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International Ebola-Patienten fliehen aus Spital

Aufgebrachte Menschen haben eine Quarantänestation in Liberia gestürmt und mindestens 17 Ebola-Patienten zur Flucht verholfen. Kenia schliesst unterdessen seine Grenzen zu den betroffenen Ländern.

Karte Westafrika
Legende: Liberia ist von der Ebola-Epidemie am stärksten betroffen. Tote gab es auch in Guinea, Sierra Leone und Nigeria. SRF

Nach der Erstürmung einer Quarantänestation in der liberianischen Hauptstadt Monrovia sollen 17 Patienten geflohen sein, berichtete die Zeitung «Front Page Africa».

Die Täter hätten die Türen aufgebrochen und die Krankenstation verwüstet, berichtete die Augenzeugin Rebecca Wesseh. Der Chef des liberianischen Krankenpflegerverbands, George Williams, bestätigte ihre Angaben.

Wessehs Angaben zufolge kamen die mit Knüppeln bewaffneten vornehmlich jungen Angreifer in der Nacht zum Sonntag und stürmten eine Schule, die als Isolierstation diente. Sie riefen «Es gibt kein Ebola» in Liberia und warfen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf vor, mit Berichten über Ebola lediglich internationale Gelder beschaffen zu wollen.

Ein ganzes Viertel sollte in Quarantäne

Ursprünglich waren 29 Patienten auf der Quarantänestation in Monrovia. In den vergangenen Tagen seien aber zehn von ihnen gestorben und zwei weitere geflohen, berichtete «Front Page Africa» unter Berufung auf einen Pfleger.

Der dicht besiedelte Slum West Point in Monrovia, wo sich der Vorfall ereignete, liegt in der Nähe des Stadtzentrums. In dem Viertel leben rund 75'000 Menschen. Es gilt als eines der Epizentren der Epidemie in der liberianischen Hauptstadt. Das Gesundheitsministerium hatte angekündigt, den ganzen Slum unter Quarantäne zu stellen.

Pfleger fliehen aus Spitälern

Das Virus verursacht in den betroffenen Regionen zunehmend Angst und Schrecken: In Nigeria flüchten immer mehr Ärzte und Pfleger aus den Spitälern – aus Angst vor einer Ansteckung mit. Betroffen sei vor allem das Yaba Mainland Hospital in Lagos, wo mehrere Infizierte auf Isolierstationen lägen, berichtete die Zeitung «Punch».

«Jeder scheint grosse Angst vor Ebola zu haben, und niemand will helfen, was eine grosse Herausforderung darstellt», sagte der örtliche Gesundheitskommissar Jide Idris. «Am schlimmsten ist es auf der Quarantänestation, viele sind einfach weggelaufen, nachdem der Tod einer Krankenschwester bekannt geworden war.»

Kenia schliesst Grenzen und streicht Flüge

Auch in Kenia geht die Angst um. Wegen der Ebola-Epidemie schliesst das Land ab Mittwoch seine Grenzen für Reisende aus den am schlimmsten betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea. Das teilte die kenianische Regierung am Samstag mit.

Ebenfalls ab Mittwoch wird es keine Flüge von Kenia Airways in die Hauptstädte Liberias und Sierra Leones, Monrovia und Freetown geben.

Der kenianische Gesundheitsminister James Macharia begründete die Massnahmen mit der «Sorge um die Volksgesundheit». Unterdessen bestätigte der staatliche Gesundheitsdienst, dass in Kenia noch kein Ebola-Fall aufgetreten sei. Vier Verdachtsfälle seien alle negativ getestet worden.

Kein Ebola in Spanien

Der Ebola-Verdacht bei einem Nigerianer in Spanien hat sich nicht bestätigt. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, ist der Mann nicht mit dem Virus infiziert. Der Mann hatte am Samstag wegen Fiebers eine Klinik in Alicante aufgesucht. Dort wurde der Patient, der kürzlich in seine Heimat gereist war, auf eine Quarantänestation gebracht.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von marco meier, aarau
    Ich finde auch, man sollte Ebola nicht verteufeln. Allerdings sollte man es auch nicht mit einer Grippe vergleichen! Massgebend sind nicht nicht die Toten, sondern die Sterblichkeitsrate. Und die ist bei Ebola mit 60-90% doch um ein vielfaches höher als bei einer Grippe....
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  • Kommentar von Karl Suter, Kirchberg
    Craig Manning ist ein Mitarbeiter des CDC, sagte: Ebola überträgt sich nicht so leicht von Mensch zu Mensch, aber Grippe überträgt sich sehr leicht von Mensch zu Mensch. Seit dem ersten Auftreten von Ebola 1976 hat es 2586 Erkrankte gegeben und 1717 Tote. Das entspricht einer Sterblichkeitsquote von 66,4 Prozent, also etwa zwei Dritteln, aber an Grippe sterben ungefähr 500 000 Menschen jedes Jahr. An Ebola sind in 38 Jahren weniger als 3000 Menschen gestorben. Und an Grippe? Neunzehn Millionen.
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    1. Antwort von A. Specker, Zürich
      Das stimmt wohl, man darf aber nicht nur die effektive Erkrankten und Toten beachten sondern muss vorallem das Potential betrachten. Wenn es Ebola schafft auch per Tröpfcheninfektion übertragen zu werden oder länger unentdeckt zu bleiben könnte das ganze sehr schnell extrem werden. Da die Grippe nur für geschwächte Personen lebensgefährlich ist, ist es Ebola für alle. Aber natürlich stimmt es, dass Panikmache falsch am Platz ist.
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    2. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Wie auch weltweit jährlich viel mehr Menschen bei anderen Erkrankungen den Löffel abgeben. Zum Beispiel Malaria, Typhus und Cholera oder andere Tropenkrankheiten. Etwas zynisch formuliert, aber der Knackpunkt liegt in der Trägheit der Pharmaindustrie, respektive ihrer rein ökonomischen Überlegung als Unternehmen im globalen Wettbewerb zu bestehen. Erst wenn grosse Teile der Erdbevölkerung von Unbill betroffen sind, wird es finanziell lohnend. Irgendwann geht der Schuss aber nach hinten los.
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    3. Antwort von Peter Meier, Zürich
      A. Specker: Das ist immer so etwas mit dem Potenzial... Derartige genetische Veränderungen haben meist auch einen Einfluss auf andere Bereiche des Virus. Sprich die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass solch ein Virus dann auch weniger gefährlich wäre.
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    4. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Geschätzter Herr Peter Meier, Zürich. Genau das passiert ja laufend in unserer Erdgeschichte zu Artenvielfalt und Massensterben. Nennt sich auch Evolution. Zumal das Ebola-Virus durch sein Letalpotential im menschlichen Wirt, sich selber den Teppich unter den Füssen wegzieht. Anstelle den Wirt leben zu lassen und sich munter darin zu vermehren. Nur, wenn denn Mutation oder "trail and fail" nicht wäre. PS. könnte dem Homo Sapiens Sapiens, mit seiner Liebe zur Natur (Schöpfer) auch unterlaufen.
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