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Griechen in der Schuldenfalle Ein Teufelskreis aus Steuererhöhungen

Die Griechenland-Gespräche gehen diese Tage in die nächste Runde. Das Land soll Steuern erhöhen, um höhere Einnahmen zu machen, finden die europäischen Gläubiger. Vor Ort führt das zu einem gefährlichen Teufelskreis.

Legende: Audio «Es ist unmöglich, alle geschuldeten Steuern zu begleichen» abspielen. Laufzeit 7:12 Minuten.
7:12 min, aus Rendez-vous vom 19.04.2017.

Der Cube – also der Würfel – ist eine kleine Bürogemeinschaft im Herzen Athens. In kleinen Büros arbeiten hier ausschliesslich junge Leute, die eben erst eine Firma gegründet haben. Einer von ihnen ist der 30-jährige Giórgos Siátras.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner hat Siátras eine Marktlücke entdeckt: individuelle Bootstouren für Touristen. Per Mausklick können seine Kunden Tagesausflüge an paradiesische Strände in Griechenland buchen.

«Wenn die Einkommen sinken, steigt die Steuerhinterziehung»

Das Geschäft laufe gut, sagt er. Der Tourismus sei zurzeit das einzige, was in Griechenland wirklich funktioniere. Frei von Klagen ist er aber trotzdem nicht. Siátras: «Wir müssen extrem hohe Steuern zahlen. Es ist unmöglich, alle geschuldeten Steuern zu begleichen.»

Wenn die Einkommen sinken, steigt die Steuerhinterziehung, und wenn der Steuersatz steigt, steigt die Steuerhinterziehung noch weiter.
Autor: Thodorís GeorgakópoulosLeiter eines Think Thanks

Dieses Lied hört man in Griechenland landauf landab – überall und von fast jedem. Beispielsweise Thodorís Georgakópoulos. Er leitet einen von Unternehmern finanzierten Think Tank. Das Land sei seit Jahren in einem Teufelskreis gefangen. «Wenn die Einkommen sinken, steigt die Steuerhinterziehung und wenn der Steuersatz steigt, steigt die Steuerhinterziehung noch weiter.»

Die Folgen seien gravierend. Der Staat verlierefast einen Drittelt seiner Steuereinnahmen durch Hinterziehung. Statt etwa 66 nimmt der Staat nur 50 Milliarden Euro ein. Georgakopoulos errechnet nicht nur den Verlust, sondern macht auch Vorschläge, wie es Griechenland besser machen könnte: «Steuergesetze müssen strikt umgesetzt und Hinterzieher härter bestraft werden.»

Gutscheine statt Geld

Es brauche aber auch mehr und besser ausgebildete Steuerkommissare. Gleichzeitig müsse die Regierung gewisse Steuern senken. Denn Steuergerechtigkeit und Wachstum könne es in Griechenland nur geben, wenn es gelinge, aus dem Leerlauf von Steuererhöhungen und Steuerhinterziehung auszubrechen.

Unternehmen zahlen ihre Angestellten nicht mehr nur mit Geld, sondern auch mit Gutscheinen für Supermärkte oder Restaurants.
Autor: Dimitrís KarageorgópoulosGewerkschafter

Doch noch sind die ehrlichen Steuerzahler selten. Das zeigt auch ein Besuch bei Gewerkschafter Dimitrís Karageorgópoulos. Er erzählt von einem Trick, den Firmen neuerdings anwendeten: «Firmen zahlen ihre Angestellten nicht mehr nur mit Geld, sondern auch mit Gutscheinen für Supermärkte oder Restaurants.»

Diese Gutscheine aber tauchten in keiner Abrechnung auf, auf sie zahle niemand Steuern oder Abgaben. Eine illegale Praxis, die um sich greife. «Wir schätzen, dass in ganz Griechenland 70'000 Personen ihren Lohn oder zumindest einen Teil davon als Gutscheine erhalten.» Tendenz steigend.

Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktorin Maren Peters

Weitere Steuererhöhungen in Griechenland können kaum funktionieren. Die Lage in Griechenland ist seit Jahren kompliziert: Das Land ist hochverschuldet und kann ohne Kredite der internationalen Gläubiger nicht überleben. Die Gläubiger fordern als Gegenleistung für Kredite unter anderem höheren Steuereinnahmen. Weil aber rund die Hälfte der Griechen aufgrund hoher Freibeträge gar keine Einkommenssteuern zahlt und viele Steuerschulden nicht eingetrieben werden, kommt nicht genug Geld in die Staatskassen.

Der Staat muss daher die Steuern immer weiter erhöhen und die wenigen Griechen, die Steuern bezahlen, müssen immer mehr berappen. Das erschwert privatwirtschaftliche Initiativen, bremst den Konsum und belastet das Wachstum. Im Moment wird wieder intensiv über die Frage diskutiert, wie Griechenland aus dem Schulden kommen soll. Eine klare Antwort gibt es nicht. Griechenland ist mit 180 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet – das ist gigantisch viel.

Der IWF ist der Meinung, dass Griechenland zwingend weitere Schuldenerleichterungen braucht, um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Durch Wirtschaftswachstum alleine sei das nicht zu schaffen. Die europäischen Gläubiger auf der anderen Seite sehen das ganz anders: Sie prognostizieren, dass Griechenland ab dem nächsten Jahr wieder hohe Haushaltsüberschüsse erzielen kann, auch durch hohe Steuereinnahmen. Viele Ökonomen halten diese Annahme aber für ziemlich unrealistisch.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Bojan Antonović (Bojan Antonović)
    Die Lösung steht ja: effizientere Steuereintreibung. Steuererhöhung ist nur eine Notlösung, und soll niedrigste Priorität haben. Der Köningsweg ist natürliches Wirtschaftswachstum durch einen effizienteren Staat: Bürokratie, Gerichte, etc. Ich weiss, das Serbien darunter leidet, obwohl es besser ist als auch schon.
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    So geht die EU mit den Menschen in ihren Mitgliedstaaten um. Der EURO ist das Problem und wird von der EU noch immer gestützt. Undemokratische Wirtschaftstheorien unterwerfen die Menschen in der EU Herrn Markt und Frau Wirtschaft. So haben sich die Gründerväter der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft das nicht vorgestellt. Nur eine EFTA 2.0 mit nationalen Währungsräumen kann dieses Problem lösen und die Menschen befreien.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber überhaupt nicht nachvollziehbar ist auch, dass z. B. die EZB Griechenland immer Kredite gibt, um alte Kredite von der EZB an die EZB zurück zahlen zu können. Absoluter Irrsinn. Einziges Mittel ist, diese Kredite "einzufrieren" Wirtschaftswachstum fördern, damit die Arbeitslosigkeit gesenkt werden kann. Menschen in Lohn & Brot zahlen dann ja auch Steuern. Und dringend abgeschafft gehören die vielen Auflagen an kleinere Gewerbetreibende aus Brüssel. Sie haben viele Kleinunternehmen ruiniert.
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  • Kommentar von Rainer Fauser (Rainer Fauser)
    Die Reeder, oft Miliardäre, sind steuerbefreit.
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