Ebola-Kranker in Dallas könnte 80 Menschen angesteckt haben

Ein Ebola-Kranker in der US-Stadt Dallas hatte offenbar Kontakt mit 80 Personen, bevor er gegen das Virus behandelt wurde. Der Mann aus Liberia ging mit Symptomen ins Krankenhaus, wurde aber wieder nach Hause geschickt.

Logo des Gesundheitscenters Dallas.

Bildlegende: Ein Neffe des Erkrankten hatte die Behörden alarmiert. Keystone

Im Ebola-Fall von Texas haben deutlich mehr Menschen als bisher angenommen Kontakt zu dem erkrankten Mann und seiner Familie gehabt. Statt 18 Personen könnten es bis zu 80 gewesen sein, berichtete der US-Sender NBC unter Berufung auf den Gesundheitsdienst in Dallas.

Vier Familienangehörige des Patienten wurden angewiesen, als Vorsichtsmassnahme ihre Wohnung nicht zu verlassen. Der Erkrankte selbst befindet sich auf einer Isolierstation in Dallas in einem kritischen Zustand. Die Angst vor einer Ausbreitung der in Westafrika ausgebrochenen Seuche sorgte an den Börsen für Verluste, vor allem Aktien von Fluggesellschaften gaben nach.

Mit Antibiotika wieder nach Hause

Die US-Gesundheitsbehörden forderten die Krankenhäuser auf, Lehren aus dem Vorgehen in Dallas zu ziehen. Der aus Liberia eingereiste, mit Ebola infizierte Mann war zunächst mit Antibiotika nach Hause geschickt worden und hatte somit möglicherweise Kontakt zu weiteren Menschen.

Patienten müssten künftig über ihre Reisetätigkeiten befragt werden. Es müsse sichergestellt werden, dass aus Westafrika kommende Personen Ebola-frei seien. «Leider ist dies in diesem Fall nicht geschehen», sagte der Chef des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci.

Nach der ersten Ebola-Diagnose in den USA mehrt sich Kritik an dem Krankenhaus, in dem der schwer kranke Mann behandelt wird. Er hatte sich erstmals am 26. September mit Symptomen in das Texas Health Presbyterian Hospital begeben, war aber zunächst nicht auf Ebola hin untersucht und mit Medikamenten wieder nach Hause geschickt worden.

Nachdem der Mann nach Hause geschickt wurde, übergab er sich nach Darstellung eines Nachbarn vor dem Appartementkomplex, in dem er wohnt. Dann sei er in einen Rettungswagen gebracht worden. Die ganze Familie habe geweint.

Erster Erkrankter mit Virus gereist

Im Krankenhaus wurde der Liberianer dann positiv auf Ebola getestet. In den Tagen zuvor hatte er laut den Bundesbehörden unter anderem auch Kontakt zu Schulkindern. Die Kinder aus vier verschiedenen Schulen seien unter Beobachtung gestellt worden, zeigten bislang aber keine Symptome.

Es ist weltweit der erste Fall, bei dem ein Mensch sich in Afrika mit Ebola infizierte und dann ausserhalb des Kontinents erkrankte. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen Nachbarn des Mannes, dass dieser in der liberianische Hauptstadt Monrovia einer infizierten Frau geholfen habe. Vor über zehn Tagen flog er dann aus Liberia in die USA, um Verwandte zu besuchen.

Der 42-Jährige war von Monrovia über Brüssel und Washington nach Dallas geflogen. Krankheitssymptome wurden aber erst in den USA festgestellt. Sein Zustand wird als ernst beschrieben.

Zweiter Verdachtsfall in Hawaii

Inzwischen gibt es auf US-Gebiet noch einen zweiten Ebola-Verdacht. Ein Patient in Hawaii soll sich ebenfalls angesteckt haben.

Dessen ungeachtet sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation in Genf mit. Grund für den Rückgang sei in erster Linie Monrovia. In der vergangenen Woche sei in der Hauptstadt Liberias keine einzige Neuerkrankung gemeldet worden. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden mitgeteilt, hiess es weiter.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ebola – Wie ergeht es den Helfern?

    Aus Puls vom 6.10.2014

    Seit März haben sich 6500 Menschen mit Ebola infiziert, über 3000 Menschen sind bis Anfang Oktober daran gestorben. Das Ebola-Virus ist ausser Kontrolle, die betroffenen Länder der Katastrophe hilflos ausgeliefert. Obwohl es nach wie vor weder Impfung noch Behandlung gegen das potenziell tödliche Virus gibt, entscheiden sich freiwillige Helfer für einen Hilfseinsatz vor Ort. «Puls» spricht mit einer Rückkehrerin und einer Helferin, die vor dem Einsatz steht, über ihre Motive, Erfahrungen und Befürchtungen.

    Mehr zum Thema

  • Ebola-Medizin: Wettlauf gegen die Zeit

    Aus 10vor10 vom 1.10.2014

    Diesen Monat beginnen in der Schweiz die Tests für zwei Impfstoffe gegen Ebola. Die Entwicklung von Medikamenten läuft gleichzeitig auf Hochtouren. «10vor10» fragt angesichts der aktuellen Krise in Westafrika und dem heute bekannt gewordenen ersten Ebola-Fall in den USA, ob die Hilfe für die Betroffenen nicht zu spät kommt.

  • Ebola erreicht die USA

    Aus Tagesschau vom 1.10.2014

    Die Krankheit Ebola ist zum ersten Mal im Westen nachgewiesen worden. Ein Flugreisender hat die Krankheit aus Westafrika in die USA, nach Texas eingeschleppt. Der Mann wird behandelt und befindet sich zurzeit in Quarantäne.