Ein «Eigentor» für die Hooligans

Gegen 5000 gewaltbereite Fussball-Hooligans und Rechtsextreme demonstrierten in Köln gegen Salafismus. Dies, obwohl sie eigentlich untereinander verfeindet sind. Ist dies nun der Anfang einer neuen, rechtsgerichteten Massenbewegung?

Protestierende Hooligans in Köln. Im Vordergrund wirft einer ein Velo.

Bildlegende: Ausschreitungen bis in die Nacht: Krawallierende Hooligans in Köln. Reuters

Angekündigt war laut dem Veranstalter eine friedliche Demonstration gegen den Salafismus mit rund 1500 Teilnehmern aus der Hooligan-Szene. Am Sonntagnachmittag kamen aber gegen 5000 Fussball-Hooligans, Rockerbanden und andere Rechtsextreme nach Köln.

Bereits während dem Protestzug kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, die noch bis in die Nacht andauern sollten. 44 Polizisten wurden verletzt, 17 Personen vorübergehend festgenommen. Zudem erstattete die Polizei bislang 57 Strafanzeigen gegen Krawallanten.

Von rechtsextremer Organisation aufgewiegelt

Laut SRF-Korrespondent Casper Selg zeigen die Ausschreitungen ein bisher unbekanntes Phänomen: «Dass verfeindete Fussball-Schläger, die sich sonst immer gegenseitig verprügeln, jetzt plötzlich gemeinsam auf andere losgehen, ist neu.» Ein Zufall sei dies aber keinesfalls.

Zur Demonstration aufgerufen hatte eine Organisation namens «Pro NRW», eine Gruppe von Rechtsextremen, die Front gegen Moslems macht. Seit längerem stehe die Organisation in Kontakt mit Gesinnungsgenossen in der Fussball-Fanszene, so Selg: «Und weil Fussball-Hooligans kampfstarke Schlägerbanden sind, begann Pro NRW diese über das Internet gegen Salafisten aufzuwiegeln.» Und dies mit grösserem Erfolg, als es Polizei und Veranstalter selbst erwartet hätten.

Polizei: «Neue Dimension der Gewalt»

Hier zeige sich eine bedrohliche Entwicklung, wie Selg weiter ausführt: So sei die Hooligan-Szene mittlerweile sehr gross geworden. Laut Kritikern, weil man sich nie wagte, sie konsequent aus den Stadien rauszuschmeissen. «Wenn die Hooligans statt brutal gegeneinander jetzt plötzlich miteinander gegen bestimmte Menschengruppen brutal vorgehen, und dies gesteuert von rechtsextremen, faschistischen Politikern, dann steht Deutschland vor einem grösseren neuen Problem.» Auch die Kölner Polizei habe von einer neuen Dimension der Gewalt gesprochen.

Weniger dramatisch sieht dies Sportsoziologe Günter A. Pilz, ein Kenner der deutschen Hooligan-Szene. Er glaubt, dass sich in Köln zwar eine «temporäre Kampfgemeinschaft gegen einen gemeinsam Feind» zusammengeschlossen hat. Dass diese aber eine neue rechtsgerichtete «Massenbewegung» darstellt, glaubt er nicht. «Sie wird sich nicht lange halten können.» Zu unterschiedlich seien die Gruppierungen, zu oft suchten sie in der Vergangenheit untereinander Gewalt.

Wie Pilz zu SRF sagt, wollten die Hooligans mit der Demonstration ihre «gesellschaftliche Reputation» verbessern. Ein Blick in soziale Medien im Vorfeld der Veranstaltung habe gezeigt, dass viele mit dem Slogan «Hooligans gegen Salafisten» sympathisierten. Wenn eine bessere Reputation das Ziel war, hätten die Hooligans mit den Ausschreitungen aber ein «Eigentor» geschossen, so der Fanforscher. «Ihre Brachialgewalt hat ihre Maske heruntergerissen.»