Ebola-Expertenteam reist nach Afrika

Neue Hilfsaktion für Westafrika im Kampf gegen Ebola. Dutzende US-Experten sollen in den nächsten Wochen in die Krisenregion aufbrechen. Bei Medizinern wächst die Zuversicht, die Lage in absehbarer Zeit in den Griff zu bekommen. Ein infizierter US-Arzt wird derzeit in Atlanta behandelt.

Personen in Sicherheitskleidung mit Desinfektionsspritzen

Bildlegende: Wie hier in Liberia werden die Desinfektionsmassnahmen im Epidemie-Gebiet intensiviert. Keystone

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat sich zuversichtlich im Kampf gegen die Ebola-Epidemie gezeigt. Der Ausbruch sei zwar ausser Kontrolle, sagte CDC-Direktor Tom Frieden im US-Fernsehsender ABC.

Karte Westafrika

Bildlegende: In Guinea, Sierra Leone, Liberia und Nigeria wurden Ebola-Fälle seit dem jüngsten Ausbruch im Februar nachgewiesen. SRF

Aber er ist sich andererseits sicher: «Wir wissen jetzt, wie wir Ebola stoppen können.» Die zum Einsatz kommenden Methoden seien bereits erprobt. Erkrankte Patienten müssten isoliert werden, die Bevölkerung in den betroffenen Regionen verstärkt über die Krankheit informiert werden.

Frieden kündigte zugleich die Entsendung von 50 US Experten nach Westafrika binnen der kommenden 30 Tage an. Der Ausbruch der Krankheit in Westafrika ist der schwerste jemals registrierte. Mehr als 700 Menschen starben bereits daran.

Menschliche Grösse in schwerer Stunde

Am Sonntag war der mit dem Ebola-Virus infizierte US-Arzt Kent Brantly nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia geflogen worden. Der Mediziner habe trotz seiner nahezu ausweglosen Situation menschliche Grösse bewiesen, berichtet seine Hilfsorganisation Samaritan's Purse. Brantly habe ein für ihn gedachtes Serum abgelehnt, damit es einer ebenfalls infizierten Kollegin zur Verfügung steht.

Der Arzt war am Samstag in Atlanta mit einem Spezialflugzeug eingetroffen. Die mit einer Isolationskammer ausgerüstete Gulfstream sollte danach seine Kollegin Nancy Writebol, eine Krankenschwester, nach Hause holen.

Ein Flugzeug auf der Rollbahn

Bildlegende: Mit einem Spezialflugzeug war der US-Arzt von Westafrika nach Atlanta geflogen worden. Keystone

Für Brantly war ein Serum eingeflogen worden, das allerdings noch in der Erprobung ist – und von dem es nur eine Dosis gab. Laut seiner Hilfsorganisation hatte der 33-Jährige das Mittel abgelehnt, damit Writebol es bekommen konnte.

Dafür bekam Brantly Hilfe von einem jungen Menschen, dem er zuvor geholfen hatte: Ein 14-jähriger Liberianer hatte Ebola überlebt dank der Hilfe des amerikanischen Arztes. Brantly bekam nun Blut von dem Kind gespritzt - mit der Hoffnung auf Antikörper, die seinem Körper beim Kampf gegen das Virus helfen könnten. «Der Junge und seine Familie wollten helfen, das Leben des Arztes zu retten», sagte Franklin Graham, Leiter von Samaritan's Purse.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Hygiene- und Putzequipen stoppen letztlich Ebola, nicht die Mediziner.

    Ebola - heldenhafte Hilfe vor Ort

    Aus Echo der Zeit vom 30.7.2014

    In den Behandlungszentren von Médecins sans Frontières müssen Ebola-PatientInnen isoliert auf den Tod warten, unter ihnen viele Kinder. Den schlimmsten Job haben die sogenannten «Hygieniker», die für die Reinigung und Desinfektion der Sterbenden und Toten sorgen.

    Reportage aus dem Nordosten von Sierra Leone.

    Monika Oettli

  • Bergen einer Toten in Liberia

    Kranker Ebola-Arzt beunruhigt die Experten

    Aus Echo der Zeit vom 27.7.2014

    Ebola, die hochansteckende und meist tödliche Krankheit, breitet sich aus in Westafrika. Nach über 600 Toten in Guinea, Liberia und Sierra Leone hat das Virus am Freitag auch ein Opfer in Nigeria gefordert. In Sierra Leone ist ein bekannter Arzt erkrankt. Die Angst in der Region steigt.

    Monika Oettli

  • Medecins sans Frontières im Einsatz für Ebola-Kranke in Guinea.

    Ebola - die WHO schlägt Alarm

    Aus Echo der Zeit vom 2.7.2014

    Gegen 500 Menschen sind seit Anfang Jahr in Westafrika am Ebola-Virus gestorben, die Zahl der Toten steigt an. Betroffen sind Liberia, Sierra Leone und Guinea. In Ghana findet derzeit eine Krisensitzung zum Thema statt.

    Stephan Becker hat Viren zum Beruf gemacht; er ist Direktor am Robert-Koch-Institut der Universität Marburg.

    Simone Fatzer