Ebola: Wie die nächste Tragödie verhindert werden soll

Neuerdings gibt es ermutigende Berichte aus den Ebola-Gebieten Westafrikas. Doch Experten gehen hart ins Gericht mit der Krisenbewältigung der Weltgemeinschaft, vor allem die WHO habe versagt. Künftig soll vieles besser werden.

Ein Zeichen markiert das Grab eines unbekannten Ebola-Opfers in Freetown

Bildlegende: Experten werfen der WHO Versagen vor. Nun will sich die Organisation besser für künftige Epidemien wappnen. Reuters

Die Weltgemeinschaft hat versagt im Kampf gegen Ebola – so lautet das harte Urteil von Lawrence Gostin, einem Gesundheitsexperten der Georgetown-Universität in Washington: «Es war einer der bedauerlichsten Momente in einer ganzen Generation der globalen Gesundheitsversorgung», wird Gostin deutlich.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe viel zu spät den Notfall ausgerufen, danach sei die globale Hilfe schmerzhaft langsam angelaufen. So sei ein lokaler Ausbruch zur beinahe unkontrollierbaren Epidemie geworden. Viele Experten teilen Gostins Einschätzung. Und so wird noch vor Ende der Epidemie diskutiert, wie man es besser machen kann.

Weltbank strebt künftig Führungsrolle an

Eine prominente Rolle will dabei die Weltbank spielen, hat ihr Präsident Jim Yong Kim angekündigt. Die Organisation will einen neuen Fonds kreieren, der bei Epidemien rasch grosse Summen bereitstellen kann. Gleichzeitig regt die Weltbank eine neue Art von Einsatztruppe an, die schnell Hilfe vor Ort leisten würde. Wie genau sie aussehen könnte, ist allerdings noch unklar.

Beide Vorschläge klingen vernünftig. Vor allem, weil viele Experten der WHO vorwerfen, sie habe diese Aufgabe bei Ebola nicht übernommen und anderen Organisationen wie «Medecins sans Frontières» und Ländern wie den USA und Grossbritannien überlassen.

Nur Hilfe zur Selbsthilfe?

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan hat dagegen stets betont, die Aufgabe der Organisation sei es nicht, Notspitäler zu errichten oder Kranke zu behandeln, sondern die betroffenen Länder zu beraten. Diese müssten selbst fähig sein, ihre Bürger zu behandeln. So stehe es in internationalen Abkommen.

Gesundheitsexperte Gostin teilt diese Meinung zwar im Prinzip: «Aber in einer solchen Notlage kann die WHO so arme Länder wie Liberia schlicht nicht hängen lassen.» Die neuen Vorschläge der Weltbank lehnt Gostin ab, denn sie schwächten die WHO gefährlich.

Experten plädieren für Stärkung der WHO

Diese Meinung vertreten auch 95 andere Gesundheitsexperten in einem offenen Brief, etwa Sophie Harman von der Queen Mary Universität London. Sie sagt, die WHO verfüge bereits über Kräfte, die Epidemien bekämpfen könnten: «Man muss sie nur genügend finanzieren und ausweiten, damit sie ihre Aufgaben auch erfüllen können.»

Harman kritisiert, die Staaten hätten bereits in der Vergangenheit bei Schwierigkeiten neue Organisationen gegründet, statt die WHO zu stärken. Etwa im Fall von Aids die Uno-Abteilung UN AIDS. «Es ist sinnlos, immer neue Organisationen zu schaffen, die nach einigen Jahren mit denselben Problemen konfrontiert sind, wie die WHO. Zum Beispiel mit der Suche nach genügend Geld.»

WHO geht in die Offensive

Weder WHO noch Weltbank wollen Stellung zur Kontroverse nehmen. Aber offenbar hat WHO-Generaldirektorin Chan eingesehen, dass sie in die Offensive gehen muss, damit ihre Organisation nicht weiter aufgerieben wird. Am Wochenende diskutiert ihr Führungsausschuss einen Vorschlag, dass die WHO die akute Bekämpfung von Epidemien übernehmen soll.

Entschieden wird über diese Pläne wohl im Mai, wenn die 194 Mitgliedsstaaten der WHO zusammenkommen. Es liegt in ihrer Hand, ob die Welt beim nächsten Mal besser gerüstet sein wird als bei Ebola.

Immer noch viele Ebola-Kranke

In Liberia, Sierra Leone und Guinea gab es zuletzt so wenig neue Ebola-Fälle wie seit vergangenen August nicht mehr. Die neuen Zahlen der WHO seien zwar «sehr gute Nachrichten», sagt der UNO-Sonderbeauftrage David Nabarro. Aber sie dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer noch alarmierend viele Ebola-Kranke und nicht erfasste Fälle gebe.