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International Eiszeit zwischen Washington und Moskau

Die USA haben die Gespräche mit Russland über einen Waffenstillstand für Syrien eingestellt. Washington wirft Moskau und Damaskus vor, die Angriffe auf Zivilisten verstärkt zu haben. Russland schiebt die Verantwortung für das Scheitern an die USA zurück.

Kerry und Lawrow
Legende: Die Zeit der Einigkeit punkto Syrien ist schon lange vorbei: John Kerry und Sergei Lawrow. Reuters

Seit dem Ende des Waffenstillstands nach dem Angriff auf einen UNO-Hilfskonvoi Mitte September versinkt Syrien noch einmal tiefer im Kriegschaos. Insbesondere die Angriffe auf Aleppo wurden von Assads Truppen – unterstützt von Russland – ohne Rücksicht auf zivile Verluste intensiviert.

Seither warnten die USA Russland mehrfach, dadurch künftige Gespräche für eine Waffenruhe in Syrien zu gefährden. Zuletzt versuchte Frankreich am Wochenende, mittels einer neuen UNO-Resolution vor allem für das heftig umkämpfte Aleppo eine Feuerpause zu erwirken.

Zu viele Angriffe auf zivile Ziele

Doch nun scheint der Patient, der laut US-Aussenminister John Kerry am vergangenen Samstag noch «auf der Intensivstation – aber noch nicht tot» war, gestorben zu sein. Die USA stellen die Gespräche mit Russland über einen Waffenstillstand ein.

Es sei keine Entscheidung, die «leichtfertig getroffen wurde», betonte der Sprecher des US-Aussenministeriums, John Kirby. Er warf Moskau und der Regierung Assad vor, die Angriffe auf zivile Ziele verstärkt zu haben. Insbesondere in Aleppo waren in den vergangenen Tagen wiederholt auch Spitäler aus der Luft angegriffen worden.

Retourkutsche aus dem Kreml

Russland seinerseits macht die USA für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich. Washington habe das Abkommen vom September nicht erfüllt, sagte die Sprecherin des Aussenministeriums am russischen Staatsfernsehen.

Die syrischen Regierungstruppen hatten mit Unterstützung der russischen Luftwaffe vor zwei Wochen eine Offensive zur Rückeroberung der teilweise von Rebellen gehaltenen Stadt gestartet. Zuvor hatte die syrische Armee eine zwischen den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe aufgekündigt.

Eine Serie von Gesprächen zwischen US-Aussenminister John Kerry und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow über eine mögliche Wiederbelebung der Feuerpause verlief seither ergebnislos.

Enttäuschung bei der UNO

Die UNO zeigt sich «sehr enttäuscht» über den Abbruch der Syrien-Gespräche. «Die Vereinten Nationen werden das syrische Volk niemals dem Schicksal eines endlosen Gewaltkonfliktes überlassen», versprach der UNO-Sondergesandte de Mistura in Genf. Es werde auch versucht, Hilfslieferungen zu Notleidenden zu bringen.

Plutoniumvernichtung gestoppt

Wegen zunehmender Spannungen mit den USA setzt Russland die vereinbarte Vernichtung von atomwaffenfähigem Plutonium aus. Präsident Putin nannte als Begründung die «unfreundlichen Handlungen der USA» gegen Russland und eine Bedrohung der strategischen Stabilität. Konkret wirft Russland den USA vor, sich nicht an die getroffene Abmachung zu halten.

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Schade haben es die USA unter dem Zauderer Obama unterlassen, den Diktator zum Verschwinden zu bringen. Das war eine Einladung an den selbsternannten Zar im Kreml auf den Plan zu treten. Die Geschichte scheint sich ständig zu wiederholen.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Länder von ihren Diktatoren gewaltsam zu befreien, war ja bisher so erfolgreich... Wollten dies die Syrer überhaupt? Mir bekannte Umfragen zog eine Mehrheit Assad einem Krieg vor.
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    2. Antwort von u. Felber (Keule)
      assad ist ein Verbrecher, bernoulli. wie so viele Diktatoren es auch sind. ob er besser als Diktator unterstützt worden wäre, ja vllt schon, dann gäbe es sicher wengier elend...
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Nur funktionieren viele Länder besser unter "Diktatoren" & ohne Einmischung angeblicher Demokraten, welche ja auch Diktatoren sind, weil sie bestimmen, wie Länder regiert werden müssen, gäbe es weniger Kriege. Fragt man heute z. B. ehem. Bürger aus der DDR, waren viele damals unter der Diktatur zufriedener als heute. Aber eben, man hat auch da vieles schlechter geredet, als es wirklich war.
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  • Kommentar von S. Petrovic (S.Petrovic)
    Auf Lügen basiertes Angriff auf Irak, Aingriff auf souveränen Libyen, Putsch Unterstützung im Ukraine, Unterstützung von " Rebellen " im souveränen Syrien,CIA Folter Gefängnise, NSA Affäre- das alles ist bekannt aber es gibt noch solche dia an NATO Propaganda glauben , oder sind einfach bezahlte NATO fünfte Kolonne.
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  • Kommentar von Ch. Helfenstein (Ch. Helfenstein)
    Liest man "Syrien Krieg- Chronologie", versteht man nicht weshalb die USA, F und GB die Schuldigen an diesem Krieg sein sollen. Putin/ Lawrow haben bei Beginn des Krieges mit ihren Veto`s (+China) einen Eingriff der UNO verhindert. Schon damals ärgerte Lawrow mit seinen Lügen. Als dann der IS zu wirken begann, wurden die Forderungen, der Westen soll eingreifen, lauter. Erst als Assad zu fallen drohte, griff Putin mit einer neuerlichen Lüge, Kampf gegen IS, ein und befeuerte den Krieg von neuem.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Versteht man auch meist nicht, weil nicht erzählt wird, dass USA, F und GB in Syrien jeden unterstützen, der gegen Assad kämpft - also auch die Islamisten verschiedener Gruppierungen, inkl. IS. Diese Informationen gibt es aber. Unabhängig davon ist die Frage: warum konnte sich der IS in Syrien ausbreiten trotz dem Einsatz ab September 2014 der USA, F, GB u.a.? Warum sanktionierten die USA, F und GB den IS unterstützende Staaten wie die Türkei, Katar und Saudi-Arabien nicht?
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