Ein Sammelbecken für Unzufriedene

Nur zwei Jahre nach ihrer Gründung ist die deutsche Partei AfD zu einer politischen Kraft geworden. Wer ist diese «Alternative für Deutschland»?

Lucke winkt vor einem blauen Hintergrund, dort steht «Mut zu Deutschland».

Bildlegende: AfD-Chef Bernd Lucke eilt von Wahlsieg zu Wahlsieg. Keystone

Die AfD ist vieles – und vor allem ist sie schwer zu fassen. Zu Beginn vor zwei Jahren war die «Alternative für Deutschland» eigentlich nur eines: eine Anti-Euro-Partei. Sie war das Sammelbecken all derer, die fanden, der Euro sei für Deutschland ein schlechtes Geschäft. Damit wurde sie aber sofort auch zur Hoffnungsträgerin aller EU-Gegner.

Keine Anti-EU-Partei – oder doch ein bisschen?

Doch eine Anti-EU-Partei ist die AfD offiziell nicht. Im Gegenteil: In ihrem Kern-Slogan «Mut zu Deutschland» ist das «eu» in Deutschland deutlich hervorgehoben und sogar mit den gelben EU-Sternen umgeben. Dies scheint ein klares Bekenntnis zur EU zu sein. Doch gleichzeitig wirbt man mit Slogans wie: «Brüssel den Belgiern» und macht damit Stimmung gegen die EU.

Die AfD spricht von Verständnis für Ausländer, die nach Deutschland kommen wollen. Sie plädiert sogar für mehr Zuwanderung. Aber nur für die Zuwanderung von hoch qualifizierten Fachkräften. Alle anderen sollen sich erst gut ausbilden, dann könne man weitersehen.

Komplexes auf einfache Formel reduzieren

Im Wahlkampf ging es dann aber vor allem hemdsärmelig gegen Asylsuchende. Das Motto «wir sind nicht das Sozialamt der Welt» klang ziemlich ähnlich wie der frühere Slogan «wir sind nicht das Welt-Sozialamt» der rechtsextremen NPD.

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Komplexe Themen auf einfache, süffige Formeln bringen ist die Masche der AfD: «Griechen verzweifeln, Deutsche bezahlen, Banken kassieren» etwa. Das klingt gut, stimmt aber nicht wirklich. Deutschland profitiert vom Euro bisher wesentlich mehr als es bezahlt.

Der Slogan zeigt auch, dass die AfD nicht nur Wähler rechts aussen anspricht. Mit ihrer Kritik an den Banken spricht sie auch Linke an. Und dies mit Erfolg: Am Wochenende flossen ihr von links fast gleich viele Stimmen zu wie von rechts.

Weniger Asylgesuche und mehr Polizei

Die AfD ist sicher nationalistisch, kämpft für Recht und Gesetz und für ein traditionelles Familienbild. Aber sie tut all das oben anders als unten. Die Parteiführung besteht aus Honoratioren. Ein Wirtschaftsprofessor und ein ehemaliger Präsident des Industrieverbandes BDI sind ihre gediegen und nüchtern auftretenden Spitzenleute. Sie verstehen sich als Liberale. Weiter unten in der Partei klingt es deutlich weniger gediegen und nüchtern, in gewissen Teilen gar nicht liberal.


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Was die AfD wirklich ist, muss sich erst noch weisen. Sie streitet intern selber noch darüber. Klar aber ist, wer ihre Wähler sind. Es sind Leute, welche den Euro nicht wollen, die weniger Asylsuchende und mehr Polizei wollen. Die AfD ist vorderhand vor allem ein sehr breites, bewusst nicht klar abgegrenztes Sammelbecken für Unzufriedene.