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International Entwerten die Sanktionen den Rubel?

Der Rubel verliert gegenüber anderen Währungen an Wert. Das verteuert die Preise in Russland. Diese Entwicklung ist vor allem auf die Unsicherheit an den Märkten zurückzuführen, analysiert ein Wirtschaftsbeobachter aus Moskau.

Der russische Rubel verliert stark an Wert. Am Dienstag erreichte er im Handel mit dem US-Dollar ein neues Rekordtief, es mussten für einen Dollar 38,81 Rubel bezahlt werden und damit so viel wie noch nie. Mittlerweile hat er sich leicht gefangen. Die langjährigen Vergleichswerte liegen ungefähr bei 30 Rubel pro Dollar, sagt der NZZ-Wirtschaftskorrespondent in Moskau, Benjamin Triebe, gegenüber SRF.

Es sei nicht direkt der wirtschaftliche Schaden, der durch die Sanktionen entstehe, der den Wertverlust verursache, sagt Triebe weiter. «Der Schaden ist zwar da und er ist auch nicht gering. Aber er ist doch nicht so gross, dass er die russische Volkswirtschaft in den Abgrund stossen könnte. Es ist viel mehr die Unsicherheit.»

Noch vor dem Sommer habe man gedacht, dass sich die Krise wieder entspannen könnte. Der Westen habe gezögert, weitere Sanktionen zu verhängen. Doch nun haben Washington und Brüssel die Sanktionen nochmals verschärft. «Washington hat , wenn auch in geringem Masse, den russischen Erdgaskonzern Gazprom aufs Korn genommen, und einen privaten Erdölkonzern ebenfalls.» Die Folge davon sei, dass die Märkte nun wirklich nicht mehr wüssten, was als nächstes kommt. «Die Erwartungssicherheit ist sehr gering. Und das ist Gift an der Börse», sagt Triebe.

Schwacher Rubel schädigt die Wirtschaft

Die russische Wirtschaft sei sehr abhängig von Importen, sagt der Korrespondent. Trotz des Lebensmittelembargos blieben viele andere Produkte übrig, die importiert werden müssten. Auch Vorleistungen für Produkte, die in Russland hergestellt werden, müssen importiert werden, zum Beispiel Teile für die Automobilfertigung. «Damit verteuern sich im Inland die Preise.» Die Inflation nähere sich in Russland auf Jahressicht gesehen schon 8 Prozent, eigentlich seien 6 Prozent angestrebt worden.

Damit sich der Rubel wieder erholen könnte, brauche es nicht nur die Aufhebung der Sanktionen. «Es bräuchte an den Märkten vor allem Sicherheit, Erwartungssicherheit. Märkte können sich auch auf negative Szenarien einstellen.»

Im Moment sei die geopolitische Entwicklung kaum vorherzusagen und seien damit auch die Faktoren, die den Rubel beeinflussen, nicht prognostizierbar. Deshalb bräuchte es für eine Stabilisierung an erster Stelle eine politische Entspannung in der Ukraine-Krise. Und damit auch die Abwesenheit der Furcht vor neuen Sanktionen, denn nur mit einer politischen Entspannung kann man erwarten, dass auch die Sanktionen nicht weiter verschärft werden.

Strukturreform nötig

«Aber damit der Rubel wirklich mal auf dieses Niveau zurückkehren kann, mit denen wir in den vergangenen Jahren immer geplant haben, braucht Russland einen Wirtschaftsaufschwung.» Dafür brauche es Strukturreformen. Der Wirtschaftskorrespondent sagt dazu: «Ich sehe nicht, dass das innerhalb des nächsten halben Jahres wirklich passieren wird, denn Russland fährt im Moment den entgegengesetzten Kurs zur Strukturreform.»

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28 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Wer die Weimarer Republik mit Russland vergleicht hat von Wirtschaft keine Ahnung. Russland hat 500 Mia USD an Reservern ohne den Wealth Fund - denn dann kämen noch 140 Mia hinzu. Täglich werden Milliardendeals abgeschlossen und in die Wege geleiitet. Ob die Eisenbahnstrecke Moskau - Kazan 10 Mia, den Hafen auf der Krim, die Brücke zur Krim. Abtausch von Gazprom Firmen im fernen Osten alles Milliardendeals der letzten 2 Monate. Mit Sicherheit bei weitem keine vollzählige Aufzählung.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Der Korrespondent der SRF sollte sich mal die Rede von Putin anhören, darin sind die Strukturreformen enthalten, der Verlierer ist die EU. Die Landwirtschaft wird forciert und subventioniert und zudem auf den Eigenbedarf ausgerichtet, der Gaspreis muss in Rubel bezahlt werden und die nötigen Importe werden aus der BRICS Region importiert. Die Inflation von 8 % hat keinen Einfluss in Russland, weil sie wie die USA ihr eigenes Geld drucken können. Es ist ein Wirtschaftskrieg.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @U. Keller: Wenn Sie meine Beiträge über dieses Thema über die letzten Wochen und Monaten verfolgten, trifft nun genau das ein, was ich schon immer vorausgesagt habe. Ich staune einfach immer wieder, wie einfach die Politiker der EU "gestrickt" sind.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      "Die Inflation von 8 % hat keinen Einfluss in Russland, weil sie wie die USA ihr eigenes Geld drucken können" Als ob nur das Gelddrucken das Problem wäre!Was für phänomenale Kenntnisse volkswirtschaftlicher Zusammenhänge! Wir hatten in D in den 20er Jahren auch Inflation,die Gelddruckmaschinen kamen nicht mehr nach, man holte mit dem Bollerwagen das Geld ab. Deshalb die "Goldenen 20er"Urs Keller, man sollte sich nicht als Prophet betätigen von der man von dieser Fakultät keine Ahnung hat.
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    3. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Keller+Girschweiler: Hier gibt es auch eine Inflation, nämlich die von absolutem Humbug der hier verzapft wird. Man kommt ja mit dem Schreiben von Richtigstellungen nicht mehr nach. Es gilt halt immer wieder in besonderem Maße die alte Lebensweisheit: Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens
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    4. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Herr Chauvet, die Inflation in den 20er Jahren wurde künstlich erzeugt, um die Staatsschulden zu senken und die Reparationszahlungen an die Siegermächte zu entwerten. Ihre Kritik an Urs Keller dürfen sie gerne bei sich behalten.
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    5. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Starnberger:Sie sollten hier nicht wieder mal in die Unsitte verfallen,auf einen Nebenkriegsschauplatz abzulenken.Die Auswirkungen einer Inflation sind immer dieselben:Entwertung des Geldes und damit der angesparten Vermögen und Rücklagen fürs Alter z.B. bei Versicherungen,allgemeine Teuerung, Instabilität der Wirtschaft. Dies schön zu reden wie Sie oder Herr Keller, ist jedenfalls für mich und wohl für alle noch mit normalem Menschenverstand ausgestattete Zeitgenossen nicht nachvollziehbar.
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    6. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Girschweiler: Nur am Rande erwähnt, was die nach Ihren frei erfundenen Behauptungen von wegen in Deutschland künstlich erzeugter Inflation wegen Reparationszahlungen an die Siegermächte nach dem 1. Weltkrieg betrifft: Reparationsplan nach dem Versailler Friedensvertrag:" 269 Mrd. GOLDmark binnen 42 Jahren". Ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein würde bedeuten, dass man vorher versucht gewisse feststehende Sachverhalte, die keine subjektive Meinung zum Inhalt haben, zu recherchieren.
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    7. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @M. Chauvet: Die Weimarer Republik hatte keinerlei Währungs- u. Goldreserven. Im Uebrigen hat W. Starnberger recht. Die USA haben damals FR u. BE gewarnt die Deutschen nicht wirtschaftl. in die Enge zu treiben. Es wurde nicht darauf gehört, sondern die Schwerind. abmontiert und nach den Siegermächten verschickt. Die wirtschaftl. globale Lage ist heute eine ganz Andere. Aber das haben Sie möglicherweise in Neustadt noch nicht realisiert.
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    8. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @M. Chauvet: Durch die Reparationszahlungen von 269 Milliarden Goldmark war es der Weimarer Republik gar nicht möglich Währungsreserven zur Stützung der Landeswährung zu leisten. Sie müssen weiter denken u. dann Schlüsse ziehen. Wie ich schon sagte wie sollte die Weimarer Rep. autark werden wenn die ganze Schwerind. im Ruhrgebiet abgebaut wurde? Meine Behauptungen basieren u.A. auf die Erkenntnisse von B. Collier's Buch "Siege die keine waren" leder vergriffen.
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    9. Antwort von Urs Keller, Binningen
      @Harald Girschweiler. Ja, das ist richtig, es gibt in der EU viele Politiker die sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, denn sie wissen nicht was sie tun. Und in diesem Forum solche die vor lauter EUSA Lobgesang die Realitäten aus den Augen verlieren. Nun, Herrn Chauvet sie sollten nochmals einen Lehrgang in Makrooekonomie und Weitsicht besuchen. m.f.G.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    RU u. VRCh. denken in andern Zeit-Horizonten. Sobald die Wirtschaftsgemeinschaft BRICS läuft, die Rohstoffströme anfangen anstatt nach Europa nach Asien fliessen, was in ca. 2-3 Jahren der Fall sein dürfte, wird sich RU hüten es mit dem Westen ganz zu verderben. Die Endabrechnung der Russen kommt aber erst und es wird für Europa nicht schön sondern hart. Uns wird es schlagartig dann ins Bewusstsein gelangen, wenn der US$ nicht mehr als Basiswährung benötigt wird.
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