Elf Tote: Opfer vom Zug-Crash in Bad Aibling stirbt im Spital

Nach dem schweren Zugsunglück in Bad Aibling sind die Bergungsarbeiten nach einem Unterbruch in der Nacht wieder angelaufen. Derweil starb ein weiteres Opfer an den Folgen seiner schweren Verletzungen im Spital.

Rote Kräne heben Wrackteile von der Unfallstelle in Bad Aibling. (reuters)

Bildlegende: Die verkeilten Waggons werden voneinander getrennt und dann mit Spezialkränen von der Unfallstelle weg gehoben. Reuters

Am Donnerstag erlag laut Polizei ein 47-jähriger Mann im Spital seinen Verletzungen. Damit erhöht sich die Zahl der Unfallopfer auf elf.

Die in den Zügen ums Leben gekommenen Opfer konnten derweil alle identifiziert werden. Neben den neun Männern aus der Region, deren Identität bereits gestern feststand, starb beim Unglück vom Dienstag laut der Polizei auch ein 38-Jähriger aus Brandenburg.

Der Gesundheitszustand mehrerer Schwerverletzter sei ausserdem nach wie vor ernst. Insgesamt gibt es neben den elf Todesopfern laut neustem Stand 20 Schwerverletzte und 62 Leichtverletzte.

Die Bayerische Oberlandbahn bestätigte zudem, dass sich neben den beiden Lokführern und einem Lehr-Lokführer noch ein weiterer Mitarbeiter in den Zügen befunden habe.

Zahlreiche Hürden bei Bergungsarbeiten

Die Bergungsarbeiten am Unglücksort sind nach einer Pause in der Nacht bei Tagesanbruch wieder aufgenommen worden. «Grund für den Unterbruch war das schlechte Wetter. Ferner spielte eine Rolle, dass die Einsatzkräfte eine Pause brauchten», sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Die Bergung der verunglückten Züge gestaltet sich schwierig. Die Unglücksstelle liegt in einem Waldstück an einer Hangkante, die steil zu einem Kanal abbricht, und nur schwer zu erreichen ist.

Zusätzlich erschwert werden die Bergungsarbeiten offenbar, weil viel Energie in den Trümmern gespeichert sei, so ein Polizeisprecher. «Wenn die Wracks auseinandergezogen werden, könnte es sein, dass ein Metallteil wie ein Pfeil weggeschleudert wird.»

Die Experten untersuchten am Donnerstag ausserdem Signale und befragten Beteiligte. Im Vordergrund stehe aber die psychologische Bewältigung der Katastrophe, so die Polizei.

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Menschliches Versagen führte zu Frontalkollision

3:08 min, aus 10vor10 vom 9.2.2016

Dritte Blackbox noch nicht gefunden

Die verkeilten Waggons sollen zunächst voneinander getrennt und dann in Teilen geborgen werden. Zwei Spezialkräne wurden hierfür aus Fulda und Leipzig nach Oberbayern transportiert. Danach sollen das Gleis und die Oberleitung repariert werden. Den dritten Fahrtenschreiber konnten die Beteiligten noch nicht finden.

Die Arbeiten werden voraussichtlich noch zwei Tage andauern, allenfalls wird die Bergung aber auch aufs Wochenende ausgedehnt. Noch deutlich länger dürften die Ermittlungen zur Unfallursache dauern. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass erst in einigen Wochen Klarheit herrschen wird.