Eine Eismauer um Fukushima – reine Imagepflege?

Die japanische Regierung greift in die Aufräumarbeiten in Fukushima ein. Für über 400 Millionen Franken will sie im Erdreich eine Mauer aus Eis bauen lassen. Erprobt ist diese Methode nicht. Sie dient aber der Imagepflege, sagt SRF-Korrespondent Urs Morf.

Arbeiter in Schutzanzügen stehen vor grossen, blauen, runden Containern

Bildlegende: Die japanische Regierung setzt auf die Hilfe von Väterchen Frost: Gefrorene Erde soll das kontaminierte Wasser stoppen. Keystone

Die Probleme in der Atomruine können nach den Worten von Regierungschef Shinzo Abe nicht mehr länger allein dem Atomkonzern Tepco überlassen werden. Da Tepco dafür kein Geld habe, müsse die Regierung jetzt einspringen, hiess es.

Unter anderem könnte mit Steuergeldern ein geplanter 1,4 Kilometer langer Schutzwall aus gefrorenem Erdreich um die Reaktoren 1 bis 4 finanziert werden. Das beispiellose Bauwerk soll verhindern, dass weiteres Grundwasser in die undichten Reaktorgebäude eindringt.

Diese Idee allerdings, sagt SRF-Japankorrespondent Urs Morf, sei noch nicht wirklich erprobt: «Bisher wurde diese Methode nur beim Bau von U-Bahnen oder anderen Tunneln angewendet. Dort geht es jeweils darum, kurze Tunnelstücke über kurze Zeit hinweg vor einfliessendem Grundwasser zu schützen.»

Doch in Fukushima solle die ganze Atomruine mit einer Eismauer umgeben werden. «Sie müsste über Jahrzehnte tiefgefroren bleiben. Was das an Energie kostet und wie diese Energie produziert wird, das ist alles völlig offen.»

Wieso ausgerechnet jetzt?

Dass die Regierung ausgerechnet jetzt eingreift, erklärt SRF-Korrespondent Morf so: «Am nächsten Wochenende entscheidet das olympische Komitee, ob Tokio oder eine andere Stadt die olympischen Sommerspiele 2020 erhält.»

Offensichtlich sei die japanische Regierung nun besorgt, dass sie wegen der Nicht-Bewältigung der Atomkatastrophe die Spiele nicht erhalte. «Die Regierung versucht jetzt, ihr Image schnell aufzupolieren.»

«Kläranlage» funktioniert nicht richtig

Das dürfte allerdings schwierig werden, denn bis jetzt haben sich schon verseuchte Wassermassen angesammelt, die reichen würden, um 130 olympische Schwimmbecken zu füllen. «Es gibt keine wirksame Kläranlage. Es gab einen Versuch mit einer Methode, mit der man radioaktives Wasser weitgehend dekontaminieren kann.» Aber diese Kläranlage stehe nun seit Monaten still. Beim Betrieb sei es immer wieder zu grossen Pannen gekommen, sagt Morf.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Regierung Japans übernimmt im Fukushima-Drama

    Aus Tagesschau vom 3.9.2013

    Durch die Kühlung der geschmolzenen Reaktor-Kerne in Fukushima fallen täglich 400 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser an. Die Tanks lecken aber regelmässig, wodurch tödliches Wasser austritt. Jetzt greift die Regierung Japans mit über 400 Millionen Franken ein.

  • AKW-Desaster

    Aus Tagesschau vom 3.9.2013

    Auf dem Gelände des Atomkraftwerks von Fukushima tritt verseuchtes Wasser in grossen Mengen aus, teilweise wurden gar tödliche Strahlungen gemessen. Die Betreibergesellschaft Tepco bekommt die Lecks nicht in den Griff. Nun schaltet sich Japans Regierung ein. Eine halbe Milliarde Franken will sie investieren, um den Katastrophen-Reaktor unter Kontrolle zu bringen.

  • Mitglieder einer Regierungsbehörde inspizieren am 23. August Wassertanks im AKW Fukushima.

    Fukushima: Jetzt reagieren die Behörden

    Aus Rendez-vous vom 3.9.2013

    Die japanische Regierung unterstützt Tepco mit 440 Millionen Franken, damit die Betreiberin des AKW Fukushima besser gegen das radioaktive Wasser vorgehen kann, das aus lecken Tanks ins Grundwasser fliesst. Warum greift die japanische Regierung gerade jetzt ein?

    Urs Morf