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International «Ein Vergeltungsschlag gegen die Hisbollah»

Dutzende Zivilisten sterben, viele mehr wurden verletzt: Der mutmasslich von der Terrormiliz IS ausgeführte Doppelanschlag in Beirut hatte verheerende Wirkung. Für Nahost-Expertin Astrid Frefel ist klar: Die Terrormiliz will sich mit dem Blutbad am Erzfeind Hisbollah rächen.

Legende: Video Nach Doppelanschlag: Chaos in Beirut (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 12.11.2015.

SRF News: Was will der IS mit dem Anschlag erreichen?

Astrid Frefel: Für die Terrormiliz IS ist dieser Anschlag im schiitischen Süden von Beirut ein Vergeltungsschlag gegen die Hisbollah mit ihrem Engagement in Syrien. Er war auch so angelegt, dass möglichst viele Menschen dabei getötet werden. Hisbollah unterstützt in Syrien mit Tausenden von Kämpfern das Assad-Regime.

Seit Russland mit den Luftschlägen gegen den IS begonnen hat, haben auch die Hisbollah und mit ihr verbündete iranische Truppen den Kampf gegen sunnitische Rebellen noch einmal verstärkt. Auch gegen den IS. Für die Terrormiliz ist Libanon eine Front, auf der man die Hisbollah angreifen kann.

Wird die Lage in Libanon jetzt instabiler?

Der Konflikt in Syrien ist immer wieder auf Libanon übergeschwappt. Es gab wiederholt Anschläge. Das war jetzt allerdings einer der schlimmsten. Die wichtigsten Gruppierungen in Libanon – die Schiiten und Sunniten – stehen im syrischen Bürgerkrieg auf verschiedenen Seiten. Das führt auch zu einer latenten Spannung und einer permanenten politischen Lähmung in Libanon. Bis jetzt war es aber der Syrien-Konflikt, der importiert wurde und nicht etwa ein libanesischer Konflikt. Die Gruppierungen haben sich bislang nicht direkt bekämpft.

Das war auch beim neuesten Anschlag so: Es waren nicht libanesische Salafisten, sondern der IS. Die Attentäter waren auch keine Libanesen, sondern Palästinenser und Syrer. Wenn sich der Krieg in Syrien aber intensiviert, steigt die Gefahr, dass es in Libanon zu direkten Konfrontationen kommt.

Das Gespräch führte Tina Herren.

Astrid Frefel

Portrait von Astrid Frefel

Die Journalistin lebt und arbeitet seit Ende der Neunzigerjahre in Kairo. Davor war die Ökonomin aus Basel Wirtschaftsjournalistin für verschiedene Zeitungen und berichtete als Korrespondentin für den «Tages-Anzeiger» aus Wien und Istanbul.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Nun wird auch der Libanon in das schreckliche Geschehen hineingezogen. Die Bombenanschläge werden wieder viele Menschen zur Flucht aus diesem neuen Krisenherd bewegen. Schade um die schöne Stadt Beirut - einst das Paris des Ostens genannt - die ich in den 70ern anlässlich einer Gruppenreise besuchte. Besonders in Erinnerung bleibt mir der nächtliche Schlummertrunk draussen, umgeben von einer märchenhaft beleuchteten Häuserfassade. -- Und nun das! Unglaublich!
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Wer ist Gessler und wer ist Tell hier?
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Röthenmund: Also Gessler ähm, also Tell - also lassen wir das mal beiseite, es gehört eh hier nicht hin. - Hier gab es einen Anschlag mit Toten in Beirut. Also in Beirut und eben nicht in Paris. Wenn man nun will, kann man doch einige Vergleiche anstellen. zB. wie die mediale Bearbeitung Abhandlung usw. etc. - Und glauben Sie mir, auch das sagt etwas aus über diese sog. Multi-Kulti-Gesellschaft.
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  • Kommentar von Nicole Rickenmann (NR)
    Das Bild, dass sich gestern bot, war schlimm. Für einen Moment stand fast alles still. Alle sammelten sich irgendwo um die Fernseher herum. Jeder der jemanden in der Nähe vom Anschlag vermutete, hing am Telefon und hoffte, dass die gesuchte Person endlich ans Handy geht. Erinnerungen an ehemalige Anschläge kamen hoch. Die Ohnmacht denen gegenüber die diese abscheulichen Taten ausüben ist erdrückend.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Das muss grauenhaft sein - selber das "Ergebnis" eines Anschlages zu erleben. Die feigen Täter und Hintermänner werden immer wieder durch noch stärkere, feigere und v.a. reiche und mächtige Hintermänner gestützt. Beirut war einmal eine bunte, fröhliche und pulsierende Stadt, "Paris des Nahen Ostens". Die Welt ist aus den Fugen - nicht nur in Beirut. Es bleibt eine grosse Verunsicherung zurück. Die ganze Welt schaut auf den Nahen und Mittleren Osten- verletzt und radikalisiert durch viele Kriege.
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