, dabei geholfen zu haben, die Iran-Sanktionen zu umgehen. Auch Zarrab sitzt in den USA in Haft. Er soll über enge Kontakte zur türkischen Regierung verfügen. «Deshalb wird das Thema in der Türkei derzeit ganz heiss gekocht», sagt der Journalist und Türkei-Experte Thomas Seibert im Gespräch mit SRF.

Filiale der Halkbank

Bildlegende: Ein Topmanager der türkischen Halkbank sitzt in den USA in Haft. Reuters

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Türkisches Militär zieht sich zurück

    Aus Tagesschau vom 30.3.2017

    Die Türkei hat ihren Militäreinsatz «Schutzschild Euphrat» in Nordsyrien beendet. Dieser richtete sich gegen die Terrormiliz IS und kurdische Milizen. Dabei konnte das türkische Militär mehrere Grenzstädte zurückerobern.