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Analyse zu Macrons Wahl Ein Sieg gegen schwache Gegner

Emmanuel Macron ist der Sieger in Frankreich. So deutlich das Resultat der Stichwahl gegen Marine Le Pen ist – der Kampf um die Macht in Frankreich ist noch nicht entschieden. Dafür braucht es eine Mehrheit im Parlament, das im Juni gewählt wird. Eine Analyse von SRF-Auslandredaktor Daniel Voll.

Macron-Anhänger mit Fahnen vor dem Louvre.
Legende: Vor dem Louvre wird gefeiert: Macron-Anhänger jubeln dem neuen Staatspräsidenten Frankreichs zu. Keystone

Noch keine 40 Jahre alt – Emmanuel Macron ist der jüngste Präsident der neueren französischen Geschichte. Vor einem Jahr hätte kaum jemand auf ihn gewettet.

Macron hat von der Schwäche der traditionellen Parteien profitiert, die Frankreich in den letzten 60 Jahren dominierten. Die Linke ist nach fünf Jahren unter dem glücklosen Präsidenten François Hollande ausgelaugt und gespalten. Die Rechte wird angeführt von einem Kandidaten, der mit seinen Finanzaffären ein klassischer Vertreter des politischen Milieus ist.

Jeder Zehnte warf leer ein

Das Wahlresultat zeigt auch: Der Unmut über die Politikerinnen und Politiker ist in Frankreich gross. Die Stimmbeteiligung ist mit 75 Prozent so tief wie in keiner Stichwahl seit 38 Jahren. Über 11 Prozent leere und ungültige Stimmzettel illustrieren, dass sich viele Wählerinnen und Wähler mit der Auswahl schwer taten.

Dabei war der Kontrast zwischen den beiden Kandidaten so scharf wie selten: Da die Nationalistin Marine Le Pen, die polarisiert, dort der überzeugte Europäer Emmanuel Macron, der mit seiner Bewegung «En Marche!» politisch neue Wege zwischen Links und Rechts suchen will. So gesehen könnte man das Wahlresultat auch als französisches Votum für die Europäische Union lesen. Deutlicher als das knappe Ja Frankreichs zum Vertrag von Maastricht vor 25 Jahren.

Le Pens Kampfansage

Das Glanzresultat in der Stichwahl verdankt Emmanuel Macron auch seiner Gegnerin Marine Le Pen. Der Front National ist in Frankreich weiterhin nicht mehrheitsfähig. Aber er rückt vor: Im Vergleich zu Vater Jean-Marie Le Pen vor 15 Jahren hat Tochter Marine doppelt so viele Stimmen gewonnen. Und sie greift weiter an, will im neuen Parlament Oppositionsführerin werden. Das ist zuerst eine Kampfansage an die traditionelle Rechtspartei, die Republikaner.

Denn am 18. Juni wählt Frankreich das neue Parlament. Und dort ist alles offen. Emmanuel Macron ist für einen Wandel angetreten. Wenn er mit seiner Bewegung «En Marche!» im neuen Parlament eine Mehrheit finden will, bleiben ihm knapp sechs Wochen. Dies wird ihm kaum gelingen, und der neue Präsident wird beweisen müssen, dass er tatsächlich das Talent zum Brückenbauer zwischen Links und Rechts hat.

Die 5 jüngsten Staatsoberhäupter Frankreichs

Name
Alter bei Amtsantritt
Jahr
Napoléon I.34
1804
Emmanuel Macron
39
2017
Louis
Napoléon Bonaparte
40
1848
Marie François Sadi Carnot
41
1887
Napoléon III.
44
1852

Daniel Voll

Daniel Voll

Daniel Voll arbeitete für SRF zunächst als Wirtschaftsredaktor und Korrespondent für die EU und Frankreich. Später war es als Auslandredaktor tätig. Derzeit ist der Korrespondent in Frankreich.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich glaube, dass es vor allem seine Frau (seine ex Lehrerin) ist, die hier die Wahl gewonnen hat. Macron ist bloss der bildliche Präsident. Frau Macron jedoch hat die ganze Wahlkampagne sehr gut geführt. Eigentlich ist das ja egal! sie darf das! Vielleicht gelingt es ihr ja, die Franzosen so zu behandeln wie Franzosen behandelt werden möchten. Um "Präsident" zu sein, muss man ja nicht persönlich in der Öffentlichkeit auftreten. Man kann auch jemanden als Sprachrohr auf die Bühne senden.
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  • Kommentar von Frank Henchler (Fränki)
    Gratulation Frankreich. Der 1. Schritt ist gemacht. Ich traue den Franzosen einen ähnlichen Weg zu, den Deutschland bestritten hat. Der neue Präsident hat Charisma, ist eloquent, aber was am Wichtigsten ist, dass er eine glaubhafte Vision für Frankreich und Europa hat.
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Bei etwa gut 10% leren/ungültigen Stimmzetteln und etwa 34% für le Pen wären total bei den Parlamentswahlen bereits 45% der Franzosen nicht für Macron. Bei der von Macron versprochenen Liberalisierung des Arbeitsmarkts dürfte noch weitere Nichtmacronen von Seiten der Gewerkschaften dazu kommen. Der 18 Juni kann knapp werden, der Artikel hat recht.
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