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International Drama vor Rhodos: Flüchtlinge treiben auf Wrackteilen

Nach wohl Hunderten toten Flüchtlingen vom Wochenende spielen sich schon wieder neue Dramen im Mittelmeer ab. Vor einem Strand der griechischen Insel Rhodos ist ein Schiff mit Dutzenden Flüchtlingen am Felsen zerschellt. Drei weitere Boote mit Hunderten Migranten sind offenbar ebenfalls in Seenot.

Legende: Video Mehrere Boote in Seenot – oder schon gesunken abspielen. Laufzeit 3:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.04.2015.

Die Unglücksmeldungen reissen nicht ab: Einen Tag nach der wohl schlimmsten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, bei der mehr als 900 Menschen ertrunken sein sollen, ist es bereits wieder zu neuen dramatischen Szenen auf dem Meer gekommen. Vor einem beliebten Strand der Touristeninsel Rhodos zerschellte ein Schiff mit Dutzenden Menschen an Felsen.

Mindestens drei der Migranten starben, darunter ein vierjähriges Kind, wie die Küstenwache mitteilte. 93 Menschen wurden demnach aus dem Wasser gerettet. Die Flüchtlinge klammerten sich an Teile des Schiffes, um auf diesen die Küste zu erreichen. Auch Inselbewohner beteiligten sich an der Rettung.

Drei Boote noch in Seenot

Zeitlgleich schrecken neue Nachrichten über drei Schiffe in Seenot auf – und wieder sind Hunderte Menschen an Bord. Italien und Malta hätten nach Hilferufen der drei Boote Rettungseinsätze eingeleitet, sagte Italiens Regierungschef Matteo Renzi.

Zum schweren Flüchtlingsunglück vom Sonntag sind in der Zwischenzeit neue Details bekannt geworden. Zwar gibt es noch immer keine offiziellen Angaben darüber, wie viele Menschen rund 110 Kilometer von der Küste Afrikas entfernt und etwa 200 Kilometer südlich von Lampedusa ums Leben gekommen sind. Den Schilderungen von Überlebenden zufolge könnten es aber noch mehr sein als bisher angenommen.

«Wir waren 950 Menschen an Bord – 40 bis 50 Kinder und etwa 200 Frauen», zitierte die Nachrichtenagentur Ansa einen aus Bangladesch stammenden Überlebenden. Den Schilderungen des Mannes zufolge waren viele Menschen im Laderaum eingeschlossen. «Die Schmuggler haben die Türen geschlossen und verhindert, dass sie herauskommen», berichtete der Mann, der nach der Rettung in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Hilfe war in Sichtweite

Nach bisherigen Erkenntnissen war das Schiff in der Nacht auf Samstag etwa 130 Kilometer vor der libyschen Küste gesunken. Möglicherweise brachten die Menschen an Bord das völlig überladene Boot selbst zum Kentern.

Sie sollen einen Notruf abgesetzt haben, auf den ein portugiesischer Frachter in der Gegend reagierte. Als sich das Handelsschiff dem Flüchtlingsschiff näherte, sollen die Menschen an Bord alle auf eine Seite des Bootes gestürmt sein. Daraufhin kippte das Schiff und sank.

«Wir finden nichts mehr»

Bis Sonntagabend konnten 28 Menschen gerettet werden. 24 Leichen wurden geborgen. Die herbeigerufenen Retter suchten den ganzen Tag über mit etwa 20 Booten und Hubschraubern nach Überlebenden, jedoch ohne Erfolg.

«Da sind nur Treibstoff und Trümmer, wir finden nichts mehr», sagte einer der Retter der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Die italienische Küstenwache erklärte, möglicherweise werde es keine Gewissheit über die Zahl der Toten geben, da das Meer an der Unglücksstelle sehr tief sei. Das Wasser dort ist mit 16 bis 17 Grad zwar relativ warm, viele der Migranten konnten jedoch vermutlich nicht schwimmen.

EU ringt um Lösung

Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen am Donnerstag in Brüssel zusammen, um über Konsequenzen aus dem jüngsten Flüchtlingsdrama im Mittelmeer zu beraten. Das teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk mit. Die EU-Kommission und der Europäische Diplomatische Dienst würden Optionen vorlegen, was unmittelbar in der Region getan werden könne. Hier mehr.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Werner von Braun, Aarau
    Na Herr Hediger, mit der Aussage haben sie ja den Apfelring abgeschossen. Gehen sie mal nach M. In der Altstadt, da gibt es apfelringe auch aus der Schweiz, mit Wappen.
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  • Kommentar von Richi Schneider, Schaffhausen
    Subventionen erzeugen ebenfalls Flüchtlinge. Die Überproduktion der italienischen Tomatenernte wird zu Tomatenmark verarbeitet und subventioniert und nach Ghana geliefert. Das Mark ist billiger wie das Ghanaische. Der Ghanaische Tomatenproduzent hat nun ein Problem. Er muss seine Tomatenernter entlassen. Der wiederum findet in Ghana keinen Job. Was macht dieser? Er kommt mit dem Schiff nach Italien. Wo findet der Tomatenernter Arbeit? Logischerweise bei der italienischen Tomatenproduktion.
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    1. Antwort von M. Hediger, Aarau
      Kaufen Sie in der Migros getrocknete Apfelringe. Diese werden tatsächlich in Südafrika (!!) hergestellt und in der Schweiz verkauft. Müssen wir jetzt nach Südafrika auswandern, weil wir südafrikanische Apfelringe kaufen müssen und unsere Äpfel verfaulen?
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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Die westliche Demokratie und Kapitalismus bringen nur den Tot und das Leid zu allen Menschen dieser Welt :-) Hauptschuldige sind die EU , USA und die USA-EU-Zweigstelle Deutschland :-) Wenn Krieg und Forderungen von Kriegen die Lösung aller Probleme werden, spätestens dann sollte man sich fragen ob man noch ganz beim Sinne ist :-) Europa sollte anfangen aufzuräumen und Deutschland als erstes politisch isolieren die Anderen werden dann von alleine wieder gesund werden :-)
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