Ein trauriges Jahr für Journalisten

Wer 2015 als Reporter in Konfliktregionen unterwegs war, lebte gefährlich. Weltweit sind laut der Organisation Reporter ohne Grenzen 67 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Oftmals sind es lokale Berichterstatter, die ihr Leben riskieren.

Zwei Männer halten ein Schild von Reporter ohne Grenzen.

Bildlegende: Laut Bettina Büsser von Reporter ohne Grenzen, handeln die meisten Journalisten sehr vorsichtig. Keystone

2015 war ein blutiges Jahr für den Journalismus. Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) wurden weltweit 110 Journalisten getötet. Mindestens 67 von ihnen und damit einer mehr als im Vorjahr wurden gezielt wegen ihrer Arbeit umgebracht. In den übrigen Fällen seien die Tatmotive nicht eindeutig geklärt, teilte Reporter ohne Grenzen mit. Darüber hinaus seien im vergangenen Jahr 25 Bürgerjournalisten und sieben Medienmitarbeiter getötet worden.

«  Es ist nicht so, dass dauernd irgendwelche komischen Typen mit Helmen oder kugelsicheren Westen durch die Gegend laufen. »

Bettina Büsser
Reporter ohne Grenzen Schweiz

Für Bettina Büsser von ROG Schweiz ist klar, dass 2015 ein schwieriges Jahr für Reporter war. Sie verweist aber darauf, dass es schon schlimmere Phasen gab. So wurden 2012 88 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet.

Dass die Berichterstatter bei der Jagd auf gute Bilder oder Geschichten zu viel riskieren, glaubt Büsser nicht: «Es ist nicht so, dass dauernd irgendwelche komischen Typen mit Helmen oder kugelsicheren Westen durch die Gegend laufen.» Die meisten Journalisten seien sehr gut vorbereitet und würden ihr Berichterstattungsgebiet gut kennen. Büsser nennt Kriegsreporter wie Kurt Pelda oder Ulrich Tilgner, die genau wüssten, wem sie vertrauen könnten und auch mal eine Reise nicht antreten würden. «Der Mythos von den wilden Journalisten, die von Konfliktgebiet zu Konfliktgebiet reisen, stimmt so nicht ganz.»

Vor allem lokale Journalisten und Blogger gefährdet

Die gefährlichsten Länder sind dem ROG-Bericht zufolge weiterhin Irak und Syrien, wo jeweils mindestens neun Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden seien. In der irakischen Stadt Mossul, welche von der Terrormiliz IS kontrolliert wird, ist die Lage besonders prekär: 13 Journalisten wurden hingerichtet und 48 weitere entführt. Hier handle es sich vor allem um einheimische Berichterstatter und Blogger, die ihr Leben aufs Spiel setzten, erklärt Büsser.

Dass lokale Journalisten und Blogger die Welt über der Situation in ihrer Heimat informierten sei wichtig. «Die Welt braucht Informationen über Konflikte und Kriege. Wir müssen erschrecken und sagen, dass gehandelt werden muss», so die freie Journalistin.

UNO-Sonderberichterstatter gefordert

Der Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» im Januar in Paris hat gezeigt, dass die Pressefreiheit nicht nur im Nahen Osten massiv angegriffen wurde. Fast zwei Drittel der Todesfälle von Journalisten sind laut dem ROG-Bericht ausserhalb von Kriegsgebieten registriert worden. In Ländern wie Mexiko und Indien geraten Journalisten in Lebensgefahr, wenn sie über das organisierte Verbrechen und dessen Verbindung zur Politik berichten.

Zur Einschränkung der Gewalt gegen Presseleute fordert Reporter ohne Grenzen, dass ein UNO-Sonderberichterstatter für das Thema «Journalisten in Gefahr» eingesetzt wird. Ein solcher Posten würde die Thematik vermehrt in die Öffentlichkeit schaffen. Obschon ein solcher Berichterstatter die Gewaltausübung nicht direkt verhindern könne, ist Bettina Büsser von seiner Wichtigkeit überzeugt: «Wenn niemand zur Kenntnis nimmt, dass Journalisten getötet werden, und wenn in einem Land Journalisten umgebracht werden können, ohne dass Druck ausgeübt wird, wird sich auch nie etwas ändern.»

Eine traurige Jahresbilanz

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