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International «Ein korrupter Christ ist kein Christ – er stinkt!»

Papst Franziskus ist nach Neapel gereist, wo er nach einem Besuch der Camorra-Hochburg Scampia einmal mehr wortgewaltig Korruption und organisiertes Verbrechen geisselte. Auch schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse kritisierte er als unchristlich.

Papst Franziskus ist am Morgen einmal mehr in eine Region Italiens gereist, die im Würgegriff des organisierten Verbrechens steht. Nach dem Besuch eines Marienheiligtums bei der antiken Ausgrabungsstädte von Pompeji begab er sich nach Scampia. Das Armenviertel im Norden Neapels ist berüchtigt für seine blutigen Bandenkriege zwischen verschiedenen Clans der Camorra, des neapolitanischen Zweiges der Mafia.

«Das nennt man Sklaverei, das nennt man Ausbeutung»

Legende: Video «Franziskus nimmt beim Thema Mafia kein Blatt vor den Mund» abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.03.2015.

Vor den Hochhaussiedlungen des Vororts traf er mit der Bevölkerung sowie Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zusammen und hielt eine Rede, in der er seine schon mehrfach geäusserte Kritik an Korruption und organisiertem Verbrechen wiederholte: «Korruption stinkt, eine korrupte Gesellschaft stinkt, und ein Christ, der die Korruption in sich hinein lässt, ist kein Christ, er stinkt». Franziskus forderte Kirche und Gläubige auf, jede Nähe zu den Kriminellen zu vermeiden.

Der für sein soziales Engagement bekannte Argentinier wandte sich aber auch gegen informelle und schlecht bezahlte Arbeitsverhältnisse: «Das nennt man Sklaverei, das nennt man Ausbeutung, das ist nicht menschlich, das ist nicht christlich», sagte Franziskus.

Freiluftmesse und Gefängnisbesuch

Auf der Piazza del Plebiscito im Stadtzentrum Neapels zelebrierte das katholische Kirchenoberhaupt schliesslich eine Freiluftmesse mit 60'000 Gläubigen. Anschliessend besuchte Franziskus das drastisch überbelegte Gefängnis Poggioreale, wo er mit Häftlingen zu Mittag ass.

Dabei kritisierte er die Zustände in den italienischen Gefängnissen. Viel zu oft seien die Lebensbedingungen der Insassen unwürdig. Nach der Haft fehle es an Möglichkeiten, den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden, bemängelte Franziskus zudem. Den Häftlingen sprach Franziskus Mut zu. Gott verzeihe immer, wenn ein Mensch schlechte Taten aufrichtig bereue.

Die Sicherheitsvorkehrungen für den Papstbesuch in Neapel sind enorm. Laut der Lokalpresse sind 3000 Polizisten und Scharfschützen im Einsatz.

40 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner, Interlaken
    Gemessen an den 2000 Jahren Machtpolitik und zehn Bänden Kriminalgeschichte (gemessen nach Deschner), nehmen sich diese Versuche in Ethik und Moral geradezu putzig aus. Ich erwarte hier sehr viel mehr. Ökumene, Humanismus, Emanzipation, Kirchenverfassung, Aufhebung der Barriere zwischen Laien und Priestern, echte Caritas, Öffnung der Sakramente, Finanzielle Ehrlichkeit und Verantwortlichkeit. Doch halt, eigentlich erwarte ich gar nichts mehr von der Katholischen Kirche...
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      J.K./Wie wahr!Eine "Kriminalgeschichte"die an Hinterhältigkeit,Bosheit,Macht- und Geldstreben beispiellos ist.Einhergehend mit einer Brutalität und Grausamkeit,die ihresgleichen sucht.Das Allerschlimmste aber,sind die Langzeitfolgen geistiger Prägung.Mit Zuckerbrot und Peitsche sind ihre nach wie vor kriminellen"Erben"heute noch,am Werk.Lassen sich nur ungern,in's"Handwerk"pfuschen.Haben sie doch inzwischen erreicht,beinahe die ganze Bevölkerung des Planeten,in ihre"Bordelldienste"einzubinden.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      J.Klausner, A.Käser. Man kann über viele Dinge geteilter Meinung sein, auch über Religionen. Unsere Religionen sind soweit emanzipiert und vom Staat getrennt, dass jeder seine Meinung äussen kann. Das war ein wichtiger Schritt und ein harter Weg in der Entwicklung der christl. Religion. Die Menschen, die dafür gekämpft hatten, verdienen unseren allerhöchsten Respekt. Dass diese Entwicklung weiter geht, dafür sind wir gemeinsam verantwortlich. Sich abzuwenden bringt die Gesellschaft nicht weiter.
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  • Kommentar von Dr. Josef B. Brunner, 4104 Oberwil
    Sein grösstes Verdienst der Hinauswurf des engoischen Bischofs und Holocaust-Leugners Williamson. Wie kann man schon trotz der vielen Dokumente dies noch leugnen! Entweder spinnt dieser Mann oder er ist der Leibhaftige selber,
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Liebes SRF,gibt es einen Grund,wieso mein zweiter Kommentar,nicht aufgeschaltet wurde?Eigentlich stehen alle drei Kommentare zu diesem Thema,in Bezug zueinander.Schade um den"Wackelkontakt".Eine halbe Wahrheit ist auch eine Lüge.DAS PROBLEM(?)der Religionen?Lügen führen die Angelogenen in die Verirrung und Verwirrung.Erzeugen Zweifel und bewirken beim Angelogenen,Hass und Enttäuschung.Liegen darin,die meisten Übel unseres Planeten begründet?Genau mit dieser Strategie arbeitet ja auch die Mafia.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      2.Kom.)Solange Religionen die ewige Präsenz der menschlichen Seele nicht in ihren Verlautbarungen miteinbeziehen,laufen ihre dogmatischen Glaubenslehren in die Leere.Der Mensch existiert EWIG.Er ist Geist(Gottgleich).Leid empfindet er ausschliesslich in Divergenz zur Liebe.Die Raum-Zeit-Dimension,und die damit verbundenen Einschränkungen,spiegeln seinen Geist wieder.Dadurch werden Impulse empfangen.Bewirken Erkennung,Bekennung.Weg und Ziel sind eins.Einklang mit Liebe,ist Auflösung des Leides.
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