Präsidentschaftswahlen im Iran Ebrahim Raisi – der erzkonservative Newcomer

Der Kandidat Ebrahim Raisi will den Iran vom Westen abschotten. Den Iranern verspricht er Jobs. Ein Porträt.

  • Am Freitag finden im Iran Präsidentschaftswahlen statt.
  • Rund 55 Millionen Wahlberechtigte können ihre Stimme abgeben.
  • Der erzkonservative Kleriker Ebrahim Raisi gilt als aussichtsreichster Herausforderer des amtierenden Präsidenten Rohani.

Die Hardliner im iranischen Regime haben Ebrahim Raisi kurz vor der Wahlkampagne aus dem Hut gezaubert: Er ist der Gegenentwurf von Hassan Rohani. Raisi hat kein Charisma, war in der Öffentlichkeit bislang kaum bekannt, hat absolut keine politische Erfahrung und verfügt auch über keine Kompetenz in Wirtschaftsfragen.

Abgrenzung statt Öffnung

Im Wahlkampf hat er den Armen grosse Geldgeschenke versprochen und den Arbeitslosen Jobs – ohne bekanntzugeben, wie er das schaffen will. Es sei dies ein populistisches Programm um Stimmen zu kaufen, sagen Raisis Gegner.

Ebrahim Raisi bewegt sich auf der Linie von Revolutionsführer Ali Khamenei: keine Öffnung des Landes, keine Reformen und strikte Abgrenzung zum Westen – das ist sein Kompass. Viele vergleichen ihn mit dem ultrakonservativen ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der das Land repressiv regierte und isolierte.

Heikle Vergangenheit

Raisi umgibt sich auch mit Leuten aus Ahmadinedschads Umfeld. Die Vergangenheit des 56-jährigen Klerikers wird im Iran zum Teil tabuisiert, obwohl die meisten sie kennen: 1988 wurden Tausende politische Gefangene und Oppositionelle hingerichtet. Raisi war damals Richter in jener Kommission, die die Urteile sanktionierte. Damals wurden Regimegegner pauschal zu «Feinden des Islam» erklärt und verfolgt.

Von Revolutionsführer Khamenei gefördert

2016 ernannte Revolutionsführer Khamenei Raisi überraschend zum Leiter einer der wichtigsten iranischen Pilgerstätten in Mashhad. Ein Heiligtum, das gleichzeitig Zentrum eines Wirtschaftsimperiums ist. Beobachter spekulieren, dass Khamenei Raisi zu seinem Nachfolger aufbauen möchte.

Fünf Kandidaten im Rennen

Neben den beiden Favoriten Hassan Rohani und Ebrahim Raisi treten noch drei weitere Kandidaten zu den Präsidentschaftswahlen im Iran an:

Mostafa Agha Mirsalim: Der 1947 in Teheran geborene Professor an der Teheraner Amir-Kabir-Universität ist Kandidat des erzkonservativen Lagers. Zwischen 1994 und 1997 war er Kultusminister. Ihm werden bei der Wahl kaum Chancen eingeräumt.
Eshagh Dschahangiri: Der 1957 in Sirdschan im Südostiran geborene Politiker ist ein Reformer und seit August 2013 der Vize von Präsident Rohani. Viele Beobachter sehen ihn als Rohanis Nachfolger bei der übernächsten Präsidentenwahl im Jahr 2021.
Mostafa Hashemi-Taba: Der 1940 in Isfahan im Zentraliran geborene Reformer war schon unter Präsident Mohammad Khatami (1997-2005) als Vizepräsident im Amt. Er war lange Jahre Präsident des iranischen Olympiakomitees. Auch er zählt als Kandidat mit wenig Chancen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wahlkundgebung für den erzkonservativen Raisi in Teheran.

    Wahlen in Iran: Schliesst sich das Fenster zum Westen?

    Aus Echo der Zeit vom 17.5.2017

    Hassan Rohani will iranischer Präsident bleiben. Doch die Hardliner im Regime halten gar nichts von der Reformpolitik des moderaten Klerikers. Sie schicken den erzkonservativen Ebrahim Raisi ins Rennen - auch er ist ein Geistlicher. Aber von einem ganz anderen Schlag. Die Reportage aus Teheran.

    Iren Meier

  • Wahlveranstaltung von Rohani-Anhängern in Teheran.

    Präsidentenwahl Iran: Öffnung oder Abschottung?

    Aus Rendez-vous vom 16.5.2017

    Sechs Kandidaten traten ursprünglich zu den Präsidentschaftswahlen in Iran an. Nun sind es noch zwei am 19. Mai. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: Der Kleriker und amtierende Präsident Hassan Rohani und der Hardliner Ebhrahin Raisi. Die Reportage aus Teheran.

    Iren Meier