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International Edward Snowden will nach Hause

Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden will zurück in die USA, traut sich aber nicht. Denn in den USA warte auf ihn ein Leben im Gefängnis, sagte Snowden in seinem ersten Interview mit einem US-Fernsehsender.

Legende: Video Snowden im US-Sender NBC (engl.) abspielen. Laufzeit 6:38 Minuten.
Vom 29.05.2014.

Eine ganze Stunde, zur besten Sendezeit: Der renommierte US-Sender NBC bot dem flüchtigen «Whistleblower» Edward Snowden am Mittwochabend eine grosse Bühne. Der 30-Jährige verteidigte seine Sache in dem Interview sehr eloquent.

Er sei ein Patriot und möchte am liebsten wieder nach Hause, sagte der 30-Jährige im Interview. Allerdings erwarte ihn in den USA derzeit ein unfairer Prozess und ein Leben im Gefängnis. An eine Rückkehr sei unter diesen Umständen nicht zu denken. Laut NBC kam es bereits zur ersten Kontaktaufnahme seiner Verteidiger mit der Regierung.

Legende: Video Snowden ist kein kleiner IT-Experte (engl.) abspielen. Laufzeit 1:32 Minuten.
Vom 29.05.2014.

Zum Spion ausgebildet worden

Bevor Snowden die Überwachungspraktiken der USA publik gemacht habe, sei er im Ausland als verdeckter Ermittler für die US-Dienste CIA und NSA tätig gewesen, sagte Snowden in einem TV-Interview. Er sei zum Spion im traditionellen Sinne ausgebildet worden und habe nur als Deckmantel eine andere Tätigkeit ausgeübt.

«Wenn Kritiker sagen, dass ich nur ein einfacher System-Administrator bin, der nicht weiss, wovon er redet, dann ist das irgendwie irreführend», fügte er in dem Interview des US-Senders NBC hinzu.

«Es geht mir nicht um mein persönliches Schicksal»

Er sei ein Technik-Experte, der «für die USA Systeme zum Laufen gebracht habe». Zudem habe er Vorträge vor einer Akademie zur Spionageabwehr gehalten und dabei Methoden entwickelt, um für die Sicherheit von Informationen und US-Bürgern in einem feindlichen Umfeld zu sorgen.

Ihm gehe es nicht um sein persönliches Schicksal, sagte Snowden weiter. Ihm sei vielmehr wichtig, dass die US-Geheimdienstprogramme reformiert würden. «Ich tue das, um meinem Land zu dienen.» Nur deshalb habe er seine Familie und sein bequemes Leben aufgegeben. «Ich habe eine Menge Geld verdient für einen Typen ohne Schulabschluss.»

Keine Beziehungen zur russischen Regierung

Derzeit hat der Computerexperte politisches Asyl in Russland. Sein Visum laufe am 1. August aus und er werde eine Verlängerung beantragen, sagte er. Seine Flucht vor rund einem Jahr habe er allerdings nie in dem Land beenden wollen. Er sei eigentlich auf dem Weg nach Lateinamerika gewesen, als die USA seinen Reisepass für ungültig erklärt hätten.

Snowden betonte, keinerlei Beziehung zur russischen Regierung zu haben. Er habe niemals Kremlchef Wladimir Putin getroffen. Die Russen hätten auch keinen Nutzen von ihm, da er weder US-Geheimdienstmaterial mit nach Moskau genommen habe, noch in irgendeiner Weise auf die Dokumente zugreifen könne.

Kerry appelliert an Snowden

US-Aussenminister John Kerry hat Snowden vor laufender Kamera aufgefordert «seinen Mann zu stehen», in die USA zurückzukommen und sich dort der Justiz zu stellen. Dort könne er auch seine Kritik an den Überwachungen darlegen, sagte Kerry dem TV-Sender CBS. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Snowden sei ein Mann, der sein Land betrogen habe, so Kerry.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Die kleine 'Spionage' beginnt schon in der eigenen Nachbarschaft im Quartier.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Zum Fall Snowden nur eines, hier hat ein waches Gehirn und Gewissen, das viele andere Menschen ja auch besitzen, den Mut gehabt, diesen schamlosen US - Halunken ihre menschenverachtende Fratze der Welt aufzuzeigen. Dieselben Herren haben auch in unserem Lande ihre schmutzigen Finger im Spiel. Im 2.Weltkr. haben die Russen den Hitler besiegt und nicht die USA, diese sind dann mit der Nachhut in Frankreich nachgerückt, im Bombenwerfen gegen wehrlose Zivilisten waren sie führend. Dank an Snowden.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Besuchen Sie doch mal in der Normandie die amerikanischen Soldatenfriedhöfe, sprechen Sie mit überlebenden amerikanischen Teilnehmern der Invasion, denken Sie an die unzähligen Konvois nach Murmansk und Archangelsk.... Wenn Sie dann immer noch so daherreden, ist Ihnen nicht mehr zu helfen....
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    2. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Nur weil die Amis am D-Day gleich Batallionsweise in die paar MG-Stellungen gerannt sind, heisst das noch nicht, dass dies eine tolle Sache war. Eher ist das Gegenteil der Fall. Schon seit 1914 weiss man, dass man mit der Infanterie das MG nicht überrennen kann... Sie aber, Herr Buchmann, wollen aus diesem Fehler ein Heldenmythos basteln. Das war keine Heldentat. Das war eine Dummheit. Nicht mehr und nicht weniger. Die Friedhöfe zeugen von dieser Dummheit.
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    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Europa ist also damals von Dummköpfen befreit worden, die dies nur gemacht haben, damit sie uns nachher besser ausspionieren können? Sie haben eine wunderbare Logik beisammen, Herr Dreier! Russen, Amerikaner, Engländer, Franzosen und Angehörige vieler anderer Völker haben damals unter fürchterlichen Opfern Unglaubliches geleistet, und es ist mehr als schäbig, wenn Sie jetzt so daherreden!
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  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    Snowden hätte den Friedensnobelpreis verdient und jedes überwachte Land, müsste Snowden Asyl gewähren und für seine Sicherheit garantieren. Ferner müssten die Dokumente ausgewertet werden. Im Besitz des Snowden- Materials sind weltweit nur Glenn Greenwald und Laura Poitras. Einige Dokumente hält Snowden als Lebensversicherung zurück, falls ihm was zustösst, werden diese automatisch veröffentlicht. Snowden will die Weltbevölkerung vor Kriminalität schützen und wir schulden ihm eigentlich Dank.
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