Ein unerhörter Vorgang: Obama kritisiert die Saudis

Lange Jahre schon sind die USA und Saudi-Arabien strategische Partner. Gemeinsame Interessen und Feinde schweissen das ungleiche Duo zusammen. Im Pulverfass Nahost zündeln die Saudis jedoch kräftig mit – zum Unmut des US-Präsidenten.

US-Präsident Obama mit dem saudischen Prinzen und Innenminister Mohammend bin Nayef im Oval Office (13.5.15)

Bildlegende: Schwierige Partnerschaft: Für Obama ziehen die USA und die Saudis in Nahost nicht immer am gleichen Strang. Reuters/ARCHIV

US-Präsident Barack Obama ist enttäuscht von Saudi-Arabien. Das deutete er jedenfalls in einem ausführlichen Interview in der Zeitschrift «Atlantic» an. Das Königreich mache zu wenig im Kampf gegen den Terrorismus und profitiere als Trittbrettfahrer vom Einsatz der USA in der Region.

Diese Kritik sei erstaunlich, sagt Nahostexperte As'ad Abukhalil, Professor für Politologie der California University:«Obama hat Saudi-Arabien kritisiert wie es seit Beginn der strategischen Freundschaft 1945 noch kein amtierender US-Präsident gemacht hat.» Meistens warteten Präsidenten, bis sie abtreten würden, um Saudi-Arabien zu kritisieren. «Seine Äusserungen haben die Saudis zutiefst verletzt», schliesst der Nahostexperte.

Saudis reagieren pikiert

Saudi-Arabien hat denn auch reagiert: Vor wenigen Tagen drohte Riad in der «New York Times», alle seine US-Wertpapiere zu verkaufen, falls ein Gesetz im Kongress durchkommt, das es Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 erlaubt, gegen Mitglieder der Regierung Saudi-Arabiens zu klagen. Abukhalil meint dazu: «Auch die Art, wie Saudi-Arabien mit den USA umspringt ist aussergewöhnlich. Obama muss deshalb die Beziehungen kitten.»

Zwist mit Ankündigung

Die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien sind schon seit längerem belastet. Als die USA zuliessen, dass der ägyptische Diktator Hosni Mubarak von der Macht verdrängt wurde, war das ein Signal für die herrschende Familie in Riad: Auch sie könnte den Rückhalt der USA verlieren, käme es zu Unruhen in ihrem Land. Zu den Spannungen beigetragen hat ausserdem das Atomabrüstungsabkommen mit dem Iran. Riad fürchtet, dass dies den regionalen Erzfeind stärkt.

Jüngst sind auch Vorstösse im amerikanischen Kongress eingereicht worden, die Saudi-Arabien kritisieren. So soll ein Gesetz den Export gewisser Waffenkategorien nach Saudi-Arabien verbieten, wegen den zivilen Opfern im Konflikt in Jemen.

Bei aller Kritik: Die Partnerschaft reicht tief

Trotz aller Reibereien: Die strategische Freundschaft ist im Interesse beider Länder. Tom Lippman vom Think Tank Middle East Institute meint: «Die Saudis arbeiten in vielen Fragen mit uns zusammen. Sie sind die einzigen, die Ägypten finanziell stützen. Ihr Öl ist immer noch wichtig für unsere Alliierten in Europa und Japan. Die Saudis gehen gegen den IS vor und sie sind ein regionales Gegengewicht dar zu Iran.» Deshalb lohne es sich für die USA, mit den Saudis ein gutes Verhältnis zu haben.

Bestens vernetzt mit der US-Elite

Zwar nehmen die Spannungen zu, doch auch Nahostexperte Abukhalil glaubt nicht, das die Beziehungen kurz vor dem Abbruch stehen. Zu eng verwoben seien die Saudis mit den amerikanischen Kongressmitgliedern.

«Die Saudis umgarnen viele Kongressmitglieder, spenden viel Geld, etwa an Think Tanks und die Clinton Foundation. Auch Frau Clinton hat ein gutes Verhältnis zu ihnen. Es gibt wenig Anzeichen, dass es ein echtes Umdenken geben wird in den Beziehungen zu Saudi-Arabien.» Auch wenn immer mehr Stimmen in den USA die speziellen Beziehungen zu Riad in Frage stellen.

Zum Auftakt seiner Reise in den Nahen Osten und Europa ist US-Präsident Obama in Riad eingetroffen. Dort will er sich heute mit König Salman treffen. Im Zentrum des Gespräches wird das zerrüttete Verhältnis des sunnitischen Königreichs zu seinem schiitischen Nachbarn Iran stehen. Auch über den Kampf gegen den IS wollen die beiden sprechen.