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Energiewende durch Kohle Klimakanzlerin? Kohlekanzlerin!

Angela Merkel hat ambitionierte Klimaziele. Das Land ist zwar auf gutem Weg, aber auf Kosten eines hohen CO2-Austosses.

Legende: Video Der Klimaschutz ist Merkels Herzensangelegenheit abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.11.2017.

Deutschland sieht sich gerne als Vorreiter im internationalen Klimaschutz. Angela Merkel erklärte den globalen Klimaschutz 2007 zur grössten und wichtigsten Herausforderung des 21. Jahrhunderts, was ihr den Namen Klimakanzlerin einbrachte.

Doch Deutschland gehört zu den Staaten, die am meisten CO2 ausstossen. Wegen der ambitioniert eingeleiteten Energiewende bleibt die Kohle der wichtigste Energieträger im Land.

Klimakanzlerin in Grönland

Angela Merkel in roter Winterjacke auf einem Fischkutter inmitten weissblauer Eisberge im Grönland – das war 2007. Dazu ein Weckruf an die anderen Mächtigen der Welt: «Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Klimaschutz die Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist». Es war die Geburtsstunde der Klimakanzlerin.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Klimaschutz die Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist.
Autor: Angela MerkelBundeskanzlerin

Merkels Affinität für Umwelt- und Klimaschutz reicht weiter zurück. Von 1994 bis 1998 war sie Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Regierung von Helmut Kohl.

Zu ambitionierter Atomausstieg?

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 beschliesst Merkel fast eigenmächtig den Atomausstieg. 2020 soll das letzte AKW in Deutschland vom Netz. Gleichzeitig fördert die deutsche Regierung mit Milliardenbeträgen erneuerbare Energien. Merkel setzt die Energiewende ambitioniert um, zementiert ihr Image der Klimakanzlerin.

Steinkohlekraftwerk in Niedersachsen.
Legende: Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima 2011 beschliesst Merkel fast eigenmächtig den Atomausstieg. Keystone

Doch ihr Plan gerät ins Stocken. Zwar liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten Stromerzeugung Deutschlands mit 37 Prozent deutlich höher als in anderen grossen Industrienationen.

Weil aber die Kernkraftwerke nur noch 13 Prozent des Stroms produzieren, muss Deutschland wieder vermehrt auf Kohle setzen, um den hohen Bedarf an Energie abdecken zu können. So werden heute 41 Prozent der gesamten Stromerzeugung in 148 Kohlekraftwerken produziert. Ein Teil dieser Kohlewerke musste in den letzten drei Jahren reaktiviert werden.

Durch die erhöhte Energiegewinnung aus Kohle ist nun ausgerechnet Deutschland jenes Land in der EU, welches am meisten Kohlenstoffdioxid ausstösst. Weltweit liegt Deutschland auf Rang 6 der CO2-Sünder hinter China, USA, Indien, Russland und Japan.

Klimaziele deutlich verpasst

Damit bleibt Merkel weit hinter ihren selbstgesteckten nationalen Klimazielen zurück. Bis 2020 wollte Deutschland im Vergleich zu 2010 155 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase ausstossen. Bis jetzt ist der Ausstoss aber um gerade mal 1 Million Tonnen zurückgegangen.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Luciano Pedrazzi (Viano)
    Und die Schweiz hilft mit. Wir importieren viel Strom aus Deutschland. Und viel davon kommt aus Kohle-KW. So pervers ist die Energiestrategie 2050...
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Syrien ist zwischenzeitlich dem Pariser Klimaabkommen beigetreten. Die USA haben sich angeblich isoliert. Vermutlich hat niemand letzter Zeit soviel Sarin freigesetzt wie B. al-Assad. Möglicherweise ist Sarin sogar nur schädlich für Menschen, ansonsten aber umweltneutral und damit kein Verstoss gegen das Pariser Klimaabkommen... Aber eine Veranstaltung, die mit Leuten wie B. al-Assad den Planeten wieder gross machen wollen, ist im höchsten Masse suspekt.
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  • Kommentar von Edwin Schaltegger (Edwin Schaltegger)
    Dieser „Schnellschuss“ mit dem Ausstieg aus der Kernenergie durch Frau Merkel ist ein weiterer krasser Fehlentscheid. Die sogenannte Energiewende in Deutschland ist ein Desaster. Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass die staatliche Planwirtschaft nicht funktioniert. Deutschland ist auch verantwortlich, dass der europäische Strommarkt aus den Fugen geraten ist. Leider ist unsere Energiestrategie 2050 eine ähnliche Fehlkonstruktion.
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