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International Dritter Verdächtiger im Fall Nemzow festgenommen

Letzte Woche wurde der russische Kreml-Kritiker Boris Nemzow in Moskau erschossen. Nun hat die russische Polizei einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Die drei Männer stammen alle aus dem Kaukasus; zwei davon sind Brüder.

Legende: Video Festnahmen im Mordfall Nemzow abspielen. Laufzeit 02:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.03.2015.

Im Mordfall des Kreml-Kritikers Boris Nemzow hat die russische Polizei einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Das teilten die Behörden der Nordkaukasusrepublik Inguschetien mit. Damit steigt die Anzahl festgenommener Personen auf drei.

Zuvor hatte der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau die Verhaftung von zwei Männern bekannt gegeben. Nach Angaben der Behörden in Inguschetien sind zwei der Verdächtigen Brüder. Die Brüder Ansor und Schagid G. hätten länger in Moskau gelebt, meldete die Agentur Interfax. Der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen. Es gebe gute Hinweise, dass die Männer direkt in die Tat verwickelt gewesen seien, berichtete die Agentur unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Der Geheimdienstchef nannte nach der Bekanntgabe der ersten Verhaftungen keine weiteren Einzelheiten. Präsident Wladimir Putin sei über die Festnahmen informiert worden. «Die operativen und notwendigen Ermittlungen dauern an», sagte der FSB-Chef.

Ein Porträt von Nemzow, im Hintergrund der Kreml
Legende: Der Kreml will den Tod von Oppositionspolitiker Boris Nemzow aufklären. Für Hinweise gibt es eine Belohnung. Keystone

Spuren im Fluchtauto

Aus Ermittlerkreisen verlautete, das mutmasslich bei der Tat genutzte Fluchtauto sei relativ schnell gefunden worden. Spuren in dem Fahrzeug hätten bei der Suche nach den Verdächtigen geholfen. Zudem hätten die Ermittler aus dem Bildmaterial der Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts scharfe Fotos filtern können.
Dennoch sei es zu früh, von einem Durchbruch in dem Mordfall zu sprechen, hiess es. Über eine mögliche Untersuchungshaft solle in den kommenden Tagen entschieden werden.

Skepsis bei Oppositionellen

Wegbegleiter Nemzows reagierten zurückhaltend. «Wir hoffen, dass Menschen festgenommen wurden, die tatsächlich etwas mit dem Mord zu tun haben, dass dies kein Fehler ist, sondern das Ergebnis einer guten und qualitativen Arbeit der Sicherheitsorgane», sagte der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Sollte der Schütze unter den Verdächtigen sein, müssten aber auch die Hintermänner gefunden werden, forderte er.

Der 55-jährige Oppositionspolitiker Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke in der Nähe des Kremls von einem Unbekannten hinterrücks erschossen worden. Der Mord löste in Russland und weltweit Bestürzung aus.

Zeugin hat Russland verlassen

Die Hauptzeugin, eine Ukrainerin, durfte Russland nach intensiver Befragung der Ermittler verlassen. Nach Morddrohungen steht sie in ihrer ukrainischen Heimat unter Polizeischutz. Am Dienstag wurde Nemzow auf einem Moskauer Friedhof beerdigt.

Die russischen Behörden gehen von einem politisch motivierten Auftragsmord aus und verfolgen unterschiedliche Spuren, unter anderem mit nationalistischem oder extremistischem Hintergrund. Kritiker vermuten die Verantwortlichen indes im Umfeld des Kremls.

Nemzow – ein Gegner Putins

Nemzow, früherer Vize-Ministerpräsident, war ein scharfer Kritiker Putins und ein Gegner der russischen Unterstützung für die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine.

Putin hatte nach dem Mord eine Aufklärung des Verbrechens angekündigt. Die Behörden setzten für Hinweise auf die Täter eine Belohnung in Höhe von umgerechnet rund 45'000 Franken aus.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Warum immer so verbissen, Leute? Lasst doch Russland der NATO und der EU beitreten, wenn es den "bösen" Amis ja nur darum gehen soll, Russland vom Rest Europas abzutrennen!! Warum nicht? Und schwups - schon sieht die Weltlage ganz anders aus und das "Haus Europa", von dem Gorbi immer gesprochen hat, wäre Tatsache. Dass dann die Amis zuschlagen, müsst ihr nicht befürchten, schliesslich hat damals Bill Clinton gesagt, dass die USA immer an unserer Seite sind. Indeed, this is real !!
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    1. Antwort von c.jaschko, Bern
      J.S. Russland hat öfter versucht der NATO beizutreten und wurde abgelehnt :-) NATO Ursprungsidee war Russland als Feind darzustellen und das Feindbild aufrecht zu erhalten, ansonsten gibt es ja kein Geld von den Mitgliedern :-) Leider USA hat die NATO high jacked und so ist es ein weiteres Organ und Ausgestreckte-Hand Amerikas geworden, genauso wie Deutschland auch :-) Alles, Amerika-Untertanne mit wenig von Eigener-Meinung und Friedens-Initiative :-) And This is for Real too :-)
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Es ist schon erstaunlich, wie die Verfechter einer westlichen Weltordnung nun doch einen kriminalistischen Argwohn zutage treten lassen, den ich im umgekehrten Fall jeweils schmerzlich vermisse, wenn bei westlichen terroristischen Anschlägen die Täter Stunden nach der Tat schon bekannt, gefunden und erschossen sind.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Sie bringen es auf den Punkt! In Frankreich hat es Beifall für den raschen Erfolg gegeben & die rasche Erkenntnis, dass es Anhänger der IS gewesen sein müssen. Betreffend Erfolge in Russland sind die Täter Bauernopfer von Putin.
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  • Kommentar von M.Krebser, BE
    Knallhart !!! Das ist eine knallharte Wendung pro Frieden und contra NATO-Kriegstreiberei der USA !!! Siehe ---> "Propaganda aus Brüssel? Deutschland legt sich mit der Nato an" - ntv.de.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Danke für den Hinweis! Deutsche Wirtschafts Nachrichten berichteten auch darüber: " Ukraine-Politik: Erstmals offener Konflikt zwischen Deutschland und der Nato". Darin steht auch: "Die Ukraine hat im Assoziierungsabkommen mit der EU auch die Annäherung an die Nato festgeschrieben. Dies war einer der Punkte, warum die Russes gegen das Abkommen waren. Das Abkommen ist mittlerweile unterzeichnet, die Ukraine und die USA haben die entsprechenden Gesetze unterzeichnet..."
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Toll, wenn sie dabei bleiben! Hoffentlich schliessen sich noch andere EU-Länder ihnen an, weil die EU, ausgenommen die Baltischen Staaten die Ukraine ja sowieso nicht in der EU & NATO wollen. Bewiesen ist, dass diese sehr eigenmächtig handelt. Zeit sie & die Kriegstreiber in der EU in ihre Schranken zu verweisen & Unterstützung zu verweigern. Wir wollen keinen Krieg in Europa! Punkt.
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      Vorsicht,ist die Mutter der Porzellan-Kiste!
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    4. Antwort von Weber Jean-Claude, Znal
      @Weiler. Es ist möglich, dass Bredloove übertreibt. Er muss auch seine Brötchen verdienen, bestraft sich aber selbst, wenn herauskommt, dass seine Aussagen nicht zutrafen. Tatsache ist aber, dass der verbrannte russ. Soldat zugegeben hat, 3 Tage vor dem Minsker-Treffen mit seinem Panzer in die UA eingewandert zu sein. Es lebe eine freie Ukraine.
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    5. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ J.-Cl. Weber: Man kann mit solchen einzelnen Aussagen und Geschichten nicht vorsichtig genug sein: Verdrehung, Lügen usw. können da problemlos mit im Spiel sein im Dienste der Propaganda. Es ist aber bezeichnend, wenn solche Anekdoten hohe Bedeutung zugemessen wird, die gewichtigen Fakten aber geleugnet oder deren Bedeutung heruntergespielt werden.
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