Ein Schritt hin zur Anerkennung der Aborigines

Mehr als 200 Jahre nach Ankunft der Briten in Australien sollen die Ureinwohner des fünften Kontinents als ursprüngliche Bewohner offiziell anerkennt werden. Noch immer sind die Aborigines gesellschaftlich und sozial benachteiligt.

Das australische Unterhaus hat die Ureinwohner des Landes offiziell zu den ersten Bewohnern Australiens erklärt. Der Gesetzesvorschlag passierte die Parlamentskammer einstimmig und soll nun im Oberhaus zur Abstimmung gestellt werden.

Dort gilt eine Zustimmung ebenfalls als sicher. Das Abstimmungsergebnis im Unterhaus sei in erster Linie eine Anerkennung des besonderen Status der Aborigines, sagt SRF-Korrespondent Urs Wälterlin. Diese hätten seit der Invasion der Briten vor über 200 Jahren «sehr gelitten – vor allem unter Rassismus mit all seinen Folgen», so Wälterlin weiter.

Die offizielle Anerkennung der Aborigines als erste Einwohner des Landes erfolgt genau fünf Jahre nach der Entschuldigung des früheren Regierungschefs Kevin Rudd. Er hatte bei den Ureinwohnern in der Vergangenheit begangenes Unrecht eingestanden.

Wichtiger Tag in der Geschichte Australiens

Es sei auch kein Zufall, dass die Abstimmung im Unterhaus gerade jetzt erfolgte, sagt der Australien-Korrespondent. Der Tag vor fünf Jahren sei in der Geschichte Australiens immer noch sehr wichtig.

Rudd entschuldigte sich damals im Namen der Nation vor allem bei der sogenannten gestohlenen Generationen: Das sind tausende Mischlinge, die den Eltern während Jahrzehnten mit Gewalt weggenommen wurden. Das Ziel: Sie in die weisse Gesellschaft einfügen, weil man dem Volk der Aborigines keine Überlebenschance im heutigen Australien einräumte. Insofern sei Rudds Entschuldigung eine Anerkennung des Leids dieser Menschen gewesen, sagt Wälterlin.

Auch das Volk muss zustimmen

Ursprünglich hatte die amtirerende Regierungschefin, Julia Gillard, eine Volksabstimmung zur Änderung der Verfassung und einer entsprechenden Anerkennung der Aborigines angestrebt. Wegen mangelnder öffentlicher Unterstützung legte sie die Idee dann aber auf Eis. Nun soll in einem Jahr ein neuer Versuch gestartet werden. Denn jeder Änderung der australischen Verfassung muss das Volk zustimmen.

Entscheidend, aber auch schwierig dürfte die Formulierung des neuen Verfassungsartikels werden, ist Wälterlin überzeugt. Denn in der australischen Bevölkerung herrsche die Meinung vor, man sollte keiner Volksgruppe einen Sonderstatus einräumen.

Aborigines oftmals stark benachteiligt

Erst 1967 wurden die Aborigines mit einem Referendum zu gleichwertigen Bürgern erklärt. «Zuvor lebten sie unter institutionalisiertem Rassismus», sagt Wälterlin. Und bis 1992 herrschte das Prinzip vor, Australien sei vor der Ankunft der Briten ein Niemandsland gewesen.

Aborigines sitzen vor ihrer Behausung.

Bildlegende: Die australischen Ureinwohner sind noch heute benachteiligt, viele von ihnen leben in grosser Armut. Keystone

Noch heute gelten die Ureinwohner als die am meisten benachteiligte Bevölkerungsgruppe des 5. Kontinents. Beispielsweise haben sie eine geringere Lebenserwartung und die Kindersterblichkeit ist bei den Aborigines höher als im Durchschnitt.

Bei der Ankunft der ersten britischen Siedler im Jahr 1788 sollen in Australien etwa eine Million Aborigines gelebt haben. Heute beträgt ihre Zahl nur noch 470'000. In Australien leben insgesamt 22 Millionen Menschen.