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Diskussion um US-Waffengesetz Bloss eine Finte der Waffenlobby?

Waffe mit Zusatzkolben.
Legende: «Bump Stocks» (unten) sind Zusatzvorrichtungen, um halb- in -vollautomatische Waffen umzubauen. Reuters

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Massaker von Las Vegas wollen Präsident Trump und die NRA ein Verbot so genannter Bump Stocks prüfen.
  • Mit solchen Vorrichtungen können halbautomatische Waffen zu vollautomatischen mit Dauerfeuer umgebaut werden.
  • Der Massenmörder von Las Vegas hat solche «Bump Stocks» benutzt.
  • Unser Mann in New York wittert allerdings eine Finte hinter dem Vorgehen der Republikaner und der NRA.

Zuerst waren es einige republikanische Abgeordnete, die sich am Donnerstag für ein Verbot der «Bump Stocks» aussprachen, später kündigte auch US-Präsident Donald Trump an, ein solches Verbot werde «in Kürze» geprüft.

Massenmörder benutzte «Bump Stocks»

Die Vorrichtungen am Kolben von halbautomatischen Waffen erlauben ein Schiessen mit Geschwindigkeiten wie bei automatischen – und sind in den USA bislang praktisch frei erhältlich. Unter den 50 sichergestellten Schusswaffen des Attentäters von Las Vegas befanden sich deren zwölf mit der Vorrichtung.

«Bis zu dieser Woche wusste ich überhaupt nicht, was das ist», sagte der einflussreiche Speaker im Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan gegenüber einem US-Radiosender. Wie Ryan zeigten sich auch andere Abgeordnete offen, über ein Verbot der «Bump Stocks» zu diskutieren.

Sogar die NRA will ein Verbot

Sogar die einflussreiche Waffenlobby National Rifle Association (NRA) signalisierte, sich einem solchen Schritt nicht entgegenstellen zu wollen. Für eine derartige Umrüstung müssten zusätzliche Vorschriften gelten, hiess es. Die beiden NRA-Chefs Wayne La Pierre und Chris Cox sagten, die Behörden müssten «sofort» prüfen, ob die «Bump Stocks» dem Bundesgesetz entspreche.

Die Sprecherin des Weissen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, begrüsste die Vorschläge der NRA und anderer Gruppen. Präsident Trump hatte sich nach der Bluttat grundsätzlich offen für Gespräche über das in den USA überaus laxe Waffenrecht gezeigt. «Wir werden im weiteren Verlauf der Zeit über die Waffengesetze sprechen», so seine Worte.

Grundsätzliche Verschärfung praktisch ausgeschlossen

Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich Trump auf weitgehende Restriktionen des privaten Waffenbesitzes einlassen wird. Während des Wahlkampfs hatte er sich mit der NRA verbündet, welche seine Kandidatur unterstützte. Und die NRA wehrt sich mit Erfolg seit Jahren gegen jede Verschärfung des US-Waffenrechts.

Das sagt SRF-Korrespondnet Fredy Gsteiger in New York

Natürlich kann man die Hoffnung haben, dass die Waffenlobby, angeführt von der NRA, die Millionen von Mitgliedern hat und äusserst finanzstark ist, nun grundsätzlich zu Konzessionen bereit ist. Weitaus wahrscheinlicher scheint mir aber, dass sich hinter dem Nachgeben im Fall der «Bump Stocks» ein geschickter Schachzug, eine Finte, verbirgt. Man gibt in einem völlig unerheblichen Nebenpunkt nach, um erst recht in allen relevanten Bereichen hart zu bleiben.

«Bump Stocks» spielen bei 99 Prozent der tausenden Schiessereien in den USA überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger wären Einschränkungen beim Waffenverkauf oder beim Recht überall und jederzeit Waffen zu tragen. Wichtig wären Registrierungspflichten, Verbote von Verkäufen an Kriminelle oder Geistesgestörte. Und wichtig wäre auch, dass die Zahl der Waffen in den USA – derzeit sind es über 300 Millionen – sinkt. Aber daran wollen die Waffenlobby und die allermeisten Republikaner nicht rütteln – auch nach Las Vegas nicht.
Waffenland USA

26 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Eine ganz sachliche Frage: Wozu braucht jemand real eine private Schusswaffe?
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Um seiner chronischen Angst vor anderen entgegenzuwirken. Wer keine Angst hat braucht keine Schusswaffe.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    es sind nach wie vor vorwiegend männer, die solche blutbäder anrichten. es ist nach wie vor eine hauptsächlich von männer dominierten kriegs- und waffenindustrie. dies muss explizit angesprochen werden. es sind immer noch viele, viele frauen, töchter und mädchen die in den privaten feldzügen des kleinen mannes oder als zivilistinnen in kriegsgeschehen erschossen werden. vergessen wir das nicht.
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    1. Antwort von Benedikt Walchli (Benedikt Walchli)
      Zumindest die Statistiken von Chicago total widerlegen Ihre Theorie!
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      es sind zu einem hohen prozentsatz männer die töten und es sind zu einem hohen prozentsatz frauen die getötet werden sowohl bei solchen massenhinrichtungen, wie auch im netten familien- und beziehungskreis. es wird sich immer eine, mehrere ausnahmen finden lassen. darum geht es nicht. es geht darum, dass waffen, militär und männlichkeitsbilder-vorstellungen wichtige elemente sind , der sich eine gesellschaft, ganz besonders männer, intensiv auseinander zusetzen haben.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Der Öffentlichkeit bisher vorenthalten, wieviel Schüsse der Typ in etwa 10 Min. Attacke abfeuern konnte. Die Angaben der Kadenz mit bump stock aufgerüstete Halbautomaten liegen zwischen 600-900 Schuss/min. Beim SIG Sturmgewehr 57 lag sie bei 450-600 Schuss/min. Wenn ich da zurückdenke, wie schnell sich bei Seriefeuer das 24 Schuss GP11 Magazin leerte (ca. 2.8 sec) , hat der Typ wohl auch Trommelmagazine eingesetzt. Diese gehören genauso wie bump stocks verboten. Die spinnen die Amis.
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